Von Hans Hoff

Ehe hier einer die Million gewinnt, sieht Dirk Bach aus wie Brad Pitt: Vox setzt verzweifelt auf eine neue Spielshow. Sie kann nur scheitern.

Im vergangenen Jahr sah es noch so aus, als wäre es lediglich eine Frage der Zeit, bis die Quotenkurve bei Vox die Decke durchstoßen und der Sender in eine höhere Liga aufsteigen würde. Der Eindruck täuschte gewaltig, denn in diesem Jahr blieb der Durchstarter bislang weit hinter den aus dem Erfolg resultierenden Vorgaben zurück. Dazu kamen Programmänderungen, die hastig wieder zurück genommen wurden, was dem Ruf von Vox als zuverlässiger Fernsehanbieter ebenso wenig dienlich war wie das plötzliche Verschwinden der kürzlich erst neu ins Programm genommenen US-Serie Men In Trees. Und nun kommt auch noch Dirk Bach.

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"Ich freu mich": Dirk Bach hat eine durch und durch misslungene Show im Angebot. (© Foto: dpa)

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Den kennt man aus dem RTL-Dschungel als spitzzüngigen Kommentator selbstverschuldeten Prominentenelends, der seine Boshaftigkeiten so geschickt in seine Rolle als kleiner Dicker vom Dienst verwebt, dass sie erst beim zweiten Durchatmen auffallen. Aber Dirk Bach kann auch anders. Schlechter.

Ich freu mich

Er zeigt das, wenn er eines dieser üblichen Spielshowstudios mit viel Glanz, wirbelnden Scheinwerfern und einem hysterisiertem Publikum betritt und wie ein batteriegetriebenes Häschen "Ich freu mich" quiekt. Ob er sich wirklich freut, bleibt dahin gestellt. Zu spüren ist es nicht.

Auf Bachs Schultern lasten hohe Erwartungen. Er soll die aus den USA gekaufte Spielshow "Power of 10" zum Erfolg führen. Um sie in den Markt zu drücken, sendet Vox sie eine Woche lang jeden Tag und stellt danach um auf wöchentliche Ausstrahlung. Ob es ein Erfolg wird, darf angesichts der bereits vorliegenden Ergebnisse schwer bezweifelt werden, denn "Power of 10" ist eine durch und durch misslungene Show.

Da sollen Kandidaten einschätzen, was die Teilnehmer repräsentativer Forsa-Umfragen so gesagt haben. Ob sie ihre Frau noch einmal heiraten würden, ob sie mit einem HIV-positiven Menschen im selben Pool planschen würden, ob sie auf dem Klo telefonieren. Dazu quietscht Dirk Bach als Hohepriester des galoppierenden Wahnsinns die Gewinnsummen heraus, und je höher der Betrag steigt, desto schriller tönt er.

Angeblich soll bei "Power of 10" ein Höchstgewinn von einer Million Euro für den Kandidaten drin sein. Doch wer dem überdrehten Treiben eine Weile zusieht, kommt schnell zu dem Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit, Bach eines Tages mit Brad-Pitt-Figur zu erleben, weitaus höher liegt.

Telefonieren auf dem Klo

Es geht also in Wahrheit um nichts in dieser Show, und das wird der Zuschauer schnell spüren. Zudem wecken die wenigsten der als verbale Bandwürmer konzipierten Fragen Interesse. Wer will schon wissen, wie viele Menschen auf dem Klo telefonieren?

Während das jähe Ende der Spielshow-Renaissance bei Vox also absehbar sein und den Sender weiter in Quotenturbulenzen stürzen dürfte, eröffnet auch der Muttersender erneut ein Rategeschäft. Am 5. Mai startet RTL auf dem problematischen 17-Uhr-Sendeplatz die tägliche Halbstundenshow "Einer gegen Hundert" mit dem Moderator Wolfgang Kons, dem man als höchstes Lob nur nachsagen kann, dass er nicht weiter stört.

Er überwacht den Quiz-Kampf eines Kandidaten, der gegen 100 in einer Art Monster-Setzkasten untergebrachte Gegner antritt und versucht, mehr richtige Antworten zu geben als die Masse. Immerhin ist diese Show mit etwas mehr Gefühl fürs rechte Timing in Szene gesetzt, verstößt aber auch gegen das eherne Spielshow-Grundgesetz, dass sich Regeln selbst erklären sollten. Man braucht aber eine Weile, bis man kapiert hat, welcher Joker wann zu welchem Zweck eingesetzt werden darf, was die Akzeptanz auch dieser neuen Sendung durchaus in Frage stellen könnte.

Viel zu verlieren hat RTL indes nicht. Die Quoten auf dem Sendeplatz sind bislang als höchst bescheiden zu bezeichnen. "Einer gegen Hundert" kann also nur gewinnen. Und wenn es trotzdem nicht klappt, kann man die fertigen Folgen halt immer noch zum Tochtersender Vox abschieben, denn dort dürfte schon bald ein Spielshow-Sendeplatz freiwerden.

Power of 10, Montag bis Freitag, 22.15 Uhr, Vox. Einer gegen Hundert, ab 5. Mai, 17 Uhr RTL.

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(SZ vom 21.4.2008/rus)