"Zum Wohle des Spiegel": Gruner + Jahr-Chef Bernd Kundrun dringt auf eine schnelle Nachfolge für Stefan Aust: Spätestens am Jahresende soll der Name des neuen Spiegel-Chefredakteurs bekannt gegeben werden.
"Spiegel-Leser wissen mehr", lautete lange der Werbespruch des Hamburger Nachrichtenmagazins. Doch über die Personalie Stefan Aust, die so viel Wirbel verursachte, steht im aktuellen Heft nichts zu lesen. Am Donnerstag vergangener Woche - da weilte der Spiegel-Chefredakteur noch im Urlaub - hatte der Verlag in einer knappen Drei-Zeilen-Meldung mitgeteilt, dass der Vertrag von Aust am 31.12.2008 endet.
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Arbeitete am Dienstag am "Spiegel" vom nächsten Montag: Stefan Aust. (© Foto: AP)
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Nun wird erwartet, dass Aust den Spiegel bald verlässt. "Man wird ihm wohl anbieten, dass er vorzeitig gehen kann", heißt es aus dem Spiegel-Verlag. Eine Sprecherin gab dazu keinen Kommentar. Am Dienstag erschien Aust offenbar wohl gelaunt zur morgendlichen Lagebesprechung in seinem Büro. Er werde noch eine Weile im Amt bleiben, soll er verkündet haben.
Erstmals meldet sich nun auch Gruner + Jahr-Chef Bernd Kundrun zu Wort. Die Bertelsmann-Tochter ist mit 25,5 Prozent am Spiegel-Verlag beteiligt und hat die Personalie Aust mitgetragen. "Stefan Aust hat die Redaktion über 13 Jahre hinweg erfolgreich geführt. Dafür gebührt ihm großer Dank und Anerkennung", lässt Kundrun, der im Urlaub ist, auf Anfrage der SZ mitteilen. Die Entscheidung, den Chefredakteursvertrag von Aust nicht bis 2010 laufen zu lassen, habe der Verlag dennoch mitgetragen. "Dieser verlegerische Entschluss hat eine Reihe von in die Zukunft weisenden Gründen, die aus Respekt für die Lebensleistung von Stefan Aust nicht öffentlich erörtert werden sollten", so Kundrun.
Die Mitarbeiter KG, die 50,5 Prozent der Anteile am Spiegel-Verlag kontrolliert, war die treibende Kraft hinter der Ablösung von Aust. Armin Mahler, KG-Geschäftsführer, begründete dies mit einem notwendigen Modernisierungsschub. "Wir wollen mehr junge Leute an das Blatt binden. Dazu braucht es eine frische, neue Kraft", sagte Mahler zur Personalie. Offenbar bestand bei G + J zudem die Angst, die anhaltende Auseinandersetzung zwischen Aust und Spiegel-Verlagsgeschäftsführer Mario Frank könnte das Unternehmen lähmen. "Es drohte Agonie. Jetzt muss Ruhe einkehren", sagt ein Beteiligter.
Bis spätestens zum Jahresende will man nun einen neuen Chefredakteur für den Spiegel bekannt geben. Frank soll am Montag während der Redaktionskonferenz angedeutet haben, dass Austs Nachfolger schon in den kommenden Wochen benannt werde. G + J drängt auf eine schnelle Lösung und will sich einbringen: "Unsere Rolle bei der Benennung eines neuen Chefredakteurs werden wir in den nächsten Wochen zum Wohle des Spiegel verantwortungsvoll und ohne weitere öffentliche Kommentierung wahrnehmen", so Kundrun.
Das Hamburger Verlagshaus ist dabei auf der Seite von Geschäftsführer Frank. Kundrun sagt: "Die Geschäftsführung des Spiegel genießt auch in diesem Zusammenhang unser volles Vertrauen." Die Position von Frank galt zuletzt ebenfalls als geschwächt. So scheiterte er mit der Teilübernahme der Financial Times Deutschland (FTD) am Widerstand der Mitarbeiter KG. Die Sache war brisant, da G + J an der FTD mit 50 Prozent beteiligt ist, die anderen 50 Prozent stehen zum Verkauf. Einige beim Spiegel fragten sich damals, warum G + J nicht selbst die FTD übernehme.
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(SZ vom 21.11.2007/korc)
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Da kann ich nur sagen, das wurde höchste Zeit; denn der Mann hat das gute Magazin, das einst die Handschrift seines Gründervaters Augstein trug, an den Baum gefahren. Ich lese ihn, den "Spiegel", seit Jahrzehnten und war seit einiger Zeit am überlegen, ob ich mich nicht dieser Schrift, die sehr nachhaltig ins Neoliberale in den letzten Jahren abgerutscht ist, entledigen sollte. Nun aber werde ich abwarten, bis der "Neue" die Bühne betreten hat. Und ich bin gespannt, ob deutliche Korrfekturen zu spüren sein werden; denn an fähigen Journalisten fehlts ja dem "Spiegel" eher nicht, nur am fähigen "Steuermann". Vielöleicht hat es ja im "Betrieb" auch überlegungen gegeben, wer außer Aust noch entbehrlich ist? Die Scheu, auch hier einen deutlichen Schnitt zu machen, sollte man bald überwinden. Einfach mal die Leser fragen, wen sie für unfähig halten bzw. wer dem "Chef" stets nach dem Munde redet. Also: Nun muß die Spreu vom Weizen getrennt werden!
...gefällt mir im tv schon nicht. dabei sollte man ihn eigentlich der zeitschrift wegen kennen. so gings wohl auch den in diesem falle entscheidenden.