Von Frederik Kunth

Weltweit fahnden Blogger nach seltenen Songs - und orten Kreativ-Hochburgen, wo sie niemand vermutet hätte.

Für Plattenfirmen, zumal für die großen und mächtigen, sind Blogger vor allem gemeingefährliche Diebe - wie der junge Amerikaner, der unveröffentlichte Tracks vom neuen Album der Rockband Guns N' Roses auf seine Seite stellte und jetzt vielleicht für mehrere Jahre ins Gefängnis muss.

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Neues aus Asien, Afrika und Lateinamerika: Musikblogs führen ihre Hörer an die vermeintlich äußerste Pop-Peripherie der Welt. (© Screenshot: bennloxo.com)

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Für die meisten Musikfans dagegen sind Blogger so etwas wie gemeinwohlorientierte Schatzgräber, die nach seltenen Songs fahnden und sie dann kostenlos anbieten. Manche dieser Schatzgräber konzentrieren sich inzwischen auf Neues aus Asien, Afrika und Lateinamerika, also der vermeintlich äußersten Pop-Peripherie der Welt.

Die britischen DJs Boima und Vamanos etwa präsentieren in ihrem Blog "Ghetto Bassquake" elektronische Musikstile wie argentinischen Crunk Cumbia oder angolanischen Kuduro.

Beide Stile klingen jung, urban, progressiv - also ganz anders als die seichte Klischee-Weltmusik, die nur das westliche Bedürfnis nach Wohlfühl-Exotik befriedigen soll.

Der Kanadier Matt Yanchyshyn bringt von seinen Reisen nach Nigeria oder China seine "world music for the masses" mit und veröffentlicht sie in seinem Weblog "Benn loxo du taccu", was in der westafrikanischen Sprache Wolof so viel bedeuten soll wie "eine Hand kann nicht klatschen".

Musikalische Puzzle-Teile

Auf Netzseiten wie awesometapesfromafrica.blogspot.com stehen auch alte Songs zum Download bereit, die bisher allenfalls auf Kassette oder Vinyl erhältlich waren.

Der Londoner Todd Hart publiziert in seinem Weblog "Dalston Oxfam Shop" Alben, die er in einem der Charity-Läden der UK-Hilfsorganisation gekauft hat. Hart bemüht sich sogar, noch Hintergrundinformationen über die teils obskuren Künstler mitzuliefern.

Anhand solcher musikalischer Puzzle-Teile lässt sich zwar nicht die Musikhistorie für einen ganzen Kontinent zusammensetzen, dazu sind sie zu willkürlich ausgewählt. Doch sie zeigen, dass Städte wie Buenos Aires oder Luanda ebenso kreative Pop-Zentren sind wie London oder Berlin.

Die Seitenbetreiber beteuern, dass sie die Songs aus Liebe und Respekt zur Verfügung stellen. Dass sie womöglich Urheberrechte verletzen, dürfte viele der Künstler jedoch nicht stören, demokratisieren die Blogger doch auch die Distribution der Musik.

Einer der globalen Clubhits dieses Herbstes, "Township Funk" des Südafrikaners DJ Mujava, hat seine Karriere auch den Weblogs zu verdanken - dank eines YouTube-Clips, in dem Jugendliche zwischen Backsteinhochhäusern tanzen.

Vor kurzem ist der bleepende House-Track auf dem Vorzeige-Elektrolabel Warp erschienen, bald ist DJ Mujava auf Deutschland-Tournee. Oft gelangt Musik aus Afrika nur über staatliche Kulturaustauschprogramme nach Europa. Dass es in diesem Fall anders ist, ist auch ein Verdienst der Blogger, die im Netz den nötigen Wirbel erzeugt haben.

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(SZ vom 27.10.2008/pak)