Was passiert, wenn die Industrie besser bezahlt als der Sender? Der NDR diskutiert heftig über einen Kodex für Nebentätigkeiten von Moderatoren.
Am Mittwoch hatte das NDR-Magazin Zapp berichtet, dass Firmen für Auftritte von Fernsehgrößen wie Buhrow fünfstellige Summen zahlen. Der Tagesthemen-Moderator ist besonders wegen eines Engagements bei der Deutschen Bank unter Druck geraten. Eine holländische Agentur forderte das Honorar von 20.000 Euro plus Mehrwertsteuer ein, obwohl die Veranstaltung abgesagt worden war. Buhrow soll nur einen Teil davon bekommen haben.
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Auffällig ist, dass sich die Diskussion auf Tom Buhrow konzentriert, Spitzenverdiener ist aber ZDF-Mann Claus Kleber. Auch seine Kollegin Petra Gerster soll laut "Zapp" kräftig kassieren. (© Foto: dpa)
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Gleichwohl: Ein Hierarch des NDR, der nicht genannt werden möchte, kritisiert den "bösen Schein" einer solchen Veranstaltung. Was, wenn ein kritischer Beitrag über die Deutsche Bank in der Redaktion diskutiert werde? Sei Buhrow unbefangen, "wenn die Bank seiner Agentur für eine halbstündige Plauderei weit mehr zahlt, als Buhrow im Monat bei uns verdient? Und was ist, wenn er Einwände gegen den Bericht hat - kann dann nicht doch in der Redaktion der Eindruck aufkommen, er habe sich durch Zuwendungen beeinflussen lassen?"
Keine "Beschädigung der Glaubwürdigkeit"
Offiziell hält sich die Spitze des NDR bedeckt. ARD-aktuell-Chef Kai Gniffke hat den Moderator in der SZ in Schutz genommen: Er könne keine "Beschädigung der Glaubwürdigkeit" der Sendung durch das private Engagement Buhrows erkennen. Gniffke hatte, ebenso wie der Programmdirektor Fernsehen und der Justitiar des Senders, die Nebentätigkeiten des Moderators genehmigt. NDR-Intendant Lutz Marmor mochte sich auf Anfrage nicht zu dem Vorgang äußern.
Buhrow hat nach Schätzungen etwa acht bis zehn bezahlte Auftritte im Jahr. Der Intendant des Saarländischen Rundfunks, Fritz Raff, macht Gesprächsbedarf aus. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender hält es für "sinnvoll, dass am Ende des Jahres Auftraggeber und Verdienst öffentlich genannt werden". Das könne nur eine freiwillige Verpflichtung sein, aber Transparenz würde mäßigend wirken.
Es ist eine Diskussion, die möglicherweise von Neid bestimmt ist, aber vor allem von Fragen nach Ethik und Moral. Seit kurzem wird beim NDR der Entwurf eines Verhaltenskodex diskutiert, der auch festlegt, dass die Angestellten ihre "NDR-Tätigkeit nicht für kommerzielle PR, unangemessen hoch dotierte Nebentätigkeiten oder andere private Vorteile" nutzen dürften. Auch beim ZDF wird an einem ähnlichen Kodex gearbeitet.
Der Zusatzverdienst von Moderatoren und Ansagern durch Firmenveranstaltungen ist ein altes Streitthema im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, und einige Journalisten verweisen darauf, dass es bei den "Bildschirm-Gesichtern" große Gehaltsunterschiede gebe.
Unterhalter wie Jörg Pilawa, Johannes B. Kerner oder Reinhold Beckmann würden vom Sender ein Vielfaches dessen bekommen, was ein Tagesthemen-Moderator verdienen könne. Die Diskrepanz ist noch stärker geworden, seit die Berufsunterhalter ihre eigenen Produktionsfirmen gründen. Der Markt ist für sie größer, das liegt auch an den Programmstrukturen der privaten Fernsehsender.
Wie teuer ist ein Journalist?
