Hungrig, gierig und ungeheuer brutal: Mel Gibson erzählt in "Apocalypto" von den blutrünstigen Maya und den Machtkämpfen der Gegenwart.
Ungeheuerlich brutal ist Mel Gibsons neuer Film "Apocalypto", ein schwer erträgliches zweieinhalbstündiges Gemetzel - ein Maya-Dorf wird überfallen von herrschsüchtigen, gierigen, machtbesessenen Kriegern von unfassbarer Grausamkeit. Man müsste schon ein ziemlicher Rohling sein, um sich das mit Freuden anzuschauen, aber Gibson will "Apocalypto" als Parabel verstanden wissen, er prophezeit den Untergang des amerikanischen Imperiums, einer Gesellschaft, in der es einfach nicht genug Respekt gibt vor dem Leben an sich und die getrieben ist von ihrer Gier. Soldaten sinnlos in den Irakkrieg zu schicken, hat Gibson im September gefragt, was ist das anderes als ein Menschenopfer? Es herrschen barbarische Zeiten.
Derbe Späße - die Jäger im Regenwald, in Mel Gibsons "Apocalypto". (© Foto: Constantin)
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Ein Zitat des Historikers Will Durant hat Gibson seinem Film, den er zusammen mit Farhad Safinia auf Maya geschrieben hat, vorangestellt: "A great civilization is not conquered from without until it has destroyed itself from within." Da ging es eigentlich drum, wie Krieg, Werteverlust und Despotismus zum Untergang Roms führten. So intellektuell, wie dieser Ansatz klingt, ist der Film dann aber nicht - der theoretische Teil wird in der ersten Viertelstunde abgehandelt.
Die Geschichte beginnt kurz vorm Untergang eines anderen Imperiums. "Apocalypto" ist eine ganz physisch erzählte Geschichte, die Kamera saust durch den Dschungel, zuckt durchs Dorf, irrt durch die Tempelanlage - eine Flut der Farben, Geräusche, Bewegungen. Ein anstrengender Film, das verursachen die Gewalt und die permanente Bewegung - auch wenn letztere mehr dramatische Entwicklung vorgaukelt, als "Apocalypto" tatsächlich zu bieten hat.
Eine kleine Gruppe von Maya erleben wir am Anfang, das Leben im Urwald ist einigermaßen hart, aber die Welt des Stammes ist in Ordnung - ein etwas derber Humor herrscht unter den jungen Jägern, einer hat Potenzprobleme, was das ganze Dorf amüsiert und dazu animiert, boshafte Streiche auszuhecken, allen voran Jaguar Paw (Pranke des Jaguar). Auf der Jagd begegnen die Männer plötzlich Fremden, Männer, Frauen und Kinder auf der Flucht - und in ihren Augen erkennt Jaguar Paw eine ihm unbekannte Emotion: nicht einfach bloß Angst, es ist ein blankes Entsetzen, das ihn bis in seine Träume verfolgt.
In der selben Nacht erfolgt dann der Angriff der Krieger aus der Stadt - klassische Kino-Bösewichter, durch und durch schwarze Gestalten, die die Bewohner des Regenwalds entführen, um sie in den Städten entweder zu versklaven oder zu opfern, zur Belustigung und Ruhigstellung des Volkes. Jaguar Paw, in die Stadt verschleppt, muss unbedingt zurück, denn er hat Frau und Kind in einem Erdloch versteckt, und sie kommen dort nicht wieder raus ohne seine Hilfe. Eine wilde Jagd beginnt.
Der Tempel als Folterkammer
Das ganze Gemetzel bleibt eine Machtdemonstration. Die Maya im Regenwald haben sich einmal abends im Dorf ums Feuer versammelt, und ein alter Mann erzählt davon, wie das Böse in die Welt kam: vom traurigen Menschen, mit dem die Tiere Mitleid hatten, und ein jedes gab ihm etwas ab von seinen Fähigkeiten, aber der Mensch wurde nur mächtiger, aber nicht weniger traurig - es ist sein unstillbarer Hunger, der ihn bemitleidenswert macht, seine Gier.
Er wird nehmen, bis die Welt nichts mehr zu geben hat. Gibson hat mit der Zeit seine eigene, etwas wiederholungsfreudige Art gefunden, seine Geschichten zu erzählen, ein ständiger Wechsel zwischen Unruhe und einem forschenden Blick, eingestreute Momente des Surrealen - vieles an "Apocalypto" erinnert an die Rezeptur seines Films "Die Passion Christi".
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