Neu im Kino: "Batman v Superman: Dawn of Justice" Batman gegen Superman: Buddys in Brachial-Inszenierung

Eigentlich könnten sie Freunde sein: Batman gegen Superman.

(Foto: Warner Bros. Pictures)

"Batman v Superman" von Zack Snyder zeigt, wie alt das einst anarchische Superhelden-Genre geworden ist.

Filmkritik von Fritz Göttler

Erschreckend fängt es an, mit einer Sequenz von erschreckender Schönheit: Szenen aus der Superschlacht, in der Superman gegen seinen Superfeind General Zod kämpft, im Finale des vorigen Superman-Films "Man of Steel" - diesmal gesehen von der Seitenlinie aus.

Wo man nichts von der verbissenen Dynamik der Fighter mitkriegt, wo man nur angesichts der Einschläge zusammenzuckt, die in den Straßen von Metropolis herabstürzenden Trümmer zählt, die in 9/11-Manier zusammenknickenden Häuser, die Verletzten, denen die Beine zermalmt werden, die plötzlich Waisen gewordenen Kinder. Ein Superheldenfilm ganz aus der Kollateralperspektive, was für ein unvorstellbar aufregendes Stück Kino wäre das.

Natürlich gibt es dieses Kino dann doch nicht in diesem Film, kaum ist der Kampf vorbei, geht es voll heldenzentriert weiter. Es war auch keine gewöhnliche Perspektive, die wir geteilt haben, denn dieser Flaneur des Schreckens, der sich bald zum großen Kritiker der Supermänner entwickelt, die aus dem Kampf gegen den Terror am Ende für sich selber unkontrollierbare Macht ziehen - dieser Mann ist parteiisch, wirkt wie ein Ersatzspieler. Es ist Batman, im Kosmos der DC-Comics Supermans virulenter Konkurrent um die Gunst des Publikums. Ben Affleck ist dieser Batman, mit breiter Statur und kapitalistischem Bürgersinn, brutal spießig noch in seinem Engagement, Unternehmer mit Tea-Party-Ruch. Er spielt das unaufdringlich und wie in Trance, diesen Wandel von Griesgrämigkeit zu echtem Grimm, mit verklemmtem Kiefer. Das Drehbuch peinigt ihn mit bösen Träumen vom Tod seiner Eltern.

Superheldenfilme sind reines Resurrektionskino

Man mag hier nichts verraten über die Wendungen der Geschichte, über die absurde Vorladung Supermans vor einen Senatsausschuss, die Rolle von Granny's Peach Tea, eine potenzielle Hexenverbrennung . . . Es ist freilich eine unglückselige Konstruktion, Superman und Batman, die im Grunde ihres Herzens Buddys sein könnten, gegeneinander auszuspielen. Und diese Geschichte dann einem Regisseur wie Zack Snyder in die Hände zu legen, der so brachial inszeniert wie keiner sonst in Hollywood heute. So brachial, dass im Vergleich einer wie Michael Bay ein Subtiler ist. Ausgerechnet Batman, der bei Christopher Nolan ein fragiles, empfindliches Wesen geworden war, das leidet an der Welt und sich selbst.

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Superheldenfilme sind reines Resurrektionskino, eine unverdrießliche Folge von Wiederauferstehungen. Ben Affleck und Henry Cavill, der den Superman spielt, sind wahrlich alt geworden in diesem Film. Sie haben versäumt, das alte Helden-Motto Hollywoods zu befolgen, lebe schnell, stirb jung und gib eine schöne Leiche ab. Ben Affleck hat graue Haare an den Schläfen und kommt schließlich in seiner schweren Rüstung wie ein fußkranker Kreuzritter daher, ein Saurier. Henry Cavill schaut mit seiner knochigen Visage und dem schwarzen gegelten Haar aus wie ein alter Gigolo aus einem späten Fellini-Film.

Einen kleinen Rest von Anarchie - ja, irgendwie sind Superhelden auch anarchisch, das verband sie mit den anderen großen Kaputtmachern, den Chaoten des Slapstick - hat nur der böse kleine Lex Luthor, mit natürlicher Nervigkeit verkörpert von Jesse Eisenberg. Ein kleines Kind, das seine Spielchen treibt und gern mit Superhelden experimentiert. Er würde gern das Gemälde auf den Kopf drehen, das in seinem Haus hängt. Weil darauf die Teufel von unten, aus der Hölle kommen.

Batman v Superman: Dawn of Justice, USA 2016 - Regie: Zack Snyder. Buch: Chris Terrio, David S. Goyer. Kamera: Larry Fong. Schnitt: David Brenner. Mit: Ben Affleck, Henry Cavill, Amy Adams, Jesse Eisenberg, Diane Lane, Laurence Fishburne, Jeremy Irons, Holly Hunter, Gal Gadot. Warner, 153 Min.

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