Neues Video von Get Well Soon "Bedingungslose Liebe ist krank"

Konstantin Gropper von Get Well Soon Konstantin Gropper von Get Well Soon

(Foto: xxx)

Melancholiker Get Well Soon singt einen Popsong - ausgerechnet über die Liebe. Doch das Video blickt in menschliche Abgründe.

Von Julian Dörr

Früher kämpften in seinen Videos rote Rächerinnen mit Augenklappe gegen fünfköpfige Fabelwesen. Heute lässt Konstantin Gropper, der Mannheimer Popakademiker und Multiinstrumentalist hinter der Band Get Well Soon, die düsteren Schlafzimmerepen und Hippie-Höllentrips hinter sich und wagt sich tief in den Pop hinein. Mit seiner großartigen Coverversion gab er im vergangenen Jahr George Michaels "Careless Whisper" Relevanz und Ernsthaftigkeit zurück. Jetzt veröffentlicht Get Well Soon das Video zum Song "It's Love", ein Vorbote der neuen Platte, die im Januar erscheint. "Love" wird das vierte Album des Melancholikers heißen und sich dem durchgenudelsten aller Pop-Themen widmen. Deshalb unsere erste Frage ...

SZ.de: Herr Gropper, gibt es nicht schon genug Lieder über die Liebe?

Konstantin Gropper: Auf jeden Fall. Das macht das Projekt ja so schwierig. Ich habe mich bewusst für das größte aller Themen entschieden. Ich mochte die Herausforderung, ob ich dem Kanon der Love-Songs noch etwas hinzufügen kann.

Das fertige Album ist Ihr bislang zugänglichstes Werk. Was ist los mit den nachdenklich-verschwurbelten Indie-Musikern?

Das Thema Liebe hat sich mir emotional aufgedrängt. Die Sache mit dem Pop war jedoch eine bewusste Entscheidung. Die größte Schwierigkeit bestand darin, Klischees zu vermeiden. Ich war auf der Suche nach Romantik, nach einer weniger verkopften Sicht. Ich habe mich ganz ironiefrei mit den größten Liebesschnulzen beschäftigt. Am Ende bin ich aber der, der ich bin. Mehr Woody Allen als Rosamunde Pilcher.

Ist der Rückzug ins Emotionale und damit Private in diesen politisch brisanten Zeiten als Künstler überhaupt vertretbar?

Einerseits ist es ein Rückzug, das stimmt. Man kann die Liebe aber auch als universelle Kraft sehen, eine positive Einstellung zur Welt. Das, was gerade in Deutschland passiert, ist ja auf eine gewisse Art romantisch. Der positive Willkommensgeist, den viele Menschen gegenüber Flüchtlingen zeigen, ist vielleicht nicht realistisch. Aber Romantik ist nicht realistisch. Dass man versucht, schwierigen Zeiten mit Optimismus entgegenzutreten, ist neu in diesem Land. Auch ein Aspekt des Themas Liebe.

Im Musikvideo zu Ihrem neuen Song bekocht ein älterer Herr, gespielt von Udo Kier, ein Mädchen, das er in seinem Keller gefangen hält. Der Song heißt "It's Love". Ist das Liebe?

Liebe hat eine positive Macht, kann aber auch das Schlimmste in uns zutage fördern. Wenn so jemand wie Josef Fritzl seine Taten mit Liebe rechtfertigt, dann muss man ihm das abnehmen - so verabscheuenswert es auch ist.

Bären im Biedermeier: "Love", das neue Album von Get Well Soon, erscheint am 29. Januar 2016.

(Foto: Caroline)

Was fasziniert uns an krankhafter und obsessiver Liebe?

Ich finde bedingungslose Liebe immer auf eine Art krankhaft. Einen Idealzustand der Liebe zu benennen, ist schwer. Sie schlägt schnell in Richtungen aus, die nicht gesund sind. Nicht immer in solch krasse Situationen wie im Video, aber in Abhängigkeiten oder Konkurrenzdenken. Eine bedingungslose Liebe halte ich nicht für richtig.

Hat die Popkultur das Konzept der Liebe totkommerzialisiert?

Klar. Aber Liebe ist ja mehr als nur ein Thema. Deshalb berührt uns noch der tausendste Liebesfilm.