Von Oliver Das Gupta

Am Ende eines aus SPD-Sicht desaströsen Jahres lässt sich Parteichef Franz Müntefering 75 Minuten über Politik und Privates befragen - ein bisschen Wahlkampf im Fernsehen.

Da sitzt er nun also. Dunkler Anzug, schwarzer Binder mit grauen Rauten, der Körper unter Spannung, die Hände liegen gefaltet auf dem Tisch. Er wolle Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei bleiben, sagt Franz Müntefering gleich zu Beginn. In zehn Jahren werde er wieder zu ihm in die Sendung kommen - zum zehnjährigen Amtsjubliläum, flachst er dem Moderator Reinhold Beckmann ins Gesicht.

Nachtkritik: Müntefering bei Beckmann

75 Minuten sprach Franz Müntefering in der Sendung "Beckmann" über Politik und Privates. (© Foto: NDR/Morris MacMatzen)

Anzeige

Der Sauerländer grinst. Dann wäre er 78. Münte, die fleischgewordene Zuversicht.

Der oberste Sozialdemokrat ist der einzige Gast des ARD-Spätabendtalkers. Solche Soli sind nicht die Regel, werden von Beckmann bei Kalibern wie Götz George, Helmut Schmidt, Gerhard Schröder oder Heidi Klum geboten - eben bei "außergewöhnlichen Gästen und Geschichten", so formuliert es Beckmanns Kommunikationsbeauftragter Frank Schulze im Gespräch mit sueddeutsche.de.

Franz Müntefering hat im Sommer seine Frau Ankepetra verloren, sie starb an Krebs. "Die letzte Strecke", so formuliert er es mehrmal im Laufe der 75 TV-Minuten, diese "letzte Strecke" mit seiner Frau war er ein enger Begleiter.

Müntefering gab das Amt des Bundesarbeitsministers und die Vizekanzlerschaft auf, um seine Frau zu pflegen - die Deutschen staunten über das so selbstverständliche Ablassen von der Macht, über die Liebe des so spröde wirkenden 68-Jährigen. Fortan war er noch besser bei denen gelitten, die ihn vorher schon mochten.

Das war im November 2007. Vor der Bundespressekonferenz sagte Müntefering damals, er rede "darüber nicht leicht und nicht gerne". Darüber, das bedeutete: über die Krankheit, aber wohl auch über sein Privatleben generell. 13 Monate später, bei Reinhold Beckmann, scheint diese Scheu überwunden zu sein. Nur, warum?

Ziemlich auch aus einem politischen Grund: Das Jahr 2008 war aus sozialdemokratischer Sicht desaströs. Dazu gehören: Eine knapp nicht gewonnene Landtagswahl in Hessen plus folgendem Desaster der hessischen Genossen. Ein gescheiterter Vorsitzender Kurt Beck, der aus dem Amt gemobbt wurde oder gemobbt werden musste, je nach Lesart. Dazu der Zoff um den Parteigranden Wolfgang Clement, der monatelang die Partei quälte und der schließlich seinen Parteiaustritt erklärte. Und über allem drücken die Umfragen, die die SPD klar unter 30 Prozent sehen.

Der Beckmann-Auftritt vor der Jahreswende gerät zu Münteferings persönlicher Katharsis - lesen Sie weiter auf der nächsten Seite.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Die gefalteten Hände der SPD
  2. Die gefalteten Hände der SPD
  3. Die gefalteten Hände der SPD
Leser empfehlen