Die Neuauflage der Delmenhorster Paradiesvogel-Schau auf Pro Sieben verbreitet eher Schläfrigkeit als verrückte Sommerabend-Unterhaltung.
Der Sommer ist wieder mal sehr groß, keine Frage. Die Temperaturen steigen, die Nächte fühlen sich südlicher an, und crazy-neue Eissorten schüren unsere Zuversicht, dass in diesem - wie in jedem Sommer - theoretisch alles möglich ist. Aber mit der Europameisterschaft sind Euphorie und Jubel erstmal im Halse stecken geblieben, die unbefriedigte Erwartung drückt, scheuert wie die billigen Flip-Flops zwischen den sandigen Zehen.
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Latte Macchiato mit Karamell und einsamer Hausmann: die Sängerin Sarah Connor und ihr Ehemann Marc Terenzi. (© Foto: Pro Sieben)
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Wie soll man sich das Warten verkürzen? Die Zeit aushalten bis zum großen Moment, in dem die Seligkeit endlich überkocht und der Sommer so richtig da ist? Man pult sich nach dem ersten Sonnenbrand die Haut ab, unternimmt Tauchgänge in chlortrunkenen Gewässern, danach fühlt man sich porentief rein, aber erlebt ist noch nichts. Man kann auch "Sarah & Marc - Crazy in Love" anschauen, die verrückte, achtteilige Fortsetzungsstaffel der Hochzeits-Soap "Sarah & Marc in Love" aus dem Jahr 2005.
Solides Eheglück kontra dramatische Inszenierung
Die Auftaktsendung zur Staffel am gestrigen Abend auf Pro Sieben ist durchaus mit einer Planscherei in einer feucht-fröhlichen Bade- und Unterhaltungsanstalt zu vergleichen, allerdings mit dem großen Vorteil, dass man sich in den Stehgewässern von "Sarah & Marc" weder vor der coolen Freibadclique noch vor Fußpilz fürchten muss. Ein Gefühl von Taubheit und Schläfrigkeit stellt sich nach den ersten Sendeminuten ein, so als hätte jemand eine riesige Flasche Sagrotan über das Wohnzimmer ergossen.
Zunächst sehen wir ausschweifende Anekdoten zur Hochzeit in Spanien vor drei Jahren, Erinnerungen an den Vorbereitungsstress, tränenreiches Zeremoniell und mit Swarovskisteinen behangene Schwäne. Auch die kleine, peinliche Staatsaffäre - Sarah Connor scheitert am Text der deutschen Nationalhymne - wird neben anderen Kataströphchen aufgewärmt. Über den Äther versendet sich die Emotionalität, der Mitheulfaktor bei "Sarah & Marc" ist geringer als bei "Terminator 2". "Leichtes Sommertheater" wäre vielleicht eine treffende Bezeichnung, hätte irgendeiner der Protagonisten ein paar unanständige Witze drauf.
Regisseure und Dramaturgen der Sendung stehen mit "Sarah & Marc" vor einer der höchsten künstlerischen Herausforderungen überhaupt, das muss gerechterweise angemerkt sein. An der dramatischen Inszenierung von solidem Eheglück, von Glaube, Liebe, Hoffnung und ähnlichen Tugenden, kann man eigentlich nur scheitern. Das wahre Glück ist eine Schwester der Langeweile und zeichnet sich nicht durch überraschende Wendungen, Irrungen und Wirrungen aus, jenen Garanten für einen gelungenen Fernsehabend, im Gegenteil. "Das Glück schreibt mit weißer Tinte", weiß Woody Allen, und der hat wirklich Erfahrung.
Zahlreiche Handlungsbeschaffungsmaßnahmen müssen so für die nötige Würze sorgen. Sarah und Marc fliegen nach New York, unter dem Vorwand, dort eine wichtige Charity-Gala zu besuchen, zu der auch Promis wie Cindy Crawford kommen. Sarah geht shoppen, kauft für die Gala sehr teuer ein - und man ist leicht irritiert, dass sie die Preisschilder nicht an den Sachen dran lässt, so müsste sie nicht pausenlos erzählen, wie viele Tausende von Dollar sie das jetzt gekostet habe.
Süß, frech, voraussehbar
In schwindelerregendem Tempo wechselt sie die Frisuren, süße Korkenzieherlocken hier, frecher Strubbel da. Ihr blonder Schopf ist heller als ihr Teint und der Weizen in ihrer Heimat Niedersachsen. Sarah Connor trinkt gerne Latte Macchiato mit Karamell. Aber auch das hatte man irgendwie geahnt.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Sarah Connors Ehemann im Moment "eine schwierige Zeit durchmacht".
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Das so ein Frau überhaupt eine Sendung im Fernsehen bekommt, zeugt davon wie weit wir in diesen Staat kulturell schon im Keller angekommen sind.
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liebe franziska seng
wer schaut sich so eine schrottsendung denn an??
das ist so wie dsds, big brother oder die hilton sendungen (gibts gott lob nicht mehr, einmal so aus interesse eine folge angesehen, das war eine folter)
wenn man es in der programmzeitschrift liest, dann weis man dass man nicht einschaltet, da bleibt man nicht mal beim durchschalten hängen
Frau Connor sieht ihrer Mutter immer ähnlicher. Zum Verwechseln ähnlich, möchte man sagen.
war einmal - ganz bewußt "war" ein privater Sender, der richtig gute Formate zustande und einige fähige und geniale Medienschaffende auf den Weg brachte. Das waren gute Zeiten - trotz produktinformativer Zwangspausen auf dem WC.
Ob nun Sarah & Marc in Love die 3. oder Dauer-Raab-Formate, Elton-Ver.a.r.s.c.h.e, Pseudowissenschafts-Galileo-Schwach.sinn und uralte Blockbuster-Aufgüsse letzendlich diesen einst auch für eingefleischte arte-Rezipienten interessanten Privat-Sender zum heutigen Brot-und-Spiele-Lieferanten verkommen ließen, scheint fraglich.
Erschreckend ist die Tatsache, das gut informierte Soziodemographen die Ausrichtung des/der Sender/s und deren Formate meist zeitnah an der Zielgruppe vornehmen.
Bei einem so hohen Markanteil der Pro7-Sat1-Kabel1-Media AG, reflektiert auf das größtenteils stark gehirnverschonende Angebot, lässt diese Praxis bedenkliche Rückschlüsse auf die geistige Verfassung der Mehrheit der Bevölkerung zu.
Oder um es kurz mit Karl Krauss zu halten: "Wo die Sonne der Intelligenz am Niedrigsten steht, werfen auch Ameisen lange Schatten."
Und dieser Zustand wird nicht dadurch besser, das wir Marc, Sarah, Stefan oder Elton im Feuilleton oder in der TV-Kritik lustig durch den Kakao ziehen und uns kreative Abwertungsfloskeln einfallen lassen.
Denn die sitzen vor der Kamera und führen das wachsende Volk der glotzenden Lemminge an...
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