Neu im Kino: "Die Peanuts - der Film" Snoopy spielt Amor

Olé! Hund und Philosoph Snoopy kann auch Flamenco tanzen.

(Foto: Fox)

Und hilft seinem Herrchen Charlie Brown, der sich in das hübsche neue Nachbarsmädchen verliebt hat.

Von David Steinitz

Hach, diese Locken! Das neue Nachbarsmädchen mit den herrlichen roten Wuschelhaaren ist wie ein überirdisches Zauberwesen in die verschneite Kleinstadtwelt des Charlie Brown geschwebt, und jetzt steht er da, wie es sich für einen anständigen romantischen Kinohelden gehört: verliebt und verloren.

Glücklicherweise hat Charly Brown den richtigen Kompagnon an seiner Seite. Snoopy, seines Zeichens Hund, Philosoph und Schwerenöter, nimmt die amourösen Angelegenheiten seines Herrchens in die Hand. "Die Peanuts - der Film" ist eine hübsche Abwechslung in der aktuellen Animationsfilmflut.

Sowohl inhaltlich als auch formal versucht Regisseur Steve Martino ("Ice Age 4") keine exzentrischen neuen Welten zu kreieren, sondern will vor allem den Charme der alten Comic-Strips von "Peanuts"-Erfinder Charles M. Schulz bewahren. Seine Animationskünstler hat er deshalb angewiesen, nicht die bunte, grenzenlose Digitaltrickserei in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen, sondern Schulz' klare, einfache Linienführung. Das macht dieses 2015er "Peanuts"-Update trotz 3-D-Animationen wesentlich plastischer und übersichtlicher als andere Trickfilme.

Die ironische Verkörperung des amerikanischen Kleinstadtalbtraums

Auch dem fanatischen Eskapismus, der das Animationskino heute oft beseelt, von "Ice Age" über "Madagascar" bis zu vielen Pixarfilmen, verweigern sich Martino und sein Team größtenteils. Charlie Brown und seine Freunde sind die ironische Verkörperung des amerikanischen Kleinstadtalbtraums, und sie brauchen deshalb keine fiesen Bösewichter und Fabelwesen - Kinderleben sind auch so schon kompliziert genug.

Charlie Brown verheddert sich bei den zögerlichen Flirtversuchen mit dem Nachbarsmädchen in ein großes Grundschülertohuwabohu, was sich nicht weniger spielfilmfüllend erweist als die aufgedrehten Trickabenteuer der Konkurrenz. Am Drehbuch haben Charles M. Schulz' Sohn Craig und Enkel Brian mitgearbeitet, quasi als Nachlassverwalter der kinderfreundlichen Traumwelten des 2000 verstorbenen Comic-Künstlers. Als weitere Reminiszenz an den Schulz'schen Kosmos werden die "Peanuts"-Kinder auch fast ausschließlich von Kindern gesprochen - und nicht, wie sonst oft üblich, von Erwachsenen mit überdrehter Piepsstimme.

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Nur für ein paar kurze Momente erlauben sich die Filmemacher zwischendurch ein wenig Anarchismus: Wie in den Comics tritt Hund Snoopy im Kino mit dem Stoizismus eines tapferen Kämpfers und Träumers in seine absurden Tagträume ein, wo er mit einem britischen Jagdflugzeug den "Roten Baron" Manfred von Richthofen jagt. Das macht zwar überhaupt keinen Sinn - fügt sich aber gerade deshalb ganz logisch in den Alltagswahnsinn der "Peanuts"-Horde ein.

The Peanuts Movie, USA 2015 - Regie: Steve Martino. Buch: Bryan Schulz, Craig Schulz, Cornelius Uliano. Art Direction: Nash Dunnigan. Fox, 88 Minuten.