Die US-Regierung macht Michael Moore unfreiwillig vom Saulus zum Paulus: Sie rührt kräftig die Werbetrommel für seinen neuen Film "Sicko".
Wer braucht denn noch Guerilla-Marketing, wenn er auf die PR-Unterstützung der Regierung zählen kann? In "Sicko", dem neuen Film von Michael Moore, reist der umstrittene amerikanische Dokumentarfilmer mit zehn Arbeitern nach Kuba, die sich im Schutt von Ground Zero chronische Atemwegerkrankungen zugezogen haben. Im kommunistischen Mangelstaat bekommen die Helden von Amerikas nationaler Katastrophe die medizinische Versorgung, die das eigene Land ihnen verweigert.
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So lässt sich die Schlüsselepisode des Films zusammenfassen, der das in der Tat haarsträubende Gesundheitswesen der USA attackiert. Nun hat Moore, wenige Tage, bevor sein Film auf dem Festival in Cannes gezeigt wird, Post vom amerikanischen Treasury Department bekommen.
Das Ministerium, zuständig für die Einhaltung des strikten Handels- und Reiseembargos gegen Kuba, verlangt Auskunft über Moores ungenehmigte Reise - und droht mit Strafe. Selbstverständlich lässt sich Moore diese Chance, sich einmal mehr als politisch Verfolgter ins Gespräch zu bringen, nicht entgehen. Er steht unter Druck, seinen Sensationserfolg mit "Fahrenheit 9/11", dem erfolgreichsten Dokumentarfilm aller Zeiten, zu wiederholen.
Gleichzeitig ist er selbst Gegenstand eines kritischen Dokumentarfilms geworden: "Manufacturing Dissent" von Debbie Melnyk und Rick Caine. Die Filmemacher, zwei selbsterklärte Liberale, die viele von Moores Ansichten teilen, werfen ihm unseriöse und manipulative Methoden vor.
Da kann eine Kontroverse Wunder wirken: "Bush-Regierung attackiert 'Sicko' - Michael Moore wird seine Hilfe für kranke 9/11-Retter vorgeworfen", lässt Moore auf seiner Website verkünden. Und erklärte am Wochenende, es handle sich bei der Untersuchung um das "jüngste Beispiel dafür, wie die Bush-Regierung Bundesbehörden für eindeutig politische Zwecke missbraucht". Dass es sich bei dem Brief wohl eher um eine Formalität handelt, lässt Moore unter den Tisch fallen.
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(SZ vom 14.5.2007)
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"Sie denken also wirklich, dass es bei Burton-Helms um Menschenrechte geht? Na meinetwegen können Sie das ruhig tun."
Nein, ich bin der Meinung die USA wollten sich auf diesem Weg der Konkurenz durch die Wirtschaftsmacht Kuba entledigen (Achtung Ironie!)
Nein, im Ernst: Sie gehen wohl nicht gern auf Diskussionen ein, die Ihr Weltbild gefährden? Ich schrieb beispielsweise von der universalen Geltung der Menschenrechte und fragte Sie, ob Sie sich mit dem früheren Boykott des Apartheid-Regimes in Südafrika identifizieren können. Antwort: Keine. Aussage: Deutlich.
Burton-Helms ist ein Gesetz der Demokraten. Man erwarte also nicht, dass es geändert wird, falls Bushs Republikaner abtreten sollten.
Sie denken also wirklich, dass es bei Burton-Helms um Menschenrechte geht? Na meinetwegen können Sie das ruhig tun.
wir in den 80'igern das Apartheid-Regime boykottierten? Und nun ist der Ami der Böse, weil er den Unrechtsstaat Kuba boykottiert?
Menschenrechte, wanderwunder, gelten universal. Sollten Sie also den Widerstand gegen die Apartheid als richtig erachtet haben (oder wenn Sie jünger sind - aus heutiger Sicht für richtig erachten), warum verweigern Sie diese Unterstützung den Menschen auf Kuba?
Bei dem Vorgang handelt es sich um einen Auswuchs des unsäglichen Burton-Helms-Gesetzes, das jeden in der USA mit Strafe bedroht, der mit Kuba Geschäfte abwickelt. Im Dezember 2005 stimmten in der UNO-Vollversammlung mit atemberaubende 180 von 187 Länder für die Aufhebung dieser weltweit einmaligen Schikane - und scheiterte am hartleibigen USA-Veto im Sicherheitsrat.
Nur wenn man diese Zustände als normal ansieht, handelt es sich bei dem Brief um eine "Formalität".