Von Jean-Michel Berg

Die symphatische Suchmaschine kam zuletzt eher bieder daher. Mit Jerry Yang ist nun einer der Gründer wieder an Bord gekommen und will den Kurs korrigieren.

Was macht eigentlich Yahoo? Die symphatische Suchmaschine mit dem jugendlichen Logo kam ja zuletzt eher bieder daher. Die Suchfunktion war irgendwo zwischen Anzeigen, Nachrichten und anderem Gedöns verloren gegangen, und es sah aus wie in einem Gemischtwarenladen.

Jerry Yang, einer der Gründer von Yahoo, ist wieder an Bord gekommen. (© Foto: dpa)

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Kosmetisch hat man sich schon im letzten Jahr wieder aufhübschen lassen, aber Schönheit kommt bekanntlich von innen und auch da war einiges im Argen. Der Internetriese ist schwerfällig geworden, man liebt das Experiment nicht und hat wichtige Innovationen verschlafen.

Bekanntermaßen ist Google schlanken Fußes vorbeigezogen, nicht nur was die Suchanfragen angeht. Lagen die beiden 2005 mit rund anderthalb Milliarden Dollar Gewinn noch fast gleichauf, hat Google den Konkurrenten 2006 um mehr als ein fünffaches überrundet.

Im Juni ist nun mit Jerry Yang einer der Gründer wieder an Bord gekommen und will den Kurs korrigieren. Wohin die Reise geht? Die jüngste Übernahmewelle deutet es an:

Dahin, wo der User ist. 300 Millionen Dollar lässt sich Yahoo die Firma Blue Lithium kosten, die immer weiß, was der Internetnutzer gerade treibt. Bloß neugierig? Nein, um den User nicht mit unnötigen Verbraucherinformationen zu stören. Diese verhaltensbezogene Werbung nennt man Behavioral Targeting.

Damit der User sich nicht zu weit entfernt, bekommt die Yahoo-Familie Zuwachs. In dieser Woche wurde für weitere 350 Millionen Dollar die Emailsoftware Zimbra eingekauft. Im Kampf um den User werden möglicherweise bald Browser-basierte Office-Anwendungen eine Rolle spielen. Die werden nicht auf dem Rechner installiert, sondern im Internet zur Verfügung gestellt. Zoho ist da ein Übernahmekandidat.

Aber hört eigentlich auch einer, was der User dazu sagt? Buzztracker, ebenfalls auf der dieswöchigen Einkaufsliste, sortiert Blog-Beiträge nach ihrer Relevanz. Daraus lassen sich User-generierte Nachrichten gewinnen, die den redaktionellen an die Seite gestellt werden können.

Und um die jungen User nicht zu vergessen: Nachdem es weder gelungen war, das soziale Netzwerk Facebook zu erwerben noch "Yahoo! 360" durchzusetzen, kommt nun: Mash. Die üblichen Netzwerktools lassen sich hier durchmischen mit verschiedenen Yahoo-Features etwa dem Onlinefotoalbum Flickr und Modulen mit Namen wie PimpMyPet, Ego Boost oder MyMoshLog2 - naja, so reden die jungen Leute heutzutage halt. Eine vorläufige Betaversion ist bereits online.

Apropos: Betaversionen sind ja längst die Szenetreffen im Internet geworden. Herein kommt nämlich meist nur, wer eingeladen wird - weshalb auch alle anderen rein wollen. Damit ist nun Schluss: Wer endlich mal dabei sein will, kann sich von inviteshare.com hereinschummeln lassen und so tun, als ob er wirklich dazugehört.

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(SZ vom 24.9.2007)