Interview-Buch mit Loriot Interviews mit einem Ungeschwätzigen

Der Rest ist Lachen: Ein jetzt erschienener Band versammelt Interviews mit dem größten deutschen Humoristen und rundet das Bild des ernsten Spaß-Architekten. Loriot gibt auch einige Einblicke in seine souverän gepflegte Privatheit.

Von Hilmar Klute

Loriot war ein soignierter Herr, einer, dem man ansah, dass er ungern Einblicke in das Innere des Vicco von Bülow zuließ. Wenn einer das Recht hatte, indiskret zu sein, die Distinguiertheit der Bürger zu brechen und in eine bis heute unfassbare Komik zu überführen, dann war es Loriot selbst in seinen Zeichnungen, Sketchen und Filmen. Als er im Spätsommer dieses Jahres starb, konnten selbst die eifrigsten Wanzen des deutschen Boulevards nichts Nennenswertes über seine letzten Stunden berichten.

Loriot mit einem seiner berühmten Knollennasenmännchen.

(Foto: AP)

Dieser souverän gepflegten Privatheit, der Angemessenheit, mit der Loriot die neugierigen Fragen über sein wahres Selbst aufnahm und in elegantes Understatement verwandeln konnte, ist jetzt in einer schönen Interview-Sammlung nachzuspüren, die Loriots Freund Daniel Keel unter dem Titel "Sagen Sie jetzt nichts" bei Diogenes noch mit herausgegeben hat. Der große Verleger starb drei Wochen nach seinem Hausautor - der nebenbei wohl einer der drei, vier wichtigsten und ertragreichsten für Diogenes war. Jedem dieser Gespräche ist eine gewisse Unbehaglichkeit des Interviewten anzumerken, und es sind nicht wenige Stellen, in denen es aus Loriot herausbricht: Der größte, ach, was, der einzige Nachteil des schönen Ruhms ist die lästige Pflicht, Fragen zu Leben und Werk beantworten zu müssen. Es ist gleichwohl interessant zu sehen, dass ausgerechnet einer der Ungeschwätzigsten, die wir hatten, die genauesten, beredtesten und klügsten Auskünfte zu unseren Zeitläuften gibt und zudem präzise die Koordinaten unserer Humorlage setzt.

Die deutsche Jammerlappigkeit hatte nach dem Tode Loriots wieder ihre große Stunde. Der letzte Humorist sei gestorben, hieß es, einer, der den Deutschen die Humorbilanz gesichert habe, nach ihm gebe es nur noch Comedy und Männer-Klo-Witze, mit denen ein grungebärtiger Prolet die Olympiahalle füllt. Loriot hat die Deutschen immer wieder dahingehend beruhigt, dass sie schon Humor hätten, nur eben eine andere Sorte davon. Wo dieser in gekonnten Zynismus umschlägt, seien sie ungern dabei, anders als die Engländer mit ihrer Ohrfeigenkomik.

Loriot liebte ja vielmehr den Gedanken, dass Humor keine Gabe ist, die einem in die Wiege gelegt oder mit einer bestimmten Volkszugehörigkeit aufgesogen wird. Humor ist eine Technik, und die Komik, die angeblich in den täglichen Vorgängen liege, gibt es überhaupt nicht. In einem Gespräch mit Gero von Boehm hat Loriot das sehr klar gesagt: "Aber ich bin nie wie Harun-al Raschid durch die Straßen gegangen, um zu beobachten, ob nicht irgendwo etwas Komisches passiert. Jede Art der Komik, die man wiedergeben will, ist eine Konstruktion und geht über den Intellekt."

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