"Ich danke allen, die ich vergessen habe": Vor lauter Dankbarkeit, dass sie wieder da sein dürfen, gerät das neue Album der No Angels leider daneben.
"Ich möchte als erstes meinen Mädels danken", schreibt Sandy im Intro. "Danke an unsere tollen Make-up-Leutchen!" Auch Lucy will vorab den "Mädels" danken: "Danke, dass ihr so seid, wie ihr seid!" Jess beginnt mit den Worten "Ich danke meinem Leben für den Weg, den es für mich vorgesehen hat", Nadja beschließt die einführenden Zeilen mit den Worten "Ich danke allen, die ich vergessen habe." Dies sind die Worte, mit denen die No Angels zurück auf den Markt drängen. Und es scheint so, als ob sie vor lauter Dankbarkeit eine klitzekleine Nebensache vergessen haben: ihre Musik.
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Man erinnere sich: Die No Angels waren die erste deutsche Pop-Band, die über ein TV-Casting zusammenfand - und sie waren damit extrem erfolgreich: Von 2000 bis 2003 haben die ursprünglich fünf jungen Damen geschätzte 5 Millionen Platten verkauft, darunter vier Nummer-eins-Singles. Eine unglaubliche Blitz-Karriere, die ihnen so niemand zugetraut hatte, und was ihnen ebenfalls niemand zugetraut hatte, war folgendes: Viele ihrer Lieder waren gar nicht mal so schlecht: "All cried out", "Still in love with you" oder "When the angels sing" waren nicht nur in den Charts, sondern auch unter Musikkritikern wohlwollend beohrt.
Dann kam das Burnout. "Wir hatten uns übernommen", geben die Damen offen zu. Man stelle sich das vor: Von Dome zu Top of the Pops, von Top of the Pops zur Autogrammstunde, von der Autogrammstunde zum Interview mit Teenie-Magazin Nr. 23. Anstrengend, sowas, in der Tat.
Wie ein Hubba-Bubba
Die Band löste sich auf - und erfüllte seitdem jegliches Klischee, das im Handbuch für Bandauflösungen beschrieben ist: Sandy startete den erfolglosen Versuch einer Solo-Karriere, Lucy wurde als C-Promi durch jegliche Tanz-Shows gereicht, Jess kümmerte sich um ihr Kind, und Nadja? Tja, für Nadja blieb die Rolle derjenigen, die in ganz vielen Shows auftrat, wie sie zum Comeback auf Nachfrage verkünden musste.
Und jetzt kommt das Schicksal ins Spiel: Anders ist nicht zu erklären, dass die No Angels sich aus ihrem Frührentnertum frühzeitig verabschiedet haben und nun ihr furioses Comeback verkündeten. Der Name lautet: "Destiny".
"Goodbye to yesterday" heißt die erste Single daraus. Bevor man das zu ernst nimmt, hier ein paar Textpassagen, vage ins Deutsche übersetzt: "Unsere Planeten haben mal gespielt, aber jetzt zirkulieren sie nicht mehr im selben Orbit - alle Farben wurden grau - wir haben uns voneinander entfernt - unsere Beziehung segelt von der Küste davon - ja, ja, ja, ich bin es leid, so zu leben - ja, ja, ja, ich weiß, es wird sich niemals ändern". Dem ist nichts hinzuzufügen.
Okay, Lyrik ist nicht ihre Stärke, und auch nicht ihre Aufgabe. Die Erwartungen an die No Angels sind denkbar einfach: Gerade Beats, flockige Melodien, ein Refrain zum Mitsingen inklusive Ohrwurm-Qualität. Tanzen konnten darauf nur die No Angels selbst - aber dafür schaute man ihnen umso lieber dabei zu. Vielleicht ihr größtes Kapital: Im Gegensatz zu allen anderen Girl-Bands hatten sie immer den nötigen Schwung.
Und jetzt das: Man hört sich durch das Album, wie man ausgelutschten Hubba-Bubba kaut, mit dem nicht mal mehr Blasen zustande kriegt. Ein Song ist wie der andere: Möglicherweise war der Drum-Computer kaputt, denn er spielt immer den selben Beat. Zwar stammt fast jedes Lied von einem anderen Songwriter, aber das merkt man nicht. Alles ist Herzschmerz: "Missguided heart", "The rhythm of my heart", "My heart's paying the price", und so weiter und so fort .... Die Dramatik wird herbeigeseufzt, aber die Musik klingt eher nach langweiligem Herbstnachmittag als nach wirklichem Gefühl.
