Neue Stromberg-Folgen im TV Durch und durch verdorben

Die vierte "Stromberg"-Staffel geriert sich als Folge von Sittenstücken - wenn auch lustigen. Am Dienstag kehrt der bösartigste Chef der Welt zurück.

Von Hans Hoff

Manchmal muss man öffentlich-rechtliches Fernsehen schauen, um die Qualität bestimmter Privatfernsehprodukte noch besser einschätzen zu können. Wenn man etwa die vierte Staffel der Pro-Sieben-Serie Stromberg richtig beurteilen will, hilft es, einen Blick in die teuren Verfilmungen der Donna-Leon-Krimis im Ersten zu werfen. Dort spielt Michael Degen den Chef des ermittelnden Commissarios Brunetti, und das Interesse seiner Figur ist es, einerseits seine Angestellten bei ihrer rechtschaffenen Arbeit nach Möglichkeit zu behindern, andererseits vor einflussreichen Politikern zu buckeln. Wenn man das sieht, möchte man dem Team gleich die gesamte neue Stromberg-Staffel zusenden, damit sie sich am Beispiel von Christoph Maria Herbst und seiner Mannschaft mal ansehen können, wie man so einen zwischen Arroganz und Arschkriecherei pendelnden Typen auch mit Liebe, Sorgfalt und den nötigen Nuancen inszenieren kann und für einen Bruchteil der Kosten das bessere, weil ambitionierte Fernsehen schaffen kann.

Schaut man sich alle zehn Folgen der neuen Stromberg-Staffel an einem Wochenende an, taucht man schnell ein in die Welt dieses unerträglichen Bernd Stromberg, der Abteilungsleiter bei der Capitol-Versicherung ist und schon in den ersten Staffeln seine Untergebenen ausgiebig getriezt hat. Nun wird er, weil er den Kantinenchef, der zufällig über Kontakte nach ganz oben verfügt, beleidigt hat, aufs Dorf versetzt. Die Leitung seiner alten Abteilung übernimmt die ihm bisher untergebene Tanja.

Trotz des Dorf-Exils pflegt Stromberg weiter die Beziehungen zu seiner alten Arbeitsstelle, weil dort Jennifer arbeitet, eine alleinerziehende Mutter, die Einzige, die ihn wenigstens ab und an nicht völlig furchtbar findet. Wie nun das Wechselspiel zwischen dem auf dem Dorf frustrierten und in der Konzernzentrale gockelnden Stromberg einerseits und der überforderten Tanja andererseits in Szene gesetzt wurde, das verrät das große Können und die Sorgfalt aller Beteiligten. Man spürt förmlich, dass hier niemand nur seinen Job gemacht hat, um anhand der von Stromberg um Tanja herum immer enger gesponnenen Intrigen das Raubtierhafte eines durch und durch verdorbenen Charakters offenzulegen.

Stromberg in der vierten Staffel ist ein fast schon kammerspielartiges und sicherlich bühnentaugliches Sittenstück über all das, was falsch läuft im normalen, unspektakulären Leben; über die Ungerechtigkeit in einer sich gerecht gebenden Welt. Und richtig lustig ist das ohnehin.

Gleichzeitig ist diese Staffel ein Beispiel dafür, wie sich das Bezahlfernsehen von morgen schon heute durch die Hintertür einschleicht. Schon wenige Tage nach dem Start ist die zugehörige DVD-Box im Handel. Der Zuschauer kann dem Pro-Sieben-Programmablauf also vorgreifen, gegen eine angemessene Gebühr, die hier als Kaufpreis daherkommt. Der Schachzug der frühen Veröffentlichung durch die Produktionsfirma Brainpool dürfte die DVD-Verkaufszahlen noch höher treiben als bei den ersten drei Staffeln, die stets in angemessenem Abstand zur Premiere erschienen. Die Verkaufserfolge könnten die bisher nicht immer zufriedenstellenden Quoten antreiben, was dann wieder zurückwirken könnte auf die Ladenumsätze. Zudem bekommt der Käufer die Chance, eine noch nicht gesendete Folge der Serie Pastewka sehen zu dürfen.

In der spielt Herbst sich selbst bei Dreharbeiten mit Bastian Pastewka, und das Team spricht ihn immer wieder versehentlich mit Herr Stromberg an, was den gespielten Schauspieler Herbst in der Serie natürlich kolossal ärgert, dem wahren Herbst aber schmeicheln sollte, weil es eben beweist, wie schön Fernsehen mit Illusion und Rollenklischees spielen kann, wenn man es denn kann.

Stromberg, ProSieben, dienstags, 22.15 Uhr.

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