Meryl Streep spielt Margaret Thatcher England streitet über weichgezeichnete Eiserne Lady

Margaret Thatcher regierte Großbritannien einst mit harter Hand. Nun zeichnet ein Kinofilm ihr Leben nach, mit Meryl Streep in der Hauptrolle. Der Film läuft in einigen Tagen auf der Insel an - und schon ist das Land wieder gespalten: Konservativen ist er zu persönlich, Liberalen zu unpolitisch.

Von Christian Zaschke

Eine Woche noch, bis der Film in Großbritannien anläuft, doch die Diskussionen im Land sind bereits in vollem Gange. Wird "The Iron Lady", in dem die amerikanische Schauspielerin Meryl Streep die vormalige Premierministerin Margaret Thatcher darstellt, den persönlichen und politischen Realitäten gerecht?

Thatcher spaltet das Land, das sie von 1979 bis 1990 regierte, noch immer. Gern wird sie mit dem Brotaufstrich Marmite verglichen, weil der das Land in gleicher Weise teilt: Man liebt ihn oder man hasst ihn. Entsprechend wäre zu erwarten gewesen, dass der Film das Publikum in gleicher Weise spaltet. Von denen, die ihn bereits gesehen haben, hat jedoch jeder etwas zu meckern. Den konservativen Kommentatoren ist er zu persönlich, die liberalen finden ihn zu unpolitisch.

Obwohl der Film in Großbritannien spielt und die vielleicht wichtigste Zeit der jüngeren britischen Geschichte behandelt, kommt er zunächst in die Kinos anderer Ländern. In Australien startete er bereits am 26. Dezember, in den USA läuft er an diesem Freitag an, in Spanien am kommenden Donnerstag. Von Freitag nächster Woche an wird er im Vereinigten Königreich zu sehen sein. Wenn die seit Wochen und Monaten laufende Vorberichterstattung ein Maßstab ist, dann weckt das Werk in Großbritannien mehr Interesse als irgendein anderer Film der letzten Jahre - ausgenommen natürlich die Harry-Potter-Filme.

Was Thatcher-Fans, Parteifreunden und vielen politischen Kommentatoren aufstößt, ist die Tatsache, dass erhebliche Teile des Films Thatcher als alte, demente Frau zeigen. Der konservative Abgeordnete Rob Wilson nannte es "aufdringlich und unfair", dass "The Iron Lady" die Eiserne als "einsam, zerbrechlich und dement" zeige. Seiner Ansicht nach hätte das Drehbuch sich mehr auf die jungen Jahre Thatchers konzentrieren sollen, um zu ergründen, wie sie von 1979 bis 1990 als erste und bisher einzige Premierministerin Großbritannien regierte.

Der Film sei gut gemacht und toll gespielt, sagte Wilson, "aber ich verstehe nicht, warum er so sehr von Demenz handeln muss, wenn Baronin Thatcher eine wichtige Rolle in der Politik dieses Landes und der Welt spielte". Wilson hat angeregt, das Thema im Unterhaus zu diskutieren. Der konservative Fraktionschef George Young sagte, er würde eine solche Debatte begrüßen.

Zu den schärfsten Kritikern des Films gehört Norman Tebbit, der als Minister unter Thatcher diente und ein enger Vertrauter ist. "Sie war nie die halbhysterische, überemotionale, überreagierende Frau, die Meryl Streep darstellt", sagte er. Der politische Chefkommentator der BBC, Nick Robinson, bemerkte: "Der Film ist keine Bestandsaufnahme der Thatcher-Jahre. Er versucht nicht einmal, die sozialen Folgen ihrer Politik darzustellen."

In diese Richtung zielt auch sämtliche Kritik von Thatcher-Gegnern. In ihrer Regierungszeit hat sie unzählige Staatsbetriebe privatisiert, sie hat die Gewerkschaften bekämpft und damit nach Ansicht der Linken die soziale Struktur des Landes zerstört. In linken Kreisen gilt Thatcher als das personifizierte Böse. Der Film, so die Kritik, spare das komplett aus, er porträtiere Thatcher sogar als Frau mit Humor. Doch davon, schreibt der sehr humorvolle Kommentator Michael White im Guardian, habe sie wirklich nicht das kleinste Bisschen besessen.

Die 86 Jahre alte Margaret Thatcher hat, wie es heißt, kein Interesse daran, den Film zu sehen. Kinostart in Deutschland ist am 6. März.

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