Nazi-Raub jüdischer Kunst"Lieber in den Kisten lassen"

Der Diebstahl von Kulturgut aus jüdischem Besitz fand nach 1945 nahtlos seine Fortsetzung. Eine Ausstellung in Berlin dokumentiert ein Unrecht, das in Deutschland noch immer geschieht.

Der Diebstahl von Kulturgut aus jüdischem Besitz fand nach 1945 häufig nahtlos seine Fortsetzung. Eine Ausstellung in Berlin dokumentiert ein Unrecht, das in Deutschland noch immer geschieht.

Nein, Conrad Doebbeke hatte es sich nun doch anders überlegt: Es wäre besser, schrieb der Berliner Bauunternehmer im April 1950 an den Direktor der Niedersächsischen Gemäldegalerie, wenn "dieses Juden-Portrait aus Darmstadt" vorerst nicht in einer Ausstellung hinge.

Die Rede war vom Bildnis des Walther Silberstein, das Lovis Corinth 1923 gemalt hatte. Doebbeke war gefragt worden, ob er neben den Bildern, die er 1949 nach Hannover verkauft hatte, dort nicht auch seine Gemälde zeigen wolle, die noch in den Depots des Hessischen Landesmuseums Darmstadt eingelagert waren.

Doebbeke allerdings zögerte, insbesondere jenes "Judenbild" öffentlich zu zeigen, das er zu Kriegsbeginn so günstig erworben hatte: Er fürchtete, dass dann "irgendein Herr Silberstein es wieder haben will." Bis die ",Rückerstattungs'-Gefahr" vorbei sei, "wollen wir die Sachen lieber in den Kisten lassen."

Bild: Lovis Corinth (1858 - 1925), Porträt Walther Silberstein (1871 - 1930), 1923, Öl auf Leinwand. Das Gemälde vor der Restaurierung: der Name "Silberstein" ist aus der Widmung entfernt worden, © Privatbesitz

Ausstellung: "Raub und Restitution. Kulturgut aus jüdischem Besitz von 1933 bis heute", Jüdisches Museum, Berlin, bis 25. Januar. Info: www.jmberlin.de, Katalog (Wallstein-Verlag) 24,90 Euro.

Text: SZ vom 22.9.2008/pak Autor: Bert Hoppe

22. September 2008, 10:592008-09-22 10:59:00 ©