Schade, eigentlich. Dabei waren die No Angels die fleischgewordene Hoffnung für jeden Casting-Star, es doch noch irgendwann mal zu etwas zu bringen und damit auch die bösesten Sprüche eines Dieter Bohlen wegzustecken.
Die beste Zusammenfassung liefern die No Angels, die seit dem Comeback ohne Vanessa und nur noch zu viert sind, selbst - in dem einzigen Lied, das doch noch Anlass zu Hoffnung gibt, in dem sie ansatzweise zurück zu der Form finden, die sie einmal hatten, in dem Lied namens "Back off": "Exaggerating, no game, so lame, no shame". Was so viel heißt wie: "Völlig übertrieben, kein Spaß, so langweilig, kein Schamgefühl". Wie wahr.
(sueddeutsche.de)
Soviele Kritiker haben die No Angels in letzter Zeit angegriffen und ihren von Geldnot bis "Hubba Bubba" alles vorgeworfen. Sie sprechen von guter Musik? Warum kritisieren sie nicht einmal Sendungen mit Silbereisen und Nebel, wo alte Menschen senil gemacht werden mit den selben Lieder, dummen Texten und immer lächelnden Menschen, deren Privatleben ein einziges Chaos ist. In die selbe Kerbe zu hauen und die No Angels schlecht zu machen, ist nicht mehr mutig. Sich eindeutig für sie auszusprechen und statt nur negativem, auch mal etwas positives berichten wäre ja auch wirklich zuviel verlangt. Kritik liest sich eben besser, als Lob, nicht wahr?
soso, die No Angels haben früher gute Musik gemacht?
wie verschieden die Geschmäcker sind. ich konnte mit dem Sound noch nie was anfangen. die Musik bot für mich keine Höhepunkte und war emotionsloses Wischiwaschi.
trotzdem viel Glück für die braven und langweiligen No Angels. ich schalt dann einfach auf einen anderen Sender.
natürlich solltet Ihr (die SZ) weiter so breitbandig und umfassend über alles berichten. laßt Euch von dem altklugen einseitigen Geschwätz nicht unterkriegen......
...und über so einen Müll wird berichtet.
Wenn schon unsere Radios nur die unerträglichen Playlisten der Plattenfirmen abspulen, sollte wenigstens eine Zeitung wie die Süddeutsche diese Plastikmusik ignorieren.
hat der autor vielleicht einmal "All cried out" im original (Alison Moyet) gehört? das war mal ein ohrwurm und zu dieser zeit ganz nette popmusik. die no-angels version tut dagegen einfach nur weh.
warum wird denn immer noch so sehr über diese retortenmusik berichtet? es gab und gibt auch immer noch gute popmusik jenseits von schlechtinterpretierten coverversionen und dahingedüdelter einfallslosigkeit.
ein teil des problems ist die degenerierte radiolandschaft bei uns. unterschiede zwischen privaten und öffentlichen stationen sind beinahe nicht mehr wahrzunehmen. ein stumpfes auf und ab der hitlisten wird als programm verkauft. wären da nicht ein paar studentenradios und streaming-radio übers netz würde doch kaum einer mehr mitbekommen, dass es überhaupt noch andere musik gibt.
Liebe Frau Schneeberger, Lieber Herr Schmieder,
ihre Kritik ist ja nicht ganz falsch, aber vielleicht recherchieren Sie demnächst etwas genauer.
Jessica kümmerte sich nicht um ihr Kind, sondern zog sich u.a. für den Playboy aus, nach der Geburt ihrer Tochter Cheyenne. Und dann moderierte sie sogar bei EinsLive und Viva.
Nadja kümmerte sich hingegen sehr um ihre Tochter, die ja auch mit ein Grund waren, warum sie die Trennung der No Angels wollte.
Lucy wurde nicht rumgereicht, sondern gewann das Turmspringen bei Stefan Raab und machte in verschiedenen Wettbewerb-shows den 2.Platz hinter Oli.P. Das muss man mal schaffen.
Lediglich Vanessa Petruo hielt sich aus allem raus und versuchte nicht mal ernsthaft ihre Karriere fortzuführen.
Das Album "Mama Lilla Would" bekam zwar als einziges Solo-Album der fünf Engel gute Kritiken, dafür machte wehrte Dame keine Promo und übte Kritik an den Popstars-Sendungen.
Jetzt tourt sie mit Soul- und Funkbands und macht kredible, aber leider nicht kommerzielle und selbstgeschriebene Musik.
Laut einem Interview von Lucy studiert sie jetzt und möchte mit den No Angels nichts mehr zu tun haben.
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