Mia Farrow im Hungerstreik Fasten und Furious

Aufmerksamkeit für das Krisengebiet Darfur: Seit zehn Tagen verweigert die Schauspielerin und Aktionistin Mia Farrow das Essen. Dank YouTube sieht es die ganze Welt.

Von Tobias Kniebe

Diese großen Augen, vom Schrecken des Völkermords geweitet; diese fahlen Wangen, ausgezehrt vom Ringen um eine bessere Welt; diese zerbrechliche Stimme, deren flehender Ton nur schwer zu ertragen ist. Das Erscheinungsbild, das die Schauspielerin Mia Farrow in diesen Tagen abgibt, kann Anlass zur Sorge bereiten. Seit dem 27. April hat sie jede Nahrungsaufnahme eingestellt, um die Welt an das Elend in den Flüchtlingslagern des sudanesischen Darfur zu erinnern - und wie es ihr dabei geht, erzählt sie nicht nur auf ihrer Website MiaFarrow.org, sondern auch in einem eigenen Videoblog auf YouTube.

Im Film vom 5.Mai, am neunten Tag ihres Hungerstreiks, berichtet sie zum Beispiel davon, wie sie vor Schwäche kaum das Bett verlassen kann, aber den Weg hinunter ins Wohnzimmer auf sich nehmen wird, um live in die CNN-Show von Larry King geschaltet zu werden. "Wenn die Medien durch mich einen Aufhänger haben, um an das Sterben in Darfur zu erinnern, hat sich die Aktion bereits gelohnt", hatte sie schon zu Beginn ihrer Fastenzeit erklärt. Genau das geschieht jetzt. Damit alles unmittelbarer und persönlicher wirkt, erwähnt sie nicht, dass sie nur Teil einer größeren Gruppe von Fastenden ist, zu der etliche Aktivisten wie etwa Jerry Fowler von "Save Darfur" gehören.

Die Aura des weidwunden Rehs, die schon Roman Polanski in "Rosemary's Baby" so unvergesslich auszubeuten wusste, der Hang zur moralischen Überempörung, der schon in den Sorgerechtsprozessen gegen Woody Allen alle Sympathien eher auf dessen Seite zog - sie wirken auch hier auf den ersten Blick wieder zu krass, zu ungefiltert, zu klischeehaft, um wirklich wahr zu sein. Man begreift beim Sehen dieser Filme aber schnell, dass das alles keine Pose ist - nicht einmal eine Pose für den guten Zweck.

Die Art, wie die 64-jährige Farrow Papptafeln vor die Kamera hält, um ihre Zuschauer zu bewegen, die Hotline des Weißen Hauses anzurufen; wie übergangslos sie vom Privaten ("Mein Hausarzt meinte, ich könne höchstens zwei Wochen durchhalten") ins Weltpolitische wechselt; und schließlich das neugierige Enkelkind, das offenbar ständig um sie herumtollt und fast bei jedem der Filme einmal mit in die Kamera schaut - das alles offenbart eine doch recht faszinierende Mischung aus Naivität und Zielstrebigkeit, mit der sie auch früher schon beachtliche Erfolge erzielt hat.

Ungewisse Dauer

"Will Mister Spielberg wirklich als die Leni Riefenstahl der Olympischen Spiele in Peking in die Geschichte eingehen?" fragte sie beispielsweise im März 2007, als sie die Absicht des Regisseurs verdammte, die Olympia-Eröffnungszeremonie in Peking mitzugestalten - China sei schließlich der "unersetzliche Geldgeber" des Völkermords in Darfur. Spielberg trat von seinem Posten als künstlerischer Berater der Spiele zurück.

Auch die neue Aktion ist rationaler durchdacht, als die Videos zunächst vermuten lassen. Mia Farrow hat keineswegs die Absicht bekundet, sich zu Tode zu hungern. Die geplante Dauer des Fastens gibt sie zwar mit drei Wochen an, erklärt aber zugleich, sie habe keine Ahnung, wie lange sie wirklich durchhalten werde. Das Ziel dagegen ist klar definiert: So viele Bürger wollen die Hungernden zum Protest bei ihren nationalen Regierungen und Volksvertretern bewegen, dass diese wenigstens eine Forderung gegen den Sudan sofort durchsetzen: die Wiederzulassung jener 13 Hilfsorganisationen, die Anfang März aus Darfur verbannt wurden - und mehr als eine Million Menschen in Flüchtlingslagern ohne Versorgung zurücklassen mussten.

Vom Verteilungskampf zum Völkermord

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