Nachruf Peter Blickle gestorben

Er war der Geschichtsschreiber der Bauernkriege und des Freiheitswillens im guten, alten Europa der Frühen Neuzeit. Nun ist Peter Blickle 78-jährig gestorben.

Von Johan Schloemann

Dieser Historiker glaubte an das gute, alte Europa. Peter Blickle war einer der besten Kenner der blutig niedergeschlagenen Bauernaufstände der Reformationszeit, die er als "Revolution des gemeinen Mannes" beschrieb. Nicht erst in der Aufklärung sei der Keim der modernen Freiheit zu finden, so Blickle, sondern schon in der berüchtigten Ständegesellschaft. Dort hätten die Bürger und Bauern in ihren Häusern und Kirchen sowie die kommunale Gemeinschaft und Ordnung insgesamt - aller Ungleichheit, allem Feudalismus zum Trotz - unaufhaltsam etwas geschaffen, was nur noch nicht so hieß: eine Zivilgesellschaft und ein Bewusstsein für Menschenrechte.

Immer wieder neu untersuchte Blickle die vormoderne Stadt und Gemeinde als "Urgestein des Politischen", wie es in seiner Synthese "Das Alte Europa" von 2008 heißt. Zunehmend wurde diese Auffassung eidgenössisch gefärbt, denn Blickle, der in Berlin geboren, aber im Allgäu aufgewachsen war, lehrte von 1980 bis zu seiner Emeritierung 2004 in Bern. Seine Fortschrittsgeschichte ist nicht unumstritten. Aber mit seinem Werk hinterlässt Peter Blickle, der am Montag im Alter von 78 Jahren in Saarbrücken starb, viel Wissen über das Leben in der Frühen Neuzeit und einen allgemeinen Impetus gegen Untertanengeist.