Neuer Film von Sacha Baron Cohen Eiszeit für Brüno

Weggezwitschert: Der neue Film von Sacha Baron Cohen floppt. Am Freitag waren die Einspielergebnisse noch gut - doch dann kam Twitter.

Von Susan Vahabzadeh

Es geht "Brüno" nicht gut. Das netteste, was man über die Einspielergebnisse von Sacha Baron Cohens neuem Film sagen kann ist: Die Erwartungen wurden nicht erfüllt. In den USA zumindest könnte dem lahmen Modefuzzi jetzt unerwartete Unterstützung widerfahren: Ted Baehr, konservativ-christlicher Medienwächter, will "Brüno" bannen - raus aus den Multiplexen, die ihn mangels Interesse noch nicht ausrangiert haben, bis offizielle Stellen entschieden haben, ob er den vom Supreme Court festgelegten Standards in Sachen Pornographie entspricht.

Falsch, kommentierte die Washington Post mit einiger Entrüstung. Es war dem Text klar zu entnehmen, dass dieses Urteil nicht von Sorge um die freie Rede geprägt war, sondern von blanker Angst, eine Attacke von rechts gegen den Film könnte schaffen, was die protestierenden Schwulenverbände nicht vermochten - dem floppenden "Brüno" neues Publikum in die Arme zu treiben und Sacha Baron Cohen zum Märtyrer zu stilisieren. Eine schwere Schlappe für den schlechten Geschmack würde man bei der Post offensichtlich lieber sehen.

"Brüno" ist für einen Film, der in einer solchen Größenordnung weltweit startet, durchaus nicht teuer gewesen - 42 Millionen Dollar werden geschätzt, das ist wenig im Vergleich zu den 90 Millionen, die "Ice Age 3" gekostet haben soll. Aber eine teure Marketingkampagne hatte er auf jeden Fall - groß, auffallend und enervierend. Und doch machtlos.

Die Befragungen an den Kinoausgängen, die in den USA gemacht wurden, verrieten schon schlechte Stimmung. Die Nachricht, dass "Brüno" nicht hält, was die Werbung versprach, kam von den ersten Augenzeugen, die den Film tatsächlich gesehen hatten, und muss sich in den USA wie ein Lauffeuer verbreitet haben - mit mehr Macht, als je eine Marketingkampagne sie entfalten könnte. Freitag war der Film noch mit gutem Ergebnis gestartet, schon Samstag fielen die Ticketverkäufe um sagenhafte 40 Prozent. In Deutschland haben sich in der ersten Woche 292 000 Zuschauer "Brüno" angesehen. Ein Hit sieht anders aus - der Spitzenreiter "Ice Age 3" schaffte am ersten Wochenende 1,68 Millionen.

Das böse "word of mouth" hat Sacha Baron Cohen zu schaffen gemacht, die Mundpropaganda, der Tratsch, den kein Studio verhindern kann. Im Fall von "Brüno" soll unfreundliches Gezwitscher die Geschwindigkeit dieser Mundpropaganda um ein Vielfaches gesteigert haben - er ist ein Twitter-Opfer . Das ist doch wundersam: Seit der Erfindung des Blockbusters in den Siebzigern geht es bei der Auswertung der großen Kinofilme um Geschwindigkeit, man startet den Film gleichzeitig weltweit und in ganz vielen Kinos, damit ihn ganz viele Leute gesehen haben, bevor sich herumspricht, wie gut er denn nun geworden ist. Und dann kam Twitter - und war einfach zu schnell.

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