Weggezwitschert: Der neue Film von Sacha Baron Cohen floppt. Am Freitag waren die Einspielergebnisse noch gut - doch dann kam Twitter.
Es geht "Brüno" nicht gut. Das netteste, was man über die Einspielergebnisse von Sacha Baron Cohens neuem Film sagen kann ist: Die Erwartungen wurden nicht erfüllt. In den USA zumindest könnte dem lahmen Modefuzzi jetzt unerwartete Unterstützung widerfahren: Ted Baehr, konservativ-christlicher Medienwächter, will "Brüno" bannen - raus aus den Multiplexen, die ihn mangels Interesse noch nicht ausrangiert haben, bis offizielle Stellen entschieden haben, ob er den vom Supreme Court festgelegten Standards in Sachen Pornographie entspricht.
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Schlappe für Sacha Baron Cohen: Am Freitag war der Film noch mit gutem Ergebnis gestartet, schon am Samstag fielen die Ticketverkäufe um 40 Prozent. (© Foto: ddp)
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Falsch, kommentierte die Washington Post mit einiger Entrüstung. Es war dem Text klar zu entnehmen, dass dieses Urteil nicht von Sorge um die freie Rede geprägt war, sondern von blanker Angst, eine Attacke von rechts gegen den Film könnte schaffen, was die protestierenden Schwulenverbände nicht vermochten - dem floppenden "Brüno" neues Publikum in die Arme zu treiben und Sacha Baron Cohen zum Märtyrer zu stilisieren. Eine schwere Schlappe für den schlechten Geschmack würde man bei der Post offensichtlich lieber sehen.
"Brüno" ist für einen Film, der in einer solchen Größenordnung weltweit startet, durchaus nicht teuer gewesen - 42 Millionen Dollar werden geschätzt, das ist wenig im Vergleich zu den 90 Millionen, die "Ice Age 3" gekostet haben soll. Aber eine teure Marketingkampagne hatte er auf jeden Fall - groß, auffallend und enervierend. Und doch machtlos.
Die Befragungen an den Kinoausgängen, die in den USA gemacht wurden, verrieten schon schlechte Stimmung. Die Nachricht, dass "Brüno" nicht hält, was die Werbung versprach, kam von den ersten Augenzeugen, die den Film tatsächlich gesehen hatten, und muss sich in den USA wie ein Lauffeuer verbreitet haben - mit mehr Macht, als je eine Marketingkampagne sie entfalten könnte. Freitag war der Film noch mit gutem Ergebnis gestartet, schon Samstag fielen die Ticketverkäufe um sagenhafte 40 Prozent. In Deutschland haben sich in der ersten Woche 292 000 Zuschauer "Brüno" angesehen. Ein Hit sieht anders aus - der Spitzenreiter "Ice Age 3" schaffte am ersten Wochenende 1,68 Millionen.
Das böse "word of mouth" hat Sacha Baron Cohen zu schaffen gemacht, die Mundpropaganda, der Tratsch, den kein Studio verhindern kann. Im Fall von "Brüno" soll unfreundliches Gezwitscher die Geschwindigkeit dieser Mundpropaganda um ein Vielfaches gesteigert haben - er ist ein Twitter-Opfer . Das ist doch wundersam: Seit der Erfindung des Blockbusters in den Siebzigern geht es bei der Auswertung der großen Kinofilme um Geschwindigkeit, man startet den Film gleichzeitig weltweit und in ganz vielen Kinos, damit ihn ganz viele Leute gesehen haben, bevor sich herumspricht, wie gut er denn nun geworden ist. Und dann kam Twitter - und war einfach zu schnell.
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(SZ vom 21.07.2009/jeder)
Brasiliens Präsidentin Roussef
ich geh dann lieber ins Kino und amüsiere mich bei Brüüüüneau prächtig.
Mei,
bei mir kam die Info über die "Qualität" von Brüno noch ganz klassisch per Mail an.
Der ganze Hype um Twitter ... als Nischenanwendung und PR-Plattform ganz nett. Aber ist klassischer Hype.
Was hört man denn eigentlich noch von Second Life? Auch Twitter wird diesen Weg gehen.
Wenn ein Film nicht das hält was er versprach ... dann gibt es genug Möglichkeiten diese Information zu bekommen/weiterzugeben. Es gibt nicht nur Twitter. Alles Twitter zuzuschreiben, das ist ja fast schon eine Obsession.
Bei Brüno war die Marketingkampagne deutlich besser als der Film.
Wenn der komplette Film im Kino genauso gruselig synchronisiert is, wie es sich in den Vorschauen anhört, kann ich durchaus verstehen, dass einen keinen interessiert.
Sicherlich kann man den Film auch im Original anschauen (wenns ein Programmkino in der Nähe gibt, das solches anbietet), aber rein von den Trailern her hats mein Interesse von 0% auf geschätzte 0,1% gehoben.
Dass Twitter überschätzt wird, ist eh klar. Muss aber wohl heutzutage in eine 'hippe' Berichterstattung (oder 'news flash'), sonst ist der Autor (oder Blogger) schnell draußen (also 'out').
Hi, Twitter ist Käse hoch tausend und wirds auch immer bleiben. Selbst eine persische Gucci-Revolution wird daran kaum was ändern können.
Viele Leute gehen nicht in den Film, weil sie ganz richtig ahnen, dass es nur ein Borat 2.0 ist. Sascha Baron Cohens Blase war schon nach dem ersten Teil zerplatzt. Keiner lacht über den selben Witz zweimal.
Journallier machen Promis. In diesem Fall hat das zur Antipathie geführt. r.kendel
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