Von Michael Kläsgen

"Diebstahl, Hehlerei und Fälschung": Nicolas Sarkozy lässt Journalisten wegen eines für ihn unangenehmen Onlinevideos verhören.

Das Video ist wenig schmeichelhaft für den Staatspräsidenten, aber bei Internetsurfern beliebt. 2,5 Millionen Mal haben sie es angeklickt. Am Mittwoch verhörte die Pariser Polizei vier Journalisten, weil sie in Verdacht stehen, das Video ins Internet eingespeist zu haben. Die Strafanzeige lautet auf "Diebstahl, Hehlerei und Fälschung". Gestellt hat sie die Geschäftsleitung des Senders, allerdings nicht ganz freiwillig. Nicolas Sarkozy hatte darauf gedrungen.

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Sarkozy stellt Journalisten an den Pranger. (© Foto: afp)

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Das rund zehnminütige Video stammt von Anfang Juni 2008. Es zeigt einen aufgeriebenen Präsidenten kurz vor einem Interview mit France 3. Sarkozy sitzt im Studio. Bei seiner Ankunft hatten draußen Mitarbeiter des Senders gegen die Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks demonstriert.

Nun wuseln ein Techniker und die Maske an ihm herum. Sarkozy sagt: "Wenn man eingeladen ist, hat man doch das Recht, gegrüßt zu werden." Schweigen. Sarkozy: "Aber gut, hier ist man nicht in einer öffentlich-rechtlichen Anstalt, sondern bei Demonstranten." Noch ein Tupfer Make-up. "Aber das wird sich ändern."

Die Journalisten erklärten nach dem Verhör, die Polizei sei sehr höflich gewesen. "Ich glaube, die haben sich für einen Aprilscherz missbraucht gefühlt", sagte Joseph Tual von France 3. Wie es weitergeht, weiß niemand. Ein Staatsanwalt wurde mit den Worten zitiert: "So ganz verstehe ich die Angelegenheit auch nicht." Oppositionspolitiker unterstützen die Journalisten. Deren Gewerkschaft sprach von einem beängstigenden "Einschüchterungsversuch".

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(SZ vom 03.04.2009/irup)