Von Mirjam Hauck

Als die birmanische Militärjunta die Internetleitungen kappte, glaubte sie, die Stimmen des Widerstands mundtot gemacht zu haben. Aber das Militär hat die Möglichkeiten der weltweiten Netzgemeinde unterschätzt.

Als die birmanische Militärjunta die Internetleitungen kappte, war das am Freitag die Meldung des Tages. Seit aus dem Land keine ausländischen Journalisten mehr berichten, waren News-Websites und Blogs von Birmanen die wenigen verbliebenen Quellen, die über die Lage der Menschen auf den Straßen von Rangun und Mandalay berichteten. Die Stimmen wollten die Generäle am Freitag mundtot machen. Aber das Militär hat die Möglichkeiten der weltweiten Netzgemeinde unterschätzt: So konnte der in London lebende Exil-Birmane Ko Htike in seinem Blog am Freitag Abend wieder über die Situation in seinem Heimatland berichten - sein Untergrundnetzwerk, das ihn aus der Heimat mit Bildern und Nachrichten versorgt, funktionierte nach wenigen Stunden wieder. Auf die Weise erfährt die Weltöffentlichkeit, dass Soldaten Regimegegner erschossen haben, dass die Armee inzwischen den Flughafen in Rangun blockiert, aber dennoch Tausende Menschen in der Nähe der Sule Pagode demonstrieren.

Der Exil-Birmane Ashin Sopaka verfolgt in Köln die neusten Nachrichten aus seinem Heimatland Birma. Über das Internet hält der buddhistische Mönch Kontakt zu seinen protestierenden Glaubensbrüdern in Birma. (© Foto: dpa)

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Gerade unter autoritären Regierungen und in Kriegs- und Konfliktgebieten haben sich die Webtagebücher als wichtiges Medium der Gegenöffentlickeit etabliert - unbequeme Nachrichten können die Mächtigen nicht mehr so einfach unterdrücken wie vor der Web-Ära. Während in westlichen Demokratien die Beurteilung des Internets und der Blogs zwischen ,,Tummelplatz für Narren'' und ,,wichtige Institution um den etablierten Medien ihre Selbstherrlichkeit vorzuführen'' schwanken, nutzen vor allem junge Leute im Nahen Osten, in der Arabischen Welt und China das Netz, um über die politischen Verhältnisse im eigenen Land zu berichten: Eine machtvolle Waffe gegen die Zensur der etablierten Medien in diesen Ländern.

In Iran treffen technologischer Fortschritt und autoritäres Weltbild hart aufeinander: Nach Schätzungen gibt es unter dem Mullah-Regime zwischen 40000 und 110000 Webtagebücher. Die Regierung beobachtet die Szene genau und verhaftet bei unliebsamen Äußerungen schnell. Wegen Beleidigung des obersten Führers saß etwa der iranische Student Mojtaba Saminejad 21 Monate in Teheran im Gefängnis - inzwischen bloggt er wieder . Aus dem Nachbarland Irak berichten einige irakische Journalisten in einem Videotagebuch mit dem programmatischen Titel Alive In Baghdad. Sie zeigen Bilder der Mauer in Adhamiya, die die Schiiten von den Sunniten trennt. Ein grenzüberschreitendes Projekt ist der Blog Mideast Youth. Hier schreiben arabische, iranische, kurdische und israelische Studenten über Ahmadinedschads Holocaust-Leugnung, Terror an saudi-arabischen Schulen und auch über Techno-DJs in Bahrain.

Während in der arabischen Welt und in Asien das Internet eine wichtige Rolle im öffentlichen Leben spielt, sind große Teile Afrikas netzlos. Aus der Krisenregion in Darfur im Sudan berichtet kein einziger Blogger, aus der Hauptstadt Khartoum zumindest die Ärztin Shaza Balla. Sie schreibt über den Tod eines 20-Jährigen Studenten, der bei Anti-Regierungs-Demonstration verletzt wurde.

Ein Versuch, regierungskritische Tagebücher zu bündeln, ist die Initiative Global Voice. Sie untergräbt das Nachrichtenmonopol autoritärer Staaten und dokumentiert deren Menschenrechtsverletzungen, momentan vor allem die des birmanischen Militärs.

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