Neuer Roman "F" von Daniel Kehlmann Wofür das F-Wort steht

Seit der "Vermessung der Welt" sitzt Daniel Kehlmann das Gespenst des Welterfolgs im Nacken. Mit seinem neuen Buch, dem komplexen Familien-, Illusions- und Schicksalsroman "F", versucht er es zu bannen.

Von Kristina Maidt-Zinke

Wer oder was ist F? F wie Four-Letter-Word. F wie Friede, Freude, Flammkuchen, oder wie Finsternis, Furcht und Frustration. F wie Fluch, der Fluch des Weltbestseller-Erfolgs, der dem österreichisch-deutschen Schriftsteller Daniel Kehlmann vermutlich noch lange nachhängen und die Erwartungen seines Publikums prägen wird. F wie "Die Fermessung der Welt?" Dass Kehlmann wieder einen Roman geschrieben hat, den ersten nach jenem irrwitzigen Coup im Genre "historical fiction" vor acht Jahren, wird medial jedenfalls als eines der Großereignisse dieses Literaturherbstes verbucht.

Der neue Titel lautet also schlicht und enigmatisch "F", und auf dem Cover ist der riesige Buchstabe, weiß auf schwarzem Grund, an den Rändern nebelartig verwischt. Das erinnert an Filmplakate der expressionistischen Ära, einer Zeit, in der sinistre GrenzgängereienHochkonjunktur hatten. Tatsächlich tritt, obwohl die Handlung in der Gegenwart spielt, gleich im ersten Kapitel ein Hypnotiseur auf.

Wörter mit F

Im weiteren Verlauf wird offenbar, dass das F für "Fatum" steht, lateinisch: Schicksal. Es könnte aber auch für "Familie" stehen und insbesondere für die, von der hier erzählt wird, denn ihr Name lautet Friedland. Außerdem für Fälschung und Finanzkrise, weil beides im Roman vorkommt, und vielleicht sogar für die von der Rechtschreibreform beglaubigte "Fantasie": Diesmal hat der Autor sich nicht an historischem Personal abgearbeitet, sondern sich ganz auf seine Erfindungsgabe verlassen.

Drei Brüder sind die Hauptfiguren der Geschichte - wie im Märchen, könnte man meinen, doch diese Anmutung wird dadurch unterlaufen, dass zwei von ihnen Zwillinge sind. Auch stammt das Trio von zwei verschiedenen Müttern ab, die der Vater Arthur Friedland, ein Schriftsteller mit einsiedlerischen Neigungen, nacheinander sitzen ließ. Die Zwillinge heißen Eric und Iwan, nach Erec und Iwein, den Rittern der Tafelrunde. Arthur sieht sich demnach als Artus, so dass wir es hier, nun doch wieder märchenhaft, mit drei "Königssöhnen" zu tun haben.