Von SZ

Knut Ahnlund, schnaubend ausgetretenes, ehemaliges Mitglied des Nobelpreis-Komitees, hat nicht nur der letztjährigen Auszeichnung für Elfriede Jelinek hinterher getreten. Jetzt versucht er auch, den frisch geehrten Harold Pinter nieder zu kartätschen.

Der schwedische Publizist und Ex-Nobeljuror Knut Ahnlund hat die Vergabe des diesjährigen Literatur-Nobelpreises durch die Schwedische Akademie an den fünfundsiebzigjährigen britischen Dramatiker Harold Pinter als Fehlentscheidung kritisiert, mit der die Auszeichnung erneut abgewertet werde. Der zweiundachtzigjährige Ahnlund, der seinen Sitz in der Schwedischen Akademie aus Protest gegen die Entscheidung für die Österreicherin Elfriede Jelinek im Vorjahr zurückgegeben hatte, sagte er der Nachrichtenagentur dpa in Stockholm: "Die Akademiemitglieder haben sich nicht ausreichend informiert und deshalb nicht über Pinters politische Aggressivität Bescheid gewusst."

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Knut Ahnlund, der Übellaunige. (© Foto: dpa)

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Ahnlund nannte als Beispiele die äußerst scharfe Kritik Pinters am Irak-Krieg und der US-Politik generell sowie seine Äußerungen zur Verteidigung des in Den Haag vor Gericht stehende jugoslawischen Ex- Diktators Slobodan Milosevic. "Man muss damit rechnen, dass er seinen Nobelvortrag bei der Verleihung in Stockholm für politische Zwecke benutzt. Das wäre ein beispielloser Vorgang", meinte Ahnlund weiter.

Die diesjährige Entscheidung sei ähnlich fragwürdig wie die des Jahres 1971, als der chilenische Lyriker Pablo Neruda den Nobelpreis für Literatur erhalten hatte. Neruda habe Stalin verehrt, dies aber wenigstens am Ende korrigiert. "Das ist bei Pinter ja nicht der Fall", sagte Ahnlund.

Der 1983 in die Akademie gewählte Schriftsteller hatte zwei Tage vor der Vergabe an Harold Pinter in einem Zeitungsartikel für die Tageszeitung Svenska Dagbladet geschrieben, die letztjährige Entscheidung für Jelinek habe den Wert des Literatur-Nobelpreises "auf absehbare Zeit zerstört" (Süddeutsche Zeitung vom 12. Oktober). Jelinek nannte er eine "monomane und eingleisige" Autorin mit einem "dürftigen und armseligen literarischen Werk".

Zu der Entscheidung für Pinter, die ohne seine Beteiligung zustande gekommen war, sagte Knut Ahnlund: "Das hat die Lage für den Preis eher noch verschlimmert." Neben dem politischen Aspekt müsse man auch literarisch Fragezeichen setzen: "Pinter steht als Dramatiker in der Nachfolge von Kafka und Beckett. Man kann seine Originalität wohl in Frage stellen."

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(SZ v. 18.10.2005)