Schüler-Mobbing ist keine Erfindung sozialer Netzwerke. Doch seit es MySpace und Facebook gibt, gerät es außer Kontrolle.
Bastian Balthasar Bux fand seine Zuflucht in Phantásien. Von seinen Mitschülern gehänselt, verspottet und bedrängt, stößt der Held von Michael Endes "Unendlicher Geschichte" in Koreanders Antiquariat das Tor zu einer neuen Welt auf. Die virtuellen Welten, in die sich reale Jugendliche des Jahres 2010 flüchten können, bieten ihnen unter Umständen weit weniger Trost.
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Was früher auf dem Schulhof ausgetragen wurde, findet nun im Netz seinen Höhepunkt: Schülermobbing. (© Foto: dpa)
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Die 15-Jährige Phoebe Prince, die mit ihrer Familie erst kurz zuvor aus Irland in den US-Bundesstaat Massachusetts gezogen war, nahm sich im Januar das Leben, nachdem eine Gruppe von Mitschülern "die Neue" über Wochen auf ihrem Facebook-Profil mit einem Schwall von Beschimpfungen gequält hatte. Noch erstaunlicher als der Vorfall selbst ist für amerikanische Medien die Reaktion der Bezirksstaatsanwältin, die nun neun Jugendliche wegen Stalkings vor Gericht bringen will.
Erbarmungsloses Schüler-Mobbing ist kein Phänomen, das erst Social Networks mit sich gebracht hätten. Doch in der Cyberwelt von Facebook oder MySpace ist die Mob-Bildung offenbar noch leichter.
Die physische Distanz der Netzkommunikation scheint die Hemmschwelle für Gehässigkeiten derart zu senken, dass Opfer, so zeigen es dokumentierte Fälle, unter ganzen Kommentar-Lawinen begraben werden.
In Reaktion auf den Fall Phoebe Prince, nicht der erste in der Region, richtet die Stadt Boston nun eine Cyberbullying-Hotline ein. Internetaffine Schüler sollen zudem als "Cybermentoren" das Geschehen in den Social Networks im Blick behalten. Die Abgeordneten des Staates Massachusetts arbeiten derweil an einem Gesetz zur Bekämpfung des Cyberbullying.
Doch auch nach der Verantwortung der Konzerne hinter den Social Networks wird nun gefragt. Diese gehen jedenfalls sehr unterschiedlich mit dem Problem des Cyberbullying um, wie Emily Bazelon im Online-Magazin Slate beschreibt.
Sie macht bei MySpace wesentlich aktivere Reaktionen auf Bullying-Vorfälle aus als bei Facebook. Über einen "unerklärlichen Mangel an Kooperation" klagte die im Fall Phoebe Prince ermittelnde Staatsanwältin. Dem amerikanischen Recht entspricht das allerdings. Als im Februar ein Gericht in Mailand Bewährungsstrafen über drei Google-Manager verhängte, weil sie auf ihrer Video-Plattform die Verbreitung eines Clips nicht unterbunden hatten, auf dem ein autistischer Junge schikaniert wurde, hatte das in Amerika noch durchgängig zu heftigen Abwehrreaktionen geführt. Italien gefährde das Internet, wenn Online-Dienste für von Nutzern produzierte Inhalte haften sollten, behauptete der Netz-Guru Jeff Jarvis damals.
Doch auch wenn man das Strafrecht hier nicht als Instrument der Wahl ansieht, stellt sich die Frage: Zerstörte es wirklich das Internet, wenn eine Firma wie Facebook, die sich die Nutzungsrechte an allen in ihrem Dienst veröffentlichten Inhalten einräumen lässt und diese zunehmend kommerziell auszuschlachten gedenkt, auch die Verantwortung für eben jene Inhalte übernehmen müsste?
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(SZ vom 6.4.2010/rus)
Umweltstiftung WWF in der Kritik
Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um...
Kann mir nicht passieren, da ich noch nie bei einem dieser sog. sozialen Netzwerke Mitglied war und es künftig auch nicht werden möchte.
"Zerstörte es wirklich das Internet, wenn eine Firma wie Facebook, die sich die Nutzungsrechte an allen in ihrem Dienst veröffentlichten Inhalten einräumen lässt und diese zunehmend kommerziell auszuschlachten gedenkt, auch die Verantwortung für eben jene Inhalte übernehmen müsste?"
Ich bin vielmehr der Meinung, dass Jeder für sein eigenes Handeln selbst die Verantwortung übernehmen muss.
Deshalb ist auch auch das Heranziehen der Mobber für Strafe meiner Meinung nach vollkommen in Ordnung. Ich denke allerdings, dass eine "jugendfreundlicherer" Herangehensweise (wie es z.B. in Deutschland üblich ist) besser wäre.
"Zerstörte es wirklich das Internet, wenn eine Firma ... auch die Verantwortung für eben jene Inhalte übernehmen müsste?"
Es macht aus dem Internet ein Minenfeld in dem man kaum noch gefahrlos Dienste bereitstellen kann.
Das Internet ist _kein_ Fernsehen mit 1 Millionen Kanälen, sondern Kommunikation. Öffentliche und private Kommunikation.
Ein Nachricht, oder ein Kommentar in einem social network ist deswegen kein Inhalt, sondern Kommunkation.
Der Anbieter soll also für die Kommunikation seiner Benutzer geradestehen. Das ist erstens technisch nicht wirklich machbar (wie will ein Filter entscheiden können, ob eine Nachricht jemand anderes verletzt), zweitens rechtlich extrem bedenklich (man muss in private Kommunikation eingreifen) und drittens stellt der Versuch, es technisch zu bewerkstelligen eine Infrastruktur mit extrem hohen Fehler- und Missbrauchspotential bereit.
Der bessere Weg ist, Medienkompetenz von klein auf zu vermitteln. Spätestens in der Grundschule müssen Kinder lernen mit dem Internet umzugehen und es richtig einzuschätzen. Es muss Anlaufstellen mit kompetenten Beratern geben. Aber auch Eltern müssen dazulernen, damit sie ihr Kind auch verstehen, wenn es sich im Internet bewegt.
Das alles kostet aber Geld. Viel leichter und billiger ist es natürlich, ein Gesetz zu bringen, welches die Verantwortung dem Provider zuschiebt. Das löst zwar keinerlei Probleme, aber man kann sagen, man hat was getan.
Im übrigen ist jeder Provider bereit, Einträge zu löschen, wenn sie ihm gemeldet werden.
So long...