NRW: Gratis-Zeitungen für Schüler Das überfliegende Klassenzimmer

NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers will kostenlos Zeitungen an den Schulen verteilen lassen - die Finanzierung ist noch unklar.

Alle neunten Klassen in Nordrhein-Westfalen sollen künftig ein Jahr lang eine Zeitung für den Unterricht geliefert bekommen. Diese gemeinsame Initiative mit den Zeitungsverlagen kündigte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) am Montag beim Medienforum NRW in Köln an. Das Leitthema des Medienfachkongresses heißt in diesem Jahr "Medien in Bewegung: Alles. Immer. Überall" und thematisiert die Wirtschaftskrise im Bereich der Medien.

Eine Gymnasiastin vergleicht Berichte aus Zeitungen der ehemaligen DDR und der BRD: Schon in der Schule sollen die Kinder an das Zeitunglesen herangeführt werden.

(Foto: Foto: ddp)

Laut Angaben des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) interessierten sich 2008 immerhin gut 47 Prozent der 14- bis 19-Jährigen und knapp 58 Prozent der 20- bis 29-Jährigen für die gedruckte Tagespresse. Ihre höchste Reichweite erzielten die Tageszeitungen allerdings traditionell bei den 40- bis 69-jährigen Lesern. Das kostenlose Abo soll die Jugendlichen schon früh an das Lesen von tagesaktueller Presse heranführen.

Die Zeitungen könnten im Unterricht vielfältig genutzt werden, sagte Rüttgers. Unter anderem würden die Schüler damit lernen, wie demokratische Meinungsbildung funktioniere. Das Projekt "Zeitung in der Schule - Schule in der Zeitung" werde sich auf alle Schulformen erstrecken.

Wie die Financial Times Deutschland berichtet, ist die Finanzierung des Projekts noch unklar. Udo Becker, Geschäftsführer des Zeitungsverlegerverbands Nordrhein-Westfalen (ZVNRW), erklärte, hierüber werde noch verhandelt.

Rüttgers hob im Zuge des Medienkongresses die Bedeutung der gedruckten Zeitung hervor und rief zu einer neuen Wertschätzung von Qualitätsjournalismus auf. "Auch in Deutschland gibt es Verleger, die unverhohlen die Zeitung zu Grabe tragen wollen", sagte Rüttgers am Montag zur Eröffnung des Branchentreffs Medienforum NRW in Köln. "Da muss und will ich vehement widersprechen." Man werde immer Journalisten brauchen, die in der Lage seien, Zusammenhänge kompetent zu erklären - bei der heutigen Informationsflut mehr denn je: "Der Berufsstand braucht neue Wertschätzung."

Ganz neu ist die Idee nicht, jungen Leuten die Mediennutzung durch für sie kostenlose Zeitungen schmackhaft zu machen. Frankreich setzt auf Gratis-Abonnements, um junge Erwachsene wieder zu Zeitungslesern zu machen: Alle Franzosen sollen, mit ihrem 18. Geburtstag ein Jahr lang einmal pro Woche eine Zeitung ihrer Wahl frei zugestellt bekommen. Sarkozy hatte im Januar erklärt, der Staat müsse sich der Presse genauso annehmen wie der kriselnden Autobranche.

Und auch in Deutschland laufen bereits ähnliche Schulprojekte, wenn auch vereinzelt: So stellt die WAZ-Mediengruppe aus Essen jährlich rund 50.000 Schülern aller Schulformen sieben Wochen lang Zeitungen und begleitendes Unterrichtsmaterial zur Verfügung. Die Finanzierung liegt allerdings bisher weitestgehend bei den beteiligten Verlagen selbst.