Nachruf Komponist Jóhann Jóhannsson ist tot

Jóhann Jóhannsson wurde 1969 in Reykjavík geboren. Er schrieb unter anderem die Filmmusik zu „Sicario“ und „Arrival“. Zuletzt lebte der Komponist in Berlin-Kreuzberg.

(Foto: Paul Marriott/imago)

Der Isländer erlangte in den letzten Jahren vor allem durch seine Filmmusik Bekanntheit. Er schrieb unter anderem die Scores zum Thriller "Sicario" und zum Science-Fiction-Film "Arrival". Zuletzt lebte er in Berlin.

Von Jan Kedves

Er war einer der wichtigsten Vertreter der zeitgenössischen Klassik und Filmmusik. Jóhann Jóhannsson wurde 1969 in Reykjavík geboren, sein Vater arbeitete als Programmierer für IBM und komponierte in seiner Freizeit Musik auf dem Computer. Auch der Sohn studierte nicht Komposition, sondern Sprachen und Literatur, in den Neunzigerjahren spielte er Gitarre in Indierock-Bands. Vielleicht erklärt diese Vorgeschichte etwas von der unorthodoxen Herangehensweise, mit der er sich später, als er schon Künstler der Deutschen Grammophon war, dem Feld der Klassik näherte.

Jóhannsson entwickelte eine Meisterschaft im Kombinieren elektronischer Produktionsmethoden mit dem Instrumentarium der Klassik. Am erfolgreichsten war er damit im Kino. 2014 gewann er einen Golden Globe für seinen erhaben schwebenden Score zu "Die Entdeckung der Unendlichkeit". Ein Jahr später wurde er für seine Musik zu Denis Villeneuves "Sicario" für einen Oscar nominiert. Mit dem kanadischen Regisseur verband ihn eine intensive Arbeitsbeziehung. Mit Spannung erwartet wurde daher im vergangenen Jahr seine Musik für Villeneuves "Blade Runner 2049". Eine Herkulesaufgabe angesichts der Tatsache, dass der Synthesizer-Score, den Vangelis 1982 zum ersten "Blade Runner" produziert hatte, heute so legendär ist. Jóhannsson wurde kurzfristig durch Hans Zimmer ersetzt. Warum, ist unklar. Ob seine unvollendete Arbeit vielleicht eines Tages veröffentlicht werden wird? Zu hoffen wäre es. Jóhannsson lebte seit 2016 in Berlin-Kreuzberg, wo er am Freitag gestorben ist. Die Todesursache war zunächst nicht bekannt. Er wurde 48 Jahre alt. Am Tag seines Todes startete in Großbritannien "The Mercy", einer der letzten Filme, für den er Musik schrieb ( Deutschlandstart: 19. März). Er basiert auf der wahren Geschichte des britischen Geschäftsmanns und Amateurseglers Donald Crowhurst, der 1968 als Teilnehmer des Sunday Times Golden Globe Race allein zu einer Weltumseglung aufbrach und nie wiederkehrte.

Jóhannssons Score dazu wurde bereits veröffentlicht. Wunderbar elegische, flirrende Streicher-Arrangements, die noch in den sentimentalsten Momenten nie in Kitsch abdriften. Eines der Stücke heißt "Into The Wide And Deep Unknown", hinein ins weite und tiefe Unbekannte.