Neuer Krimi von J.K. Rowling Biss in die Knochen

(FILES) In a file picture taken on June 23, 2011 Harry Potter creator J.K. Rowling poses for photographers in central London. British author J.K. Rowling, whose Harry Potter novels became global bestsellers, said on June 26, 2015 that an 'untold part' of (FILES) In a file picture taken on June 23, 2011 Harry Potter creator J.K. Rowling poses for photographers in central London. British author J.K. Rowling, whose Harry Potter novels became global bestsellers, said on June 26, 2015 that an 'untold part' of the story about the fresh-faced wizard will be staged as a play in London. AFP PHOTO / CARL COURT ; (FILES) In a file picture taken on June 23, 2011 Harry Potter creator J.K. Rowling poses for photographers in central London. British author J.K. Rowling, whose Harry Potter novels became global bestsellers, said on June 26, 2015 that an 'untold part' of the story about the fresh-faced wizard will be staged as a play in London. AFP PHOTO / CARL COURT

(Foto: AFP)

Joanne K. Rowling hat wieder unter dem Pseudonym Robert Galbraith einen Detektivroman vorgelegt. Gewalttätiger als in "Die Ernte des Bösen" war die Mutter von Harry Potter nie.

Von Alexander Menden

Dieser Text erschien am 6. November 2015 anlässlich der Veröffentlichung von "Die Ernte des Bösen" im englischsprachigen Original. Die deutsche Übersetzung ist seit heute erhältlich.

Im Nachwort zu ihrem dritten Krimi, "Career of Evil", gesteht J.K. Rowling, sie habe es noch nie so sehr genossen, einen Roman zu schreiben. Dass Rowling von den Abgründen der menschlichen Natur fasziniert ist, wissen Harry-Potter-Leser. Dass ihr aber ausgerechnet diese finstere Geschichte so viel Vergnügen bereitet haben soll, lässt dann doch noch ein bisschen tiefer blicken.

Die Welt des Privatdetektivs ist nichts für Zimperliche

Und alle so: "Silencio!"

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An der Monstrosität des Killers, mit dem Rowlings Privatdetektiv Cormoran Strike es diesmal aufnehmen muss, besteht jedenfalls vom ersten Kapitel an kein Zweifel. Da ergeht sich der Serienmörder in genüsslichen Erinnerungen an das Blutbad, das er soeben veranstaltet hat. Wenn der "Shadwell Ripper" später die abgetrennten Finger eines seiner Opfer aus dem Gefrierfach holt, wird es endgültig "subhuman", wie der Titel des entsprechenden Kapitels andeutet: "Er nahm einen heraus, presste ihn gegen seine Lippen und biss dann fest hinein. Er stellte sich vor, dass sie noch immer daran hinge, vor Schmerzen schreiend. Er kaute tiefer, genoss das Gefühl des kalten, aufbrechenden Fleisches, während seine Zähne sich hart gegen den Knochen drückten. Eine Hand nestelte an der Kordel seiner Trainingshose . . . ".

Hat man die beiden ersten Fälle des Kriegsveteranen Cormoran Strike gelesen, die Rowling ebenfalls unter dem Pseudonym Robert Galbraith veröffentlichte, weiß man, dass die Welt des Privatdetektivs nichts für Zimperliche ist. So dicht bevölkert von Versehrten und Zerstörten an Leib und Seele wie in "Career of Evil" (das kommenden März als "Ernte des Bösen" auf Deutsch erscheint) war sie allerdings noch nie. Als Strikes Assistentin Robin per Kurier ein abgetrennter weiblicher Unterschenkel zugestellt wird, ist klar: man wird sich, verglichen mit Rowlings Satiren auf Mode- ("Ruf des Kuckucks") und Literaturbetrieb ("Der Seidenspinner") auf eine härtere Gangart einstellen müssen.

Wie jeder gute Krimi-Detektiv ist Strike findiger als die Polizei

Cormoran Strike, dem als Militärpolizist in Afghanistan selbst das halbe Bein weggesprengt wurde, hat rasch eine Liste möglicher Absender beisammen: Ein Londoner Gangster, ein ehemaliger Möchtegern-Rockstar, den Strike trotz Freispruchs für den Mörder seiner Mutter hält, und zwei ehemalige Soldaten. Beide lupenreine Psychopathen, der eine ein Kinderschänder, der andere wegen viehischer Gewalt gegen seine Frau aus der Armee entlassen. Sie alle haben guten Grund, Strike zu hassen, und ihnen allen traut der Detektiv das Schlimmste zu.

Es liegt eigentlich nicht an ihm, den Mord an der zerstückelten Frau aufzuklären - Rowling bleibt, was die Grenzen anbelangt, die einem Privatermittler gesetzt sind, immer realistisch. Aber zum einen fühlt er sich verantwortlich für das Gemetzel, mit dem der Mörder offenkundig ihn treffen will. Zum anderen ist die Assoziation mit zerhackten Leichen schlecht fürs Geschäft. Zudem ist Strike, wie jeder gute Krimi-Detektiv, findiger als die Polizei.