Die Finalisten Sarah Kreuz und Daniel Schuhmacher, die viele als farblos und langweilig kritisieren, weil sie weniger Skandal-Potential aufweisen als etwa die zuletzt ausgeschiedene DSDS-Größe mit Bild-Format, Annemarie Eilfeld, haben den Casting-Parcours mit Bravour absolviert. Sie kamen beide als geknickte Persönlichkeiten, arbeiteten hart an ihrem Selbstwertgefühl und gewannen so den Großteil der Zuschauer für sich.

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Auch die Sympathie von Jury und Moderator hatten sie auf ihrer Seite, diese rieben sich immer wieder stolz die Augen, zu welch großartigen Persönlichkeiten die Mauerblümchen unter ihrer Führung doch herangewachsen waren: als "Mädchen ohne Zukunftsaussichten" charakterisierte Marco Schreyl die Schulabbrecherin Sarah vor ihrer Zeit bei DSDS; Schreyl erinnerte Daniel, der in der Schule aufgrund seiner hohen Stimme immer wieder gemobbt und geschlagen wurde, an seine Zeit als "Bündel voller Unsicherheit", damals, als der Segen des Superstar-Bootcamps noch vor ihm stand.

Die Hoffnung, dass die Zeiten der Hänseleien und Rückschläge nun endlich vorbei sind, stand Sarah und Daniel am Samstagabend ins Gesicht geschrieben. Auch die Familien der beiden Finalisten schienen von Zuversicht beseelt: Nun müssten doch endlich bessere Zeiten anbrechen, der Herr Bohlen hat doch gesagt, das ginge vielleicht irgendwie. Man wünscht sich von Herzen, dass diese Träume in Erfüllung gehen und die beiden sympathischen, vom Schicksal gebeutelten Sänger nicht in der dumpfen Versenkung verschwinden wie ihre Vorgänger.

Keine Chance für ein zweites Casting

Ob das klappt, ist fraglich. Denn schon das knappe Ergebnis, mit dem letzten Endes Daniel Schuhmacher das Rennen für sich entscheiden konnte, zeigt auf, dass er es nicht geschafft hat, die breite Masse des Publikums auf seine Seite zu ziehen: Mit 50.47 Prozent setzte er sich gegen Sarah Kreuz durch. So eng war die Entscheidung bei DSDS noch nie ausgefallen. Daniel lieferte, als Höhepunkt der Sendung, mit samtener Stimme eine gelungene Interpretation von Bill Withers "Ain't no sunshine when she's gone" und wurde für sein Talent gelobt, Musik und Emotionen verbinden zu können. Da dies als Grundvoraussetzung für musikalisches Schaffen gelten sollte, klingt dieses Lob jedoch auch wie eine unfreiwillige Bankrotterklärung der Show-Produzenten.

Real-Life-Castings haben gegenüber den mittlerweile so populären TV-Castings einen großen Vorteil: Sie finden im Verborgenen statt, es gibt nur einen begrenzten Kreis an Mitwissern. Hat man das eine Vorsprechen vergeigt, dann hat man doch etwas für das Nächste gelernt. Etwa wie wenig ratsam es ist zuzugeben, dass man gemeinsame Kochabende als widerlich, Hobbies generell als eine Beschäftigung für frustrierte Stümper empfindet und man freiwillig Unterschichten-Fernsehserien guckt, deren Helden willige Praktikanten oder hawaiianische Kopfgeldjäger sind. Beim nächsten Mal wird alles besser, und irgendwann klappt's auch mit dem Praktikum in der Unternehmensberatung.

Doch dieser wertvolle Lernprozess bleibt DSDS-, GNT oder anderen Casting-Teilnehmern verwehrt. Nach einer Staffel weiß eine ganze Zielgruppe, wie mies sie morgens ohne Make-up aussehen, welche peinlichen Poster bei ihnen im Kinderzimmer hängen, wie unpopulär sie in der Schule waren. Für ein zweites Casting wird sie keiner mehr einladen, ihre Persönlichkeit ist bis ins letzte Eck ausgeleuchtet, eine Chance sich weiterzuentwickeln bekommen sie nicht.

Im Märchen lernt Hänsel erst mit der Zeit die List und die Kunst der Verstellung, und als die passende Gelegenheit da ist, dreht seine Komplizin den Spieß um und kickt die gierige alte Hexe in den Ofen. So viel Lehrzeit bekommen die handelsüblichen Superstaranwärter nicht, weshalb handelsübliche Produzenten auch weiterhin angstfrei und absolutistisch in ihren Solarium-Staaten regieren können, ohne um ihre knackige Haut zu fürchten.

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  1. Nichts Neues vom Knusperhexer
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(sueddeutsche.de/cag)