Spitzenverdiener bei den öffentlich-rechtlichen Moderatoren ist Claus Kleber vom ZDF, der einen neuen Vertrag bekam, nachdem er eine Offerte des Spiegel für den Posten des Chefredakteurs abgelehnt hatte. Es wird geschätzt, dass Kleber fast das Dreifache des Gehalts von Buhrow bekommt, das bei etwa 180.000 Euro im Jahr liegen soll. Kleber wird vom ZDF pro Moderation bezahlt. Er tritt auch immer wieder als Redner auf, spendet aber den allergrößten Teil seiner durch Nebentätigkeit verdienten Gelder.
Auffällig ist, dass sich die Diskussion auf Buhrow konzentriert. Dabei sind manche TV-Leute aus der Provinz am lockersten. Zapp zeigte nach 15 Minuten und 12 Sekunden Bilder vom Moderator einer regionalen Nachrichtensendung von Sat1 - diesmal auf einer CSU-Wahlkampfveranstaltung als Plauderer. Zitat: "Nach diesen letzten Eindrücken kann es nur ein wunderbarer Wahlkampf und ein perfektes Ergebnis für die CSU werden, Herr Beckstein." Der Mann hatte Ahnung.
Auch die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl hat etliche Veranstaltungen gegen gutes Honorar absolviert. Ein Sprecher des Hessischen Rundfunks (HR) hält die Diskussion über Frau Kohl "für eine Neid-Debatte". In einer Schaltkonferenz der ARD am Freitag empörte sich ein leitender HR-Mitarbeiter, "hochkompetente" Journalisten wie Frau Kohl seien durch Zapp öffentlich "diffamiert" worden.
(SZ vom 20.06.2009/kar/hgn)
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der 16 Jahre als Nr.3 den Staat glaubhaft darstellen sollte.Verhöhnt hat er ihn mit seiner omerta` wie ein sizilianischer mafioso. So sieht seine Dankbarkeit aus dem Staat gegenüber , der in bis in die Grube gnädig alimentiert . Anstand, Sitte , Moral , Vorbildfunktion ??? Fehlanzeige wegen unsensibler Dummheit . Wundert es da, daß die Koof-mich - Seelen ( Brandt) in Politik , Verbänden, Wirtschaft ,die Bänkster, die Meinungsmacher , ihm nacheifern .Wer ist da in der Lage ,die Koordinaten wieder zurechtzurücken ? Ausser Oskar seh ich da keinen.in unserer Bananen-Republik !
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Mehr als schlimm, daß da nicht mal mehr ein Unrechtsbewusstsein existiert.
Unsere Eliten sind dekadent, degeneriert und ethisch verrottet - und sie merken es nicht mal....
Der Fall hat mehrere Aspekte:
1. Wenn gutbezahlte Moderatoren nicht ausgelastet sind könnte ihnen ihr Sender/Arbeitgeber einfach weitere Arbeiten zuteilen, damit sie sich die Damen und Herren nicht langweilen - oder der Personalstamm kann reduziert werden.
2. Nebentätigkeiten ja - aber nur nach Genehmigung, bezahlte Vergütungen erhält der Sender/Arbeitgeber für Abstellung seiner Angestellten (so wie in der freien Wirtschaft auch).
3. Für einen gebührenfinanzierten Sender ist alles Andere undenkbar!
In einem Punkt bin ich anderer Meinung als Hans Leyendecker: Es geht hier nicht um Neid, sondern auschließlich um journalistische Ethik. Es ist schlicht unanständig, wenn Journalisten ihre Bekanntheit vermarkten. 180 000 Euro sind doch ein anständiges Salär für einen Journalisten. Das neidet ihm kein vernünftiger Mensch - solange er gute Arbeit dafür abliefert. Nun gehören Journalisten ohnehin nicht zu den Geringverdienern. Wirtschaftlichen Druck, ihr Einkommen durch Nebentätigkeiten aufzubessern, gibt es also nicht. Das gilt im Übrigen auch für das zweite Schwerpunktthema der jüngsten ZAPP-Sendung. Die Nutzung von Presserabatten durch Journalisten ist noch unappetitlicher als die Nebentätigkeit der Fernsehmoderatoren.
Wichtig ist, dass die seriösen Medien dranbleiben. Nur so kann der Journalismus seine ohnehin schon ramponierte Glaubwürdigkeit retten.