Auch im Internet lassen Nutzer derzeit das fast abgelaufene Jahr Revue passieren. Dabei kommt teils Überraschendes ans Tageslicht.
Der Zurück-Pfeil des Internet-Browsers leuchtet grün und zeigt nach links aus dem Bildschirm hinaus. Und weil man im abendländischen Kulturkreis von links nach rechts liest, führt jeder Mausklick auf den "Back-Button" den Nutzer eine Seite, einen Schritt, ein paar Sekunden zurück in der eigenen Prozessierung der Realität, klick, klick, klick, immer weiter hinein in die Vergangenheit.
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Britney Spears sticht Barack Obama: Im Netz wurde häufiger nach ihr als nach dem kommenden US-Präsidenten gesucht. (© Foto: AP)
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Vielleicht, denkt man sich da, ist das Internet auf Grund dieser serienmäßig eingebauten Zeitmaschine ja prädestiniert dafür, das gerade abgelaufene Jahr 2008 Revue passieren zu lassen - dass es das Fernsehen nicht kann, hat man in den letzten Wochen ja erleben dürfen, als Jauch, Kerner und ihre Klone zwischen Menschen, Bildern, Emotionen so bitter vergaßen, als sie die Finanzkrise und diverse bewaffnete Konflikte vergaßen.
Medien-Software wie FlickR oder YouTube bietet mittlerweile allen Menschen die Möglichkeit ihren ganz persönlichen Rückblick zu erstellen. Unter dem Label "Jahresrückblick" findet man auf der Fotobörse das aktuelle Album der Cassinelli-Familie, die "ein aufregendes Jahr" bejubelt, mit zwei Hochzeiten, einer Hawaii-Reise und "dem neuen Job für Tom" - vielleicht war 2008 doch nicht so schlecht! Auf YouTube hingegen haben bereits mehr als hunderttausend Menschen den Rückblick der Graphik-Künstler von JibJab gesehen: eine animierte Collage-Revue und ein Weltpuppentheater, das die großen Themen und Figuren zur Musik tanzen lässt. Pflichtprogramm für die Jahresrückblicksredaktion des ZDF.
Egal ob es sich um kleine Blogs oder große Massenmedien handelt - die Menschen verarbeiten das Jahr auch im Internet gerne in Listen: TopTen, Gewinner und Verlierer, In und Out, suchen also je nach Interessenlage nach den schnellsten Sportrennwagen, den besten MP3s und schönsten Graffiti-Gemälden - suchen den Sinn in einer hierarchischen Ordnung der Dinge. Wir sind Günther Jauch!
Nur selten stößt man auf innovative Ansätze auf das vergangene Jahr zu blicken: Die Nachrichten-Seite Rivva etwa hat das schöne Motto "News is a river. Not a lake". Hier wird das Jahr nicht von einer Redaktion oder einem Autor beschrieben, stattdessen ordnet eine Software automatisch die wichtigsten und beliebtesten Blog-Themen der letzten Monate. Ebenfalls interessant ist die Buzz-Applikation von Yahoo. Die großen Themen des Jahres werden durch eine statistische Analyse der Suchanfragen festgelegt - allerdings landet auch hier Britney Spears (1. Platz) vor Barack Obama (3. Platz).
Angenehm nüchtern präsentiert sich der Artikel "2008" auf Wikipedia. Hier finden sich keine rührseligen Fotos von "echten Menschen", sondern harte Fakten: die blau eingefärbten Links des Live-Lexikons führen immer weiter in die Tiefe des Details und der Vergangenheit.
Im Internet verlieren die Kategorien Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft an Bedeutung. Google Cache oder die Nonprofit-Organisation Archive.org erstellen schließlich regelmäßig Schnappschüsse aller Internetseiten. Mit der "Wayback Machine" kann man sich an einen bestimmten Tag der Vergangenheit zurück beamen lassen. Das Web vergisst nichts mehr - online wird das Jahr 2008 nie zu Ende gehen.
(SZ vom 29.12.2008/vw)
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Boah, da kriegt der arme Herr Moorstedt aber sein Fett weg! Ich kenne ihn zwar nicht, aber Sie haben vollkommen recht, feliceff.
Es werden zu viele Artikel online gepostet, bevor sie korrigiert im gedruckten Medium landen.
Ich empehle Ihnen deshalb, geehrter feliceff, sich die Wochenendsausgabe der sz zu leisten. Darin findet man so manchen Online-Artikel der voraus gegangenen Woche. Und manchmal kann man sich dort sogar eine gewisse spießige Genugtuung erlauben, wenn die Tippfehler aus den Online-Artikeln ausgebessert sind ^_^
"dass es das Fernsehen nicht kann, hat man in den letzten Wochen ja erleben dürfen, als Jauch, Kerner und ihre Klone zwischen Menschen, Bildern, Emotionen so bitter vergaßen, als sie die Finanzkrise und diverse bewaffnete Konflikte vergaßen. "
Wenn man so eine Rundumkritik anbringt -die in meinen Augen berechtigt ist- dann muss sie wenigstens sprachlich verständlich sein... Erst Recht bei der Sueddeutschen.
Im Übrigen fehlt dem Artikel der rote Faden.