Minister Guttenberg: Falscher Vorname Die Welt als Wilhelm und Vorstellung

Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat zehn Vornamen - und einen elften, der bei Wikipedia erfunden wurde und Karriere machte.

Eine Glosse von B. Graff u. C. Kortmann

Wir müssen uns den kleinen Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg anders als andere Kinder vorstellen. Damals, als er noch nicht Wirtschaftsminister war, also bis ungefähr vor drei Tagen, brumboselte er des Öfteren auf dem familiären Herrensitz und vertrieb sich die Zeit mit einem schönen Spiel: "Ich formiere meinen Staatskonvoi und nehme mit: 'Karl-Theodor'", denn "so hieß mein Großvater väterlicherseits", wie der Ministerfrischling gerade in Bild enthüllte.

"Ich formiere meinen Staatskonvoi und nehme mit: 'Karl-Theodor Maria'", hieß es dann in der nächsten Spielrunde, die der Nochnichtminister mit sich selber austrug, um sich der Fülle seiner Wohllaute zu versichern. Und darauf also: "Ich formiere meinen Staatskonvoi und nehme mit: 'Karl-Theodor Maria Nikolaus'" und immer sofort, auf dass es ihm selbst in den verregnetsten Sommerferien nie langweilig wurde.

In dem maßgeblichen ministeriellen Bild-Stück, der offiziellen Erklärung seiner zehn Namen (gewissermaßen seiner ersten Amtshandlung), schlug er denn auch gleich lichte Schneisen ins Namensdickicht. So sind "Philipp Franz" keineswegs zwei Vornamen, wie wir minderblütigen Solonomierten vielleicht meinen können. Nein, das unverhoffte Binnen-Doppel rührt von Großonkel Philipp Franz, der "an der Ostfront in Russland gefallen" ist.

Nun aber begab es sich, dass Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg bei seinem Konvoi-Packen nicht mehr allein war. Denn in die blaublütige Vornamens-Top-Ten drängelte sich in den vergangenen Tagen ein völlig unbekannter alter Vertrauter: "Wilhelm". Der fiel mit seiner eichenfurnierten Aura an diesem altdeutschen Stammtisch nicht weiter auf, irgendwo zwischen Ostfront und Patenonkeln lugte er plötzlich keck und falsch hervor - und verzog keine Miene unter der Pickelhaube.

Denn der ebenso eichenfurnierten Internet-Enzyklopädie Wikipedia gefiel es, den Namenskonvoi des frisch gebackenen Ministers aufzumischen und einen Wilhelm hineinzuschmuggeln, wo zuvor niemals ein Wilhelm war. Und weil aber bei solchen Vornamenskohorten schlichtweg keine Gegenwehr mehr möglich ist, fiel sie ungebremst in die deutsche Medienlandschaft ein. Der Rucksack-Wilhelm war auch bei sueddeutsche.de ein gern gesehener Gast. "Müssen wir uns diesen Namen merken?", fragte Bild und nannte elf statt zehn Namen, inklusive des vermaledeiten "Wilhelm".

Ein ungenannter Vornamenschänder gesteht inzwischen im Bildblog des Stefan Wilhelm Niggemeier, dass er das ministerielle Namensköfferchen mitgepackt hat, um anschließend feixend auf mangelndes Recherche-Ethos bei deutschen Medien hinzuweisen.

Aber was heißt in dem Fall schon mangelndes Ethos! Waren die Medien mit dem falschen Wilhelm nicht bestens beraten, ja, wahrhaftiger als das Leben selbst? Worin sollte denn der Sinn einer adligen Massentaufe in Personalunion bestehen, wenn nicht darin, die Fantasie der Armen im Namensgeiste anzuregen? Da setzte der Wilhelm dem Minister doch nur die passende kaiserliche Krone auf!

Und jetzt packen auch wir unser Köfferchen für das Superministerium und nehmen mit: Dieter Barack Karl-Theodor Angela Wendelin Maria Nikolaus Johann Jacob Horst Wilhelm Ludwig Erhard Philipp Franz Joseph Edmund Sylvester Heidi Joschka Freiherr von und zu Guttenberg. Übrigens behauptet Wikipedia auch, dass Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen gesagt haben soll: "Ihr seid alle Idioten zu glauben, aus Eurer Erfahrung etwas lernen zu können, ich ziehe es vor, aus den Fehlern anderer zu lernen, um eigene Fehler zu vermeiden."

So gesehen sind wir alle Idioten - außer den Bildbloggern vom Checkpoint Willy.

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