Nach dem großen Knall beim Suhrkamp-Verlag Minderheitseigner denkt laut über Auflösung nach

Er liefert sich mit Merheitseignerin Ulla Unseld-Berkéwicz seit Jahren einen erbitterten Rechtsstreit um den Suhrkamp-Verlag: Minderheitsgesellschafter Hans Barlach, hier auf einem Archivbild von 1999.

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Nach seinem großen Sieg vor Gericht hat der Minderheitseigner des Suhrkamp-Verlages, Hans Barlach, sich zur möglichen Auflösung des Unternehmens geäußert. Auch Philosoph Jürgen Habermas und Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger mischten sich in die Debatte ein - mit teils deutlichen Worten.

Jetzt meldet auch er sich zu Wort: Im Streit um den traditionsreichen Suhrkamp-Verlag hat der Minderheitsgesellschafter, Hans Barlach, eine mögliche Auflösung als "Chance für einen Neuanfang" bezeichnet. "Dann hätte keiner mehr die Mehrheit", betonte der Geschäftsmann im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Den Fortbestand des Verlages, der seit 2009 in der Mitte der Hauptstadt Berlin ansässig ist, sehe er im Falle einer Auflösung nicht gefährdet.

Zudem deutete er in den gerichtlichen Auseinandersetzungen um das Unternehmen Gesprächsbereitschaft an. Wenn die Familienstiftung als Mehrheitsgesellschafter, vertreten durch Ulla Unseld-Berkéwicz, die Ausschlussklage gegen ihn zurückziehe, wäre dies ein erster Schritt, sagte Barlach der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. "Ich kann mir vorstellen, dass sich die Situation auf diese Weise entschärfen ließe."

Barlach hält mit seiner Medienholding Winterthur 39 Prozent des Verlages und führt mehrere Prozesse gegen den Mehrheitsgesellschafter, die durch Ulla Unseld-Berkéwicz vertretene Familienstiftung. Kürzlich erreichte er, dass Unseld-Berkéwicz durch einen Gerichtsbeschluss als Geschäftsführerin des Verlags abberufen wurde. Außerdem klagen Barlach und die Familienstiftung vor dem Landgericht Frankfurt am Main gegenseitig auf Ausschluss aus der Gesellschaft. Für den Fall, dass er hierbei unterliegt, hat Barlach beim Gericht die Auflösung der Kommanditgesellschaft beantragt.

Um "Frieden" zu schließen müsse Unseld-Berkéwicz seiner Ansicht nach weitgehend auf ihre jetzigen Funktionen verzichten. "Dann würde man die entsprechenden Beiräte und Gremien mit den richtigen Leuten besetzen, also mit Autoren und Beratern, die unabhängig agieren könnten und mit einem Vetorecht ausgestattet würden - ganz so, wie es Siegfried Unseld einmal geplant hatte", sagte Barlach, Enkel des Bildhauers Ernst Barlach.

"Darf nicht zerstört werden"

Im Falle einer Auflösung müsse der Geschäftsführer dann das Kommanditkapital am Markt anbieten. "Dann könnte Frau Unseld-Berkéwicz Suhrkamp-Anteile kaufen, ich könnte das tun oder ein Dritter. Der Verlag an sich bliebe erhalten", sagte Barlach weiter. Wer künftig als Geschäftsführer des Verlages fungieren könnte, ließ er offen, sich selbst brachte er jedoch nicht ins Spiel.

Zugleich wies er in dem Interview Vorwürfe zurück, lediglich finanzielles Interesse an Suhrkamp zu haben. Auchd er Philosoph Jürgen Habermas schaltete sich in die Diskussion um den Traditionsverlag ein; ihm zufolge geht es im Streit um den Suhrkamp-Verlag um mehr als nur um Kapitalanteile. "Es ist ein kulturelles Gebilde, das über 60 Jahre die alte Bundesrepublik stark beeinflusst hat. Von welchem Verlag kann man das schon behaupten?", sagte der 83-Jährige der Rheinischen Post. Der Verlag habe etwas hervorgebracht, "was nicht zerstört werden darf". Habermas hat seine zentralen Werke bei Suhrkamp veröffentlicht.

Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger äußerte sich mit deutlichereren Worten: Für den Fall, dass Minderheitseigner Barlach doch noch in Zukunft den Verlag führen würde, wolle er Suhrkamp sofort verlassen. Der 83 Jahre alte Autor wirft Barlach vor, sich nie programmatisch über den Verlag geäußert zu haben und nur "vorhandene Copyrights" ausschlachten zu wollen. "Da werden die Autoren nicht mitmachen", sagte er laut eines Vorabberichts der Zeit. Der Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz stärkt Enzensberger den Rücken: "Was ich mit Bestimmtheit sagen kann, ist, dass Ulla Berkéwicz mit Autoren umgehen kann und dass sie ein Programm auf die Beine gestellt hat, das sich sehen lassen kann."