Hätte ein flammender Protest des Papstes nicht viel mehr Juden gerettet? Keinesfalls, sagt der Pater. Er selbst habe 1942 erlebt, wie die holländischen Priester die Deportationen von den Kanzeln herab verdammten. "In der Folge beschleunigten die Nazis die Verschleppungen. Hat der Protest einen einzigen Juden gerettet? Nein, er hat die Lage verschlimmert. Pius XII. wusste das."
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Aber hätte der Papst nicht schon Jahre vorher die Hitler-Diktatur attackieren müssen? Hätte er nicht aktiven Nazis die Exkommunikation androhen und den Widerstand stärken können? Der Pater lächelt nachsichtig: "Schon rein kirchenrechtlich können sie nicht Hunderttausende exkommunizieren. Zudem hätten solche Schritte eine Kirchenverfolgung ohne Ende ausgelöst."
Aber war damals wirklich Schweigen Gold? Pius habe nicht geschwiegen, widerspricht der Pater. Er habe etwa in seiner Weihnachtsansprache 1942 der Hunderttausenden gedacht, die, so Pius wörtlich, "bisweilen nur aufgrund ihrer Nationalität oder Rasse dem Tod oder fortschreitender Vernichtung preisgegeben sind".
Dann räumt er ein, aus der Sicht der Nachgeborenen sei es schwierig, sich die damalige Lage vorzustellen. "Meine Großneffen besuchen mich manchmal in Rom und fragen mich: 'Aber Onkel, warum habt ihr denn damals nicht mehr gemacht?' Ich sage ihnen dann: 'Ich habe unter Lebensgefahr geholfen, Juden über die Grenze zu bringen. Ihr habt dem Tod noch nicht ins Auge geschaut." Die Nachgeborenen sollten vorsichtiger sein, wenn sie die Generation ihrer Vorfahren verurteilen.
Jüdisches Lob
Nun aber geht es nicht um eine Verurteilung, sondern darum, ob Pius XII. so vorbildhaft handelte, dass er selig gesprochen werden sollte.
Pater Gumpel betont, in der Kurie hätten eine Historiker-Kommission und eine Gruppe von Theologen den von ihm aufbereiteten Fall genau geprüft. Danach hätten ihn 13 Kardinäle und Bischöfe begutachtet. "Im Mai vergangenen Jahres gaben alle 13 eine positive Antwort. Damit war meine Arbeit als Untersuchungsrichter beendet."
Das letzte Wort hat nun der Papst. Benedikt XVI. nehme den Fall sehr ernst und wolle ihn persönlich studieren. "Der Papst möchte nichts unternehmen, was die Beziehungen zwischen Juden und der Kirche belasten könnte", meint Pater Gumpel.
"Bestimmte jüdische Kreise" versuchten, Benedikt unter Druck zu setzen. Allerdings hätten sich auch etliche jüdische Gelehrte lobend über Pius geäußert, zuletzt im September bei einem Kongress der amerikanisch-jüdischen Stiftung "Pave the way" in Rom.
Benedikt sagte da zur Rolle Pius XII.: "Seine Interventionen waren geheim und still, weil es in der gegebenen Situation des schwierigen historischen Momentes nur so möglich war, das Schlimmste zu verhindern und die größtmögliche Zahl von Juden zu retten." Am Donnerstag will er im Petersdom eine Messe für Pius feiern.
Sind das Vorzeichen, dass Benedikt seinen umstrittenen Vorgänger nun bald seligsprechen wird? Pater Gumpel klopft wieder auf seinen Schreibtisch und sagt: "Sehen Sie hier irgendwo eine Kristallkugel herumstehen? Ich bin weder ein Hellseher noch ein Prophet."
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(SZ vom 8.10.2008/pak)
Staatsbesuch in Israel