Von Senta Krasser

Nach der Mittagspause zum Friseur oder doch lieber kurz unters Messer? Die neue Nachmittags-Doku-Soap über Schönheits-OPs auf Vox macht da wenig Unterschiede.

Mit der neuen Doku-Soap "Spieglein, Spieglein" beginnen auch beim Privatsender Vox aus Köln die Busen-Nasen-Bauchweg-Styling-Wochen. Es geht um die äußeren Werte, die hier verschönert, um modische wie anatomische Probleme, die gelöst werden sollen. Bei Make-up-Pinsel, Designer-Fummel und gutem Zureden ("Du bist wunderschön, Baby") allein, wie es in der ARD-Vorher-Nachher-Show Bruce derzeit praktiziert wird, belässt es Vox nicht. In "Spieglein, Spieglein" modellieren auch Schönheitsdoktoren Frauen und Männer mit Skalpell und Schleifbohrer.

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Michaela aus München zum Beispiel will eine neue Nase. Die 24-Jährige ist bildhübsch. Sie findet aber, ihre Nase sehe aus wie eine Kartoffel, was weit übertrieben ist. Die Kamera begleitet sie zum Beratungsgespräch in eine Schönheitspraxis. Michaelas behandelnder Arzt würde auch noch an der Symmetrie des Kinns arbeiten, sagt aber dann: "Ich bin der Letzte, der ihr zurät."

Der Patientin stehe indes eine Korrektur der "knolligen Nasenspitze" ebenso zu wie jemandem, "der nicht so ein hübsches Gesicht hat". Sagt es und zertrümmert anschließend Michaelas Nasenrücken. Kosten: 5000 Euro. Die 21-jährige Berlinerin Mirre dagegen lässt beim Prominenten-Friseur Udo Walz "nur" einen halben Tausender für falsche Wimpern und neue Blockstreifen im Haar. Über Geschmack lässt sich streiten.

Einen ganzen Sommer lang, 2004, stritt Fernsehdeutschland: Darf man zeigen, wie Menschen mit einer Schönheitsoperation gegen Problemzonen und schwaches Selbstbewusstsein vorgehen? Schnitt-Sendungen wie "The Swan" (Pro Sieben), "I want a famous face" (MTV) oder "Schönheit um jeden Preis - Letzte Hoffnung: Skalpell" (RTL 2) erregten die Gemüter so sehr, dass die Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten (KJM) in einem Grundsatzbeschluss festsetzte: "TV-Formate, in denen Schönheitsoperationen zu Unterhaltungszwecken angeregt, durchgeführt oder begleitet werden, dürfen grundsätzlich nicht vor 23 Uhr gezeigt werden."

"Spieglein, Spieglein" läuft werktags um 17 Uhr. Die Sendung will dokumentieren, was auf dem stetig wachsenden Markt der Schönheit alles machbar ist. Praxisnahe Bilder lassen erkennen: OPs tun weh, und eine frisch operierte Nase vor dem Abendessen ist sicher nicht das appetitlichste Unterhaltungsmittel. Es werden aber zugleich Schönheitsideale normiert und vielleicht auch Wünsche geweckt. Was hält wohl die KJM, eine Art ZK in Sachen Jugendschutz, die immer erst nach der Ausstrahlung tätig werden darf, von diesem Aua-Fernsehen am Nachmittag?

Es hat auf jeden Fall ein Geschmäckle, wenn Vox Schönheits-OP und Friseurbesuch als gleichwertiges Mittel zur Verbesserung der äußeren Werte vorstellt. Die inneren Werte bleiben da, wie immer, auf der Strecke.

Spieglein, Spieglein - Vox, montags bis freitags um 17 Uhr

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(SZ vom 17.3.2008/ehr)