Er ist der ewige Panzerknacker im Entenhausen des George W. Bush. Gerade hat er einen Film über die Verstrickung der amerikanischen Regierung in die Anschläge des 11. September gedreht. "Fahrenheit 911" heißt das Opus, das von der Disney-Tochter "Miramax" produziert wurde. Der Mutterkonzern versucht nun alles, den fertigen Film zu verhindern. Nach Cannes kommt der Film trotzdem.
Eigentlich war es ja sowieso eine merkwürdige Allianz: Michael Moore und Mickey Mouse.
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Wie sein Film auf die amerikanischen Leinwände finden soll, ist derzeit unklar. (© Foto: AP)
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Dem Disney-Konzern gehört nämlich die Produktionsfirma Miramax, die den neuen Dokumentarfilm des bekannten Bush-Bashers und Polemik-Fachmanns Michael Moore, "Fahrenheit 911" finanziert hat - der Film handelt von der Zeit vor den Anschlägen in New York und von der Rolle, die die Regierung Bush dort gespielt hat.
Nicht gerade ein Disney-Thema. Inzwischen ist "Fahrenheit 911" fertig und wird bei den Filmfestspielen in Cannes nächste Woche zu sehen sein.
Wie der Film auf die amerikanischen Leinwände finden soll, ist derzeit unklar: Disney will von einer Klausel in den Verträgen Gebrauch machen, die den Handel mit den Weinstein-Brüdern besiegelten, als sie Miramax 1993 an Disney verkauften.
Die besagt, dass der Mutterkonzern den Weinsteins, die Miramax nach wie vor leiten, den Vertrieb von Filmen untersagen kann. Miramax nahm sich des Moore-Projekts erst an, als die ursprüngliche Produktionsfirma einen Rückzieher machte - Mel Gibsons Icon.
Ein Sprecher des Republikaners Gibson hat inzwischen bekundet, dass es keine politischen Gründe gegeben habe, aus dem Filmprojekt auszusteigen. Aber der Salon-Revoluzzer Moore und der Erzkatholik Gibson?
Moore scheint ein Faible zu haben für merkwürdige Allianzen. So gesehen ist es nur natürlich, dass es in "Fahrenheit 911", unter anderem, um die Beziehung zwischen der Familie Bush und einflussreichen Saudis bis hin zum Clan von Osama bin Laden geht - eine Enthüllung ist das nicht, die Verbindungen sind bekannt, aber Moore sagt, er habe gründlich recherchiert.
Wenn Michael Moore einen Film dreht, in dem Bush einer der Protagonisten ist, kann man unbesehen davon ausgehen, dass keine Liebeserklärung draus werden wird - weswegen der Streit, der jetzt zwischen Disney und Miramax um Michael Moore entbrannt ist, etwas streng nach Zensur riecht, und so nennt es Moore auf seiner Website.
Bei Miramax geht man nach wie vor davon aus, dass sich eine gütliche Lösung finden wird und "Fahrenheit 911" unter dem Miramax-Banner in die US-Kinos kommt - bei Disney aber gibt man offen zu, dass genau das nicht passieren soll. Disney-Chef Michael Eisner, in letzter Zeit wegen seiner Geschäftspolitik ohnehin unter Dauerbeschuss, soll von Anfang an gegen den Deal gewesen sein.
Miramax kann den Film zwar an andere Verleiher weiterverkaufen - was im Ausland sowieso gemacht wird und im Fall von "Fahrenheit" auch schon passiert ist -, aber das bedeutet, dass auch die Einnahmen an den anderen Verleih gehen.
Die New York Times zitiert den Agenten von Michael Moore, Ari Emmanuel, und der hat nicht etwa zu berichten, Michael Eisner habe ihn gebeten, aus dem Deal mit Miramax auszusteigen, weil dieser Disneys Loyalität zu Bush beschädigen könnte - sondern wegen einer wichtigen Steuerbefreiung, die Disney für den Themenpark und die Hotels in Florida erhalte, wo George W. Bushs Bruder Jeb Gouverneur ist: "Er hat definitiv angedeutet, dass es Steuererleichterungen gebe, die er für Disney bekomme, und deswegen wollte er nicht, dass ich an Miramax verkaufe." Bei Disney hat man dementiert. Sagen wir mal so: Wenn sich Disney ein Geschäft entgehen lässt, dann mutmaßlich deswegen, weil ein noch größeres in Gefahr ist. In Hollywood wird selten um politische Inhalte gerungen; man kann im allgemeinen davon ausgehen, dass jeder Studiochef dem amtierenden Präsidenten vors Schienbein treten würde oder ihm die Füße küssen - je nachdem, was sich finanziell besser rentiert. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Politische Konsequenzen könnte die Sache trotzdem haben - am Ende leidet unter den finanziellen Folgen für Miramax noch die Spendierfreudigkeit des Miramax-Chefs Harvey Weinstein. Und der spendet normalerweise an die Demokraten.
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(SZ .06.05.2004)
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