Neues Album von Michael Bublé Einfach zu "nice"

Ständig wird er mit Frank Sinatra verglichen - das ist popgeschichtlich ziemlicher Blödsinn. Natürlich sieht Michael Bublé gut aus und macht Swing, wie auch auf seinem neuen Album "To Be Loved". Doch er ist der Nette, der sich anpasst - und damit nicht cool.

Von Andrian Kreye

Seit Beginn seiner Karriere wird der kanadische Sänger Michael Bublé gerne mit Frank Sinatra verglichen. Es gibt sogar Menschen, die in ihm den legitimen Erben des "Chairman of the Board" sehen. Mal davon abgesehen, dass solche Meinungsäußerungen in bestimmten Vierteln von Brooklyn damit enden würden, dass man mit einem Betonklotz an den Füßen im East River versenkt würde, ist das popgeschichtlich ziemlicher Blödsinn.

Parallelen gibt es. Bublé sieht sehr gut aus. Er singt auch wirklich hervorragend, kann live sogar vor einer Big Band bestehen. In seinem Repertoire und auch auf seinem neuen Album "To Be Loved" finden sich Stücke, die Sinatra schon gesungen hat. Und er bringt seine Musik auf Reprise heraus, dem Label, das einst Sinatra gründete (heute gehört es Warner Music).

Der entscheidende Unterschied ist jedoch, dass Frank Sinatra in den Vierziger- und Fünfzigerjahren gegen den Status Quo kämpfte und die damals avantgardistische Haltung des Cool in den Mainstream der amerikanischen Kultur trug. Michael Bublé aber ist nicht cool. Er verkörpert das Gegenteil: Er ist "nice", was mit "nett" nur unzulänglich übersetzt ist. "Nice" ist der bedrückende Konsens der amerikanischen Freundlichkeit und die Nivellierung jedweder Widerständigkeit gegen den gesellschaftlichen Mainstream.

Hört man sich Bublés neues Album an, dann bekommt man über 14 Nummern hinweg einen Parcours durch sämtliche Stilfacetten des Pop serviert. Es gibt einiges an Swing, ein paar Feuerzeug-Schwenker, ein wenig Rock - und Pop, der klingt, als habe Robbie Williams seinen Humor verloren. Alles ist durchweg schmerzfrei und gehört damit eindeutig und buchstäblich in die Kategorie des "Easy Listening".

Frühformen dieser entspannenden Unterhaltungsmusik hat die Popkultur in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder mit der Hipness des Retro-Chic geadelt. Michael Bublé allerdings erinnert mit seiner bemühten Zeitlosigkeit daran, dass Easy Listening vom Bebop über den Rock bis hin zum Hip-Hop immer der Antagonist im ewigen Erneuerungszyklus der Popkultur war. In den USA steht Bublé nun auf Platz 1. Das beweist aber nichts. Außer, dass sich in Amerika derzeit offensichtlich sehr viele Leute dringend mal entspannen müssen.