Der neue, letzte "Star wars"-Film von George Lucas spart nicht mit politischen Anspielungen und philosophischen Anklängen. Und die reklamieren nun plötzlich die unterschiedlichsten Gruppierungen als Spiegel ihrer Weltanschauungen.
Mittwoch war es wieder soweit, da standen die "Star Wars"-Fans in langen Schlangen vor den Kinos, um in einer der mitternächtlichen Sondervorstellungen die letzte Folge der Sternenkriegersage als Erste zu sehen.
Aus dem Merchandise-Paralleluniversum: Pez-Spender der Star-wars-Charaktere (© )
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Doch man sollte sich hüten, sich über all die schrulligen, pickligen Fans lustig zu machen, von denen sich viele mit Plastikschwertern, Nylonumhängen und Faschingsschminke verkleidet hatten. "Star Wars" gehört längst zur amerikanischen Allgemeinbildung, und wer nicht weiß, wer Luke Skywalker, Darth Vader und Yoda sind, der könnte im Flechtwerk der Pop-, Politik- und Religionsreferenzen schnell verloren gehen.
Es ist diesmal vor allem die Politik, die sich auf den neuen "Star Wars" stürzt. So plant die linksgerichtete Wählerorganisation Moveon.org auf CNN Werbespots zu schalten, die den konservativen Senator Bill Frist wegen seiner aggressiven Rolle in den Anhörungsverfahren neuer Bundesrichter mit dem bösartigen Kanzler Palpatine vergleichen.
Der konservative Weblog Drudge Report verglich dagegen den Reporterstab im Weißen Haus mit den rachsüchtigen Sith, weil sie einen Pressesprecher der Regierung in Bedrängnis brachten, der vom Nachrichtenmagazin Newsweek gefordert hatte, den Schaden, den ein Bericht über Koranschändungen in der moslemischen Welt angerichtet hatte, wieder gut zu machen.
Ronald Reagan war der Erste, der das Popuniversum der Star-Wars-Filme zur historischen Referenz adelte, als er die Sowjetunion in seiner Rede vor dem Dachverband der evangelikalen Kirchen 1983 als "Evil Empire" bezeichnete und damit auf jenes Imperium anspielte, gegen das die Jediritter ankämpfen.
George Lucas hat immer bestritten, dass er seine Filme mit Anspielungen durchsetzt. Doch diesmal waren die Parallelen zur politischen Wirklichkeit zu eindeutig. In einer Szene verkündet Anakin Skywalker: "Wenn ihr nicht für mich seid, seid ihr meine Feinde."
Die Provokation hat schon vor dem Filmstart gegriffen. Vor allem konservative Webseiten haben sich auf die unpatriotischen Zwischentöne gestürzt. George Lucas weiß aber nur zu gut, dass die amerikanische Nation nicht nur von Politik, sondern auch von Religion besessen wird, weswegen die "Star Wars"-Filme zu endlosen Diskussionen der spirituellen Hintergründe einladen.
Die Webseite Beliefnet sieht in jener allgegenwärtigen Macht, die den Jedirittern übermenschliche Kräfte verleiht, Parallelen zur lebensspendenden Energie des Taoismus, vergleicht die Wandlung des Sternensöldners Han Solo in den ersten Folgen mit der Bekehrung des heiligen Thomas und die Schlachtenszenen im jüngsten Film mit König Herodes' Kindermorden. Gleich vier Bücher sind erschienen, die "Star Wars" nach den Lehren des Buddhismus, des Taoismus, des Christentums und der Philosophie untersuchen.
Kaum jemand spricht politische und spirituelle Bedürfnisse mit den Mitteln des Pop so raffiniert an wie George Lucas. Deswegen ist der Kinostart des neuen "Star Wars"-Films auch diesmal ein volkswirtschaftliches Ereignis. Die Beratungsfirma Challenger, Gray & Christmas aus Chicago schätzt die Einbußen durch Produktivitätsverlust in den ersten zwei Tagen auf 627 Millionen Dollar. Ökonomen können sich allerdings damit trösten, dass die Star-Wars-Filme bisher schon 3,4 Milliarden Dollar eingespielt haben und auch diesmal dreistellige Millionenumsätze erwartet werden, die den Leistungsabfall der Arbeitnehmerschaft langfristig ausgleichen werden.
(SZ v. 20.05.2005)
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