Zur Verfestigung des biederen Deutschen in einer exemplarischen Vorstadthölle: Die Serie "Marienhof" in der ARD wird 3000 Folgen alt. Ein Geburtstagsständchen in Bildern.
Der Mittelstand geht in Serie: Die "Lindenstraße" machte als erste vor, dass Protagonisten für hohe Einschaltquoten nicht zwangsläufig reich und schön sein müssen - im Gegenteil. Mutter Beimer und ihr Umfeld im städtischen Mietshaus sind erschütternd durchschnittlich. Wenn der Mensch also Spießbürgertum fern-sehen will, warum soll man ihn dann nur am Tag des Herrn damit versorgen?
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Gott sei dank also kam 1992 "Marienhof" in die Welt, Gott sei Dank lief die Serie ab 1995 als Daily Soap. "Marienhof" wird in München gedreht, spielt aber in Köln und sieht vorstädtisch aus. Genau umgekehrt ist es im übrigen bei "Lindenstraße": Die Serie wird in Köln gedreht, spielt aber in München.
Jeden Vorabend konnte man sich nun im Ersten Deutschen Fernsehen in die öffentlich-rechtlichste aller Soaps versenken, in die Welt der rechtschaffenen Blumenhändlerin Inge Busch mit mittelständisch gebremstem Lachen, in die Welt ihrer Kinder und Kindeskinder. Sie ist die Einzige, die von der Urbesetzung geblieben ist, hat schon Söhne sterben und Töchter verzweifeln sehen.
Nach dem schönen Serienprinzip können aber von überall her immer neue ursprünglich ungewollte Sprößlinge, Zwillinge, Drillinge und schwule Adoptivkinder auftauchen, auf diese Weise wird auch das Personal in einer zielgruppenkompatiblen Altersklasse gehalten.
Die Zielgruppe entspricht selbstredend den Verjüngungsbestrebungen der öffentlich-rechtlichen Sender: Bei den 14- bis 49-jährigen Zuschauern erreichte "Marienhof" seit dem Start der täglichen Ausstrahlung laut "Bavaria Film" einen Marktanteil von durchschnittlich 17,0%, bei den 14- bis 29-Jährigen waren es sogar 22,6%. Eine - allerdings von der privaten Konkurrenz ProSiebenSat1 durchgeführte - Untersuchung beziffert das Alter des durchschnittlichen Zuschauers gleichwohl auf 52 Jahre.
Charme zwischen Toiletten-Bauteilen
Für wen auch immer - in jedem Fall wird in "Marienhof" eine reaktionäre Idylle zementiert. Seit 2002 ist dem entsprechend eine Einkaufspassage Zentrum des Geschehens, dort findet sich zum Beispiel das Geschäft von Frank Töppers. Der Klempner versprüht zwischen Toiletten-Bauteilen Kölner Charme. Es gibt einen Billig-Discounter, ein Reisebüro, den Laden, in dem Inge Busch mit Hardcore-Optimismus Blumen und Dessous an den Mann bringt und ähnlich verlockende Niederlassungen.
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