München Großartige Harteros

"La Forza del Destino" im Nationaltheater

Von Klaus Kalchschmid

Verdis "La Forza del Destino" ist eine krude ausufernde Oper, die auch Martin Kušej nicht bewältigt, so klug er das Ganze im Nationaltheater entwirft: Zur berühmten Ouvertüre zeigt er das Abendessen im Familienkreis: Vater, Tochter, Bruder, Body Guard und Diener. Immer wieder kehrt die Inszenierung an diesen Tisch zurück, an dem Leonoras Leben durch die versehentliche Tötung ihres Vaters durch den Geliebten eine für sie und ihren Bruder schließlich tödliche Wendung nimmt und am Ende die Familienaufstellung fast dieselbe ist.

Nach der Pause blickt der Zuschauer auf den Grundriss eines von einer Bombe zerstörten Hauses mit Mauerresten, gesehen aus der Vogelperspektive (Bühne: Martin Zehetgruber). Weil die Kriegslust-Szenen kaum inszenierbar sind, fallen sturzbetrunkene, halbnackte Männer über ihre Frauen her. Und beim "Rataplan pim pum" der Preziosilla (üppig orgelnd: Nadia Krasteva) liegt der exzellente Chor der Staatsoper gar singend auf dem Rücken.

Weltklassesänger tragen wie schon bei der Premiere 2013 den Abend: allen voran Anja Harteros. Sie erfüllt die Entwicklung, die ihr Giuseppe Verdi gönnt, mit musikalischer Intensität dank ihres in jeder Lage gehaltvollen Soprans - bis hin zu fantastisch gerundeten Spitzentönen. Jonas Kaufmanns dunkel geerdeter Tenor passt als Don Alvaro zu dieser Stimme, als wäre er eigens dafür geschaffen. Und wenn Kaufmann auf den hasserfüllten Bruder Don Carlo di Vargas in Gestalt des balsamisch strömenden Verdi-Baritons Simone Piazzola trifft, dann ist das glut- und blutvoll wie sonst nur in Mafia-Filmen.

Großartig auch wieder Vitalij Kowaljow in der Doppelrolle des bösen wie des guten "Padre", also als Marchese di Calatrava wie als Padre Guardiano, mit warmem, intensivem Bass. Ambrogio Maestri gibt den feisten Mönch Melitone mit prallem Bass-Buffo. Auch die differenzierte, plastische, immer sängerfreundliche Arbeit Asher Fischs mit dem Bayerischen Staatsorchester überzeugt.