Museum für die Zwanziger Jahre in Berlin Ausgerechnet Bananen

Thomsen hat Werke von ihnen allen gesammelt, von den Berliner Kleinkunstakteuren wie auch von internationalen Stars, die am Berliner Broadway gastierten oder groß wurden. Wie die Österreicherin Greta Keller, die die große Dietrich erst zu ihrer rauen Flüsterstimme inspiriert haben soll.

Was Thomsen plant, ist weniger ein klassisches Museum als eine Art Erlebnis-Café. Schon der Name seines Vereins, "Kakadu e. V.", erinnert an eine Bar, die in den Zwanziger Jahren eine große Nummer war: das Kakadu am Kudamm. Dort traf sich eine vogelwilde Mischung aus Künstlern, Filmstars, Wirtschaftsbossen und Unterwelt; Heinrich Mann soll hier seine zweite Frau kennengelernt haben. Thomsen hat Bilder von damals und die alten Architekturpläne, er würde seine Begegnungsstätte nach diesen Plänen gestalten.

Alte Grammophone sollen die Musik der Zeit erlebbar machen, auch ein Tanztee gehört zu Thomsens Traum. "Diesen Fünf-Uhr-Tee gab es damals in jedem größeren Hotel", erzählt er, aber davon wüsste man heute kaum noch etwas.

Berlin swingt: Original-Illustration aus den 20er Jahren. Thomsen sagt: "Ich habe kistenweise traumhaft schöne Motive."

(Foto: Kakadu e.V.)

Revival des Tanztees

Ein paar Berliner Nachtclubs erinnern heute an die Zwanziger Jahre. Es gibt Bücher und Stadtführungen zum Thema, in Museen werden verschiedene Kulturleistungen aus dieser Zeit gewürdigt. Doch das passiert alles nur ausschnittweise. Ein Museum der Zwanziger Jahre hat hier noch niemand eröffnet.

Derzeit sucht Thomsen noch nach dem nötigen Finanzier und einem passenden Gastronom für sein Projekt. Demnächst ist der ehemalige Textilproduzent, der wegen seines Ansinnens im Deutschlandradio schon als "swingender Salonlöwe" bezeichnet wurde, wieder auf dem nostalgischen Weihnachtsmarkt in Berlin. Auf dem Schlossplatz verkauft er seine auf CD überspielten alten Schellack-Träume. Ganz ohne Knistern und Knacken übrigens - so viel Nostalgie müsse dann doch nicht sein.

Hoffnung könnte Thomsen geben, dass er sich in einer Sache irrt: Das legendäre Luxushotel Adlon bittet inzwischen wieder zum Tanztee. Wo einst Josephine Baker und Anna Pawlowa verkehrten, soll der Berliner wieder das Glittern goldener Zeiten spüren. Das könnte angesichts der sozialen Schwierigkeiten Berlins auch wieder einem Tanz auf dem Vulkan ähneln.