Patti Smith bei der Nobelpreisverleihung "Es tut mir leid, ich bin so nervös"

Peinlich berührt: Die Sängerin Patti Smith hält bei der Verleihung des Literatur-Nobelpreises die Hände vors Gesicht, nachdem ihr bei einer Stelle des Liedes "A Hard Rain's A-Gonna Fall" der Text entfallen war.

(Foto: AP)
  • Bob Dylan bleibt der Verleihung des Literaturnobelpreises fern - und schickt stattdessen seine Freundin Patti Smith nach Stockholm.
  • An einer Stelle hat die Sängerin jedoch einen Hänger, weil sie "so nervös" gewesen sei.
  • In einer Botschaft ließ Dylan außerdem vortragen, die Auszeichnung flöße ihm Ehrfurcht ein.

Bob Dylan hat sich bei der Vergabe der Nobelpreise in Stockholm zwar nicht blicken lassen, aber auf seine Weise Danke gesagt. In einer Botschaft ließ er ausrichten, es flöße ihm Ehrfurcht ein, dass er mit dem Literaturnobelpreis unter den "Giganten" der Schriftstellerei sei. Azita Raji, US-Botschafterin in Schweden, verlas die Mitteilung beim abendlichen Bankett in Stockholm.

Vor allem aber ließ sich Dylan bei der Gala im Konzerthaus von seiner langjährigen Freundin Patti Smith vertreten. Während es draußen regnete, trug die 69-Jährige im Saal seinen Folkklassiker "A Hard Rain's A-Gonna Fall" vor - bis sie mitten im Lied innehielt.

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"Entschuldigung, es tut mir leid, ich bin so nervös", sagte Smith. Das Publikum in der Stockholmer Konzerthalle, die meisten in festlicher Abendgarderobe, unterstützte Smith mit rhythmischem Klatschen, als sie noch einmal ansetzte. Im dritten Vers hatte sie scheinbar einen weiteren kurzen Hänger, steigerte sich dann jedoch in einen emotionalen Vortrag des uralten Stücks, das Dylan 1962 mit nur 21 Jahren geschrieben hatte.

1963 wurde Dylan mit "Blowin' In The Wind" weltberühmt. Über ein halbes Jahrhundert später ist er eine Musiklegende, Pulitzer- und jetzt auch Nobelpreisträger.

In seinem Dankeswort an die Akademie entschuldigte sich Dylan für sein Fernbleiben: "Es tut mir leid, dass ich nicht persönlich bei Euch sein kann, aber bitte wisst, dass ich auf jeden Fall im Geiste bei Euch bin", ließ er die Royals, Nobelpreisträger und Spitzenpolitiker wissen.

Konzentration auf "banale Sachen"

In seiner Rede spielte Dylan auch auf die Debatte an, ob die Auszeichnung an einen Songwriter gehen sollte. "Den Literaturnobelpreis zu bekommen, ist etwas, das ich mir nie hätte vorstellen oder kommen sehen können", meinte er bescheiden.

Doch als Shakespeare "Hamlet" geschrieben habe, habe er wahrscheinlich nicht darüber nachgedacht, welche Darsteller er aussuchen und wo er einen Schädel finden könne, hieß es in der Rede. "Ich bin sicher, dass das letzte, das Shakespeare durch den Kopf ging, war: 'Ist das Literatur?'"

Auch er selbst konzentriere sich bei seinem Schaffen auf "banale Sachen" wie Aufnahmen in der richtigen Tonart, nicht etwa darauf, ob seine Songs denn Literatur seien. Dennoch danke er der Schwedischen Akademie dafür, sich dieser Frage gestellt und "solch eine wunderbare Antwort gegeben" zu haben.

Physik-Nobelpreisträger ist enttäuscht über Dylans Fernbleiben

Der Literaturwissenschaftler Horace Engdahl, Mitglied der Schwedischen Akademie, rechtfertigte die Entscheidung für Dylan bei der Zeremonie, indem er den Musiker in einem Atemzug mit Shakespeare und Ovid nannte. "Die Schönheit seiner Songs ist von höchstem Rang", schwärmte er.

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Dabei hatte Dylan die altehrwürdige Schwedische Akademie seit der Bekanntgabe im Oktober mehr als einmal brüskiert - angefangen damit, dass die Jury den Sänger wochenlang nicht ans Telefon bekam. "Ich war unterwegs, als mich diese überraschende Nachricht erreicht hat und brauchte mehr als ein paar Minuten, um das richtig zu verarbeiten", zitierte US-Botschafterin Raji den Rockpoeten.

Ob Dylan überhaupt persönlich nach Stockholm kommt, um die Auszeichnung abzuholen, steht noch nicht fest.

Als großer Dylan-Fan sei er bitter enttäuscht, dass der Rockstar nicht zur Verleihung gekommen sei, sagte Physik-Preisträger Michael Kosterlitz im schwedischen Fernsehen. Nur einer freute sich insgeheim vielleicht ein bisschen, dass Bob Dylan sich nicht in Stockholm hat blicken lassen: Einer der anderen beiden Physik-Preisträger, Duncan Haldane. Er durfte beim Abendessen am Ehrentisch zwischen der Königin und Prinzessin Madeleine sitzen.

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