Nachruf Sanfter Revolutionär

Der Bühnenbildner und Regisseur Wilfried Minks (1930– 2018), hier im Jahr 2010 beim Entgegennehmen des „Faust“-Theaterpreises für sein Lebenswerk.

(Foto: Bernd Thissen/dpa/picture alliance)

Wilfried Minks befreite das Bühnenbild von seiner illustrativen Aufgabe. Er arbeitete mit großen Regisseuren wie Zadek, Peymann, Peter Stein und führte dann selbst Regie. Nun starb er im Alter von 87 Jahren.

Von Harald Eggebrecht

Mit Wilfried Minks endete jene alte Zeit, als man beim Theater noch Kulissen und illusionistische Bühnenbilder für selbstverständlich hielt. Mit ihm begann wahrhaft eine groß angelegte Entrümpelung der Bühne, in den Worten von Minks: "Ich habe die Bühnenbilder von ihrer illustrativen Aufgabe befreit und ihnen Autonomie gegeben." In diesem Sinne schuf er keine Bilder, sondern vielmehr einzigartige Räume für das jeweilige Stück. In ihnen bewegten sich, sprachen und spielten Schauspieler unbehelligt von all dem, was man mit Dekoration, Kostüm, Maske und ähnlichem Mummenschanz verbindet.

Stattdessen die Wucht des Direkten, wie in der berühmten Bremer "Räuber"-Inszenierung, als Minks das riesige Bild "Crak!" von Roy Lichtenstein die Bühne bestimmen ließ. Oder der Rahmen aus nackten Glühbirnen um den Bühnenkasten bei Shakespeares "Maß für Maß". Das Licht im Zuschauerraum wurde nicht gelöscht. Beide Stücke hatte Peter Zadek inszeniert, es war die große Ära des "Bremer Stils" in den Sechzigerjahren unter Intendant Kurt Hübner. Minks hat mit Regisseuren gearbeitet wie Peter Stein, Fassbinder, Grüber, Peymann, Dorn. Er wurde am 21. Februar 1930 im tschechischen Binai geboren, studierte in Leipzig und Berlin Malerei und Bühnenbild und begann 1959 in Ulm, wo er auf Hübner, Zadek und Peter Palitzsch traf. 1962 begann dann die Bremer Phase des Abschneidens alter Zöpfe und Bärte: Es war die Befreiung, so Regisseur Jürgen Flimm. Zugleich sorgte dieses neue, "unsentimentale" (Minks) Theater für Aufruhr. Mit Zadek ging Minks später nach Bochum und Hamburg. Bald führte er auch selbst Regie und das dann an vielen Häusern. Bis zuletzt arbeitete er auf gelassene, weise Art: kein brüllender Regiedespot, sondern ein "sanfter Revolutionär", so Flimm, der Schauspieler zu überzeugen wusste. Am gestrigen Dienstag ist Wilfried Minks im Alter von 87 Jahren gestorben.