Das Internet als Ort des kollektiven Gedächtnisses? Web 2.0 macht's möglich und bietet eine Plattform für Erinnerungskult und Hobbyhistoriker. Manchmal tritt Erstaunliches zu Tage.
Jeder Form von Damnatio memoriae hat das World Wide Web wohl endgültig den Boden entzogen.
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Geschichte verzweifelt gesucht: Ein Haus auf der Suche nach seiner Historie. (© Screenshot: einestages.spiegel.de)
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Nach dem Spanischen Bürgerkrieg hatten die franquistischen Sieger kein Interesse daran, die Erinnerung an die Unterlegenen am Leben zu erhalten. So verstaubten im Archiv von Francos Ministerium für Tourismus und Information tausende, im Auftrag der republikanischen Regierung entstandene Kriegsfotografien.
Das spanische Kulturministerium hat jetzt mehr als 3000 dieser Fotos im Internet zugänglich gemacht. Das Archivo Rojo, nach einem republikanischen General jener Zeit benannt, umfasst überwiegend Aufnahmen der Verteidigung Madrids - beeindruckende Dokumente des Elends, aber auch des Alltags einer belagerten Stadt. Die Nutzer sollen über ein Online-Formular alles nachtragen, was ihnen über Personen, Orte und Ereignisse bekannt ist.
Viele Archive beschreiten ähnliche Wege. Das Gedenkbuch mit den Namen von fast 160 000 während der NS-Zeit deportierten Juden, vor mehr als 20 Jahren vom Bundesarchiv zusammengestellt und seither mehrfach erweitert, ist ebenfalls online zugänglich - samt Formular für Nachträge zu biographischen Daten einzelner Shoah-Opfer.
Meist populäreren Zwecken dient das zu Spiegel Online gehörende Zeitgeschichtsportal Einestages.de, wenn es seine Leser um sachdienliche Hinweise bittet.
"Fundbüro" nennt sich die Rubrik, unter der Nutzer Fotos unklaren Inhalts diskutieren können. Aber nicht nur Wissenswertes zur Holzschnitzschule in Bad Warmbrunn wird dort erforscht, sondern etwa auch der Verbleib eines Liebermann-Gemäldes, das auf einem Vorkriegsfoto im Wohnzimmer einer jüdischen Bankiersfamilie zu sehen ist - bislang ergebnislos.
Sehr aktiv im Netz ist die Library of Congress in Washington, die mit ihrem Bildarchiv seit Jahresanfang in der Fotocommunity Flickr vertreten ist. Die User sollen der Bibliothek helfen, frei nutzbare Bilder besser recherchierbar zu machen und sie mit griffigeren "Tags", also Schlagwörtern, zu versehen, als dies einst nüchterne Bibliothekare taten.
Aber auch die Library setzt auf das Wissen der Nutzer - etwa über viele hunderte Fotografien, die nur unzureichend etikettiert wurden. Inzwischen haben sich auch das Brooklyn Museum und die Smithsonian Institution dem Flickr-Projekt "The Commons" angeschlossen - Anfang 2008 wurde die Kongressbibliothek prompt darauf gestoßen, dass sie Fotografien von Abraham Lincolns zweiter Amtseinführung (1865) besitzt.
Ungenau beschriftet, waren sie einst Ulysses S. Grant zugeordnet worden. Über Jahrzehnte bemerkte niemand die falsche Bezeichnung. Ohne Online-Archiv wäre das wohl auch noch lange so geblieben.
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(SZ vom 7.7.2008/mst)
Umweltstiftung WWF in der Kritik
...solche "Weisheit der Vielen"- Aktionen preisen, als tolle Entwicklung, die jetzt endlich durch´s Web 2.0 möglich geworden ist! Ich könnte kot***!!!!!
Augen auf! Nachgedacht! Vielleicht hätte das der Autor mal tun sollen, bevor er so einen naiven unreflektierten & unkritischen Artikel ins Netz stellt, das hätte ein unbezahlter User sicher genauso gut machen können, also, nächstes Mal mehr Mühe geben, sonst fällt der Arbeitsplatz bald weg, schließlich kann sich die SZ ja Texte auch von angemeldeten Usern ohne Bezahlung online stellen lassen (siehe meinen Kommentar)... Hmmm... Grübel...
"Die Nutzer sollen über ein Online-Formular alles nachtragen, was ihnen über Personen, Orte und Ereignisse bekannt ist."
- So kann man die Allgemeinheit prima gratis für sich arbeiten lassen, anstatt hochbezahlte Historiker die Recherche betreiben zu lassen... Viele Berufssparten leiden mittlerweile unter dem so vielgepriesenen Web 2.0, allen voran bekanntermaßen Journalisten & Fotografen, deren Arbeit immer mehr von naiven Surfen für lau oder einen Appel & ein Ei (siehe Bild-Reporter, etc.) übernommen wird...
Ganz zu schweigen von den Millionen, welche die Wirtschaft mitlerweile mit Internetumfragen & persönlichen Daten scheffelt, welche "wir User" ihnen gratis zur Verfügung stellen! Aber wenn der Bürger dann mal auf Kulanz angewiesen ist... Sehr, sehr ärgerlich, das alles.....................