Von Matthias Lüdecke

Michael Moore macht auch in diesem Jahr wieder Wahlkampf: Sein neuer Film "Slacker Uprise" ist sogar gratis im Internet verfügbar. Doch so langsam gibt sein Missionieren zu denken.

Im amerikanischen Wahlkampf mischt jetzt auch ein alter Bekannter mit: Michael Moore hat angekündigt, dass sein neuer Film "Slacker Uprising" vom 23. September an drei Wochen lang kostenlos im Internet herunterzuladen sein wird. Gleich danach soll er auf DVD erhältlich sein.

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Michael Moore schickt alle "Faulenzer" im Laufschritt zur Urne. (© Foto: AP)

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Der Film zeigt Bilder von einer Tour im Jahr 2004, als er Vorträge in 62 Städten hielt und die jungen "Faulenzer", nach denen der Film benannt ist, dazu bringen wollte, wählen zu gehen - den Richtigen natürlich. Und das heißt: den demokratischen Kandidaten und nicht den verhassten Republikaner George W.Bush.

Als eine Art Dankeschön für seine Fans deklariert Moore diese kostenlose Veröffentlichung, nennt Radiohead und Neil Young als Vorbilder, deren neue Alben man vor der regulären Veröffentlichung im Internet anhören oder gleich herunterladen konnte. Nun wolle er erstmals ähnliches mit einem Film unternehmen.

Doch schon die Tatsache, dass dieser nur für denjenigen kostenlos zu sehen sein wird, der bestätigt, Einwohner der USA oder Kanadas zu sein, zeigt, dass Moore nicht unbedingt seinen Fans danken will - denn die hat er auch in Europa -, sondern schlicht das heimische Publikum erreichen möchte. Das ist nicht neu. Bereits 2004 sorgte er dafür, dass sein Anti-Bush-Film "Fahrenheit 9/11" rechtzeitig zur Präsidentschaftswahl im Fernsehen lief - und verzichtete dafür auf eine potentielle Oscar-Nominierung.

Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Wahlkampf 2008 findet, anders als im Jahr 2004, jedoch nicht statt. Es geht nur um den Spirit, um die Bilder der sich vermeintlich erhebenden Jugend, die den Wechsel herbeiführt, passend zur "WeWantChange"-Rhetorik von Barack Obama. Doch wird Moores Mission dadurch zu reinem Lagerwahlkampf - und dass er das nicht bemerkt oder ignoriert, kann einem allmählich zu denken geben.

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(SZ vom 06.09.2008/sst)