Neuer Roman "Inferno" von Dan Brown Von sündigen Leibern

Dantes "Göttliche Komödie" ist der Ausgangspunkt für Robert Langdons neue Rätseljagd.

(Foto: Wikimedia Commons)

Der neue Roman von Dan Brown beginnt mit einem durchgeknallten Prolog und entwickelt sich zur rasanten Rätseljagd auf den Spuren von Dantes "Göttlicher Komödie". Erneut spielt der Erfolgsautor mit kniffligen Symbolen und einer schönen Frau, diesmal aber wieder in Europa.

Von Katharina Nickel

Von Dienstag an werden Millionen Leser versuchen, nicht allzu blöd auszusehen, wenn sie wahlweise Kopf oder Buch im oder gegen den Uhrzeigersinn drehen, um zu prüfen, ob Robert Langdons Theorie über die Archimedische Spirale auch stimmt. "Inferno", der neue Roman von Mystery-Autor Dan Brown, hält wieder jede Menge Rätsel und Kniffe bereit, berichtet die New York Times. Es beginnt schon beim Erscheinungsdatum: 14/5/13 ist ein numerisches Anagramm von 3,1415, dem annähernden Wert der Kreiszahl Pi.

Und auch der Anfang des Buches hat es in sich: Im Prolog fantasiert ein Ich-Erzähler von "sündigen Leibern, die sich in feurigem Regen winden, verfressene Seelen, die in Exkrementen treiben, verräterische Schurken, erstarrt in Satans eisigem Griff." Der Beginn einer neuen Rätseljagd mit Harvard-Professor Robert Langdon, die - wie auch zwei der Vorgänger, nämlich "Illuminati" und "Sakrileg" - in Europa spielt, unter anderem in der italienischen Stadt Florenz.

Wenn Brown einen neuen Mystery-Thriller veröffentlicht, ist der Hype groß. Sein Erfolgsroman "The Da Vinci Code" (deutsch: "Sakrileg") katapultierte ihn 2003 weltweit in die Bestsellerlisten. Nach Verlagsangaben ist der Roman über die versteckte Symbolik in Da Vincis Werken und deren Folgen für die Rolle der Frau in der katholischen Kirche mit 81 Millionen verkauften Exemplaren das erfolgreichste Hardcover-Buch für Erwachsene aller Zeiten. Die Thesen des Autors über religiöse Verschwörungstheorien sind vom Vatikan und von Historikern scharf verurteilt worden, was den Hype um das Buch noch vergrößerte. Auch die Verfilmung mit Tom Hanks und Audrey Tautou war unter Kritikern umstritten.

Dennoch rechnet der Kölner Bastei-Lübbe-Verlag auch bei "Inferno" mit einem kommerziellen Mega-Erfolg. Nach "Illuminati", "Sakrileg" und "Das verlorene Symbol" (mit Washington als Schauplatz) ist es Robert Langdons vierter Abenteuertrip durch die Welt der Symbole und Verschwörungen. Der Tweedjacken-Liebhaber wacht mit einer Amnesie und blutverschmierter Kleidung im Krankenhaus auf. Er weiß noch, wer er ist, aber weder was für ein Unfall sich ereignet hat noch warum er sich in Florenz statt Massachusetts befindet. Und vor seinem Fenster wartet eine Frau, die es auf ihn abgesehen hat - mit einer Waffe.

Wie gewöhnlich kommt der Autor schnell zur Sache. Im Krankenhaus nimmt sich eine - erwartungsgemäß gutaussehende und kluge - Frau seiner an, die Ärztin Dr. Sienna Brooks. Alsbald werden die beiden mit einer Verschwörung konfrontiert, die ihre Wurzeln in einem der berühmtesten und dunkelsten Meisterwerke der Literatur hat: in Dantes "Göttlicher Komödie". Und wie in den vorherigen Büchern ist es wieder ein bestimmter Gegenstand, der Rätsel aufgibt: diesmal ein Zylinder mit einem biometrischen Siegel, versteckt in einem Titan-Röhrchen, der eine biologische Gefährdung darstellt. Dafür geht es von Florenz in eine andere italienische Stadt und dann höchstwahrscheinlich nach Istanbul - natürlich umrahmt von Langdons Fähigkeiten als Touristenführer und Kunsthistoriker.

Zwei Monate lang wurde das Buch in einer streng abgeschirmten, unterirdischen Werkstatt vor den Toren Mailands, von den Mitarbeitern "der Bunker" genannt, übersetzt. Das berichtete Alex Adami in einem Artikel für die italienische Zeitschrift TV Sorrisi e Canzoni, den Bastei Lübbe übersetzen ließ. Demach mussten die Übersetzer ihre Handys und alles, was Kontakt zur Außenwelt herstellen konnte, abgeben, ihre Computer wurden versiegelt und jede kleinste Bewegung protokolliert. Auch das trägt zur Brownschen Mythenbildung bei. Und die dürfte dem Verlag nur recht sein.

Dan Brown: Inferno. Roman. Aus dem Amerikanischen Englisch von Axel Merz. Bastei Lübbe Verlag, Köln 2013. 685 Seiten, 26 Euro.