Von Nicola Holzapfel

Entführung aus dem Einerlei: Der Jazz-Trompeter Nils Wülker legt sein drittes Album vor. Hörbar, Freunde. Auch für Nicht-Jazzer.

28 ist ein gutes Alter. Mit 28 ist man alt genug, um schon einen Weg eingeschlagen zu haben, manches ist erreicht. Und dennoch hat man noch ganz viel vor sich. Mitunter Vielversprechendes.

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Hat mit Herbie Hancocks "Cantaloupe Island" den Jazz für sich entdeckt: Nils Wülker. (© Foto: Steven Haberland)

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Nils Wülker hat bereits viel erreicht für seine 28 Jahre - sehr viel für einen deutschen Jazzmusiker.

Er hat sein Studium an der Musikhochschule Hanns Eisler in Berlin abgeschlossen, unter anderem hat er bei Jiggs Whigham studiert. Das ist nicht wenig. Vor allem, wenn man bedenkt, dass er während dieses Studiums schon eine CD eingespielt hat, die niemand für Studenten-Übung gehalten hat: Der Erfolg seiner ersten CD "High Spirit" (erschienen bei Sony), hat ihm gar den Auftrag eingebracht, für die Space Night im Bayerischen Fernsehen erstmals ein Jazzprogramm zu komponieren. Das ist selbst für 28-jährige Talente eine große Leistung.

Das erste Ergebnis bei der Google-Suche nach Nils weist jedoch zuerst auf seine Erscheinung hin: Angeblich konkurriert er mit Till Brönner um den Titel des bestaussehenden Trompeters Deutschlands. Das liegt aber wohl weniger an seinem netten Gesicht als vielmehr daran, dass nur wenige deutsche Trompeter es schaffen, einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu werden. Aber es gibt auch andere Ehren. Als "neuer Stern am deutschen Jazzhimmel", gar als neuer "Jazzstar" ist er schon tituliert worden. Die Fans mögen ihn. Auf seiner Webseite sparen sie nicht mit Zuneigung. Ein "neuer Zuhörer" schreibt:

"Musste mich erstmal setzen und zuhören. Und weg war ich. Danke! Danke auch an den Pianisten. Man könnte Euch quasi der Entführung anklagen!"

Soeben hat dieser begabte Nils seine dritte Scheibe veröffentlicht. Dazu hat er sogar ein eigenes Label gegründet. Er ist angekommen. Zumindest scheint es so.

Den Titel dieser CD hat er dazu ganz passend gewählt: "My Game".

So heißt auch das erste Stück, mit dem Wülker (Flügelhorn, Trompete) und seine Band (Lars Duppler am Piano, Jens Dohle am Schlagzeug, Dietmar Fuhr am Bass und Jan von Klewitz am Saxophon) einen guten Start hinlegen. Die Nummer ist leicht und beschwingt und nimmt den Zuhörer mit auf die Reise ins Wülker-Land. Das ist ein wenig verwunschen, aber nie fremd, manchmal traurig, aber nie duster, auch romantisch, aber nie zu süß. Sein Stil klingt eher nach Nordeuropa als nach Amerika. Unterwegs treffen wir auch auf die norwegische Sängerin Torun Eriksen, die mit ihrem sanften warmen Timbre gut zu den langsamen Stücken "Ask me" und "That's how I know" passt.

Wunderschön ist das sechste Stück, "Stripped". Hier verführt Wülker zum Innehalten. Mit dem letzten Stück, einer entschleunigten Version des Titels "My Game", klingt die Reise mit Wülkers warmen Sound, begleitet von dezenten Streichersätzen, sanft aus.

"My Game" wird manchen Winterabend verschönen. Sicher. Vielleicht gelingt es Nils Wülker, mit dieser CD auch jüngeren Zuhörern den Jazz näherzubringen. Er hat neugierig gemacht auf mehr. Na, denn: Alles Gute für die weitere Reise! Er ist ja erst 28.

Nils Wülker, My Game, Ear Treat Music 2005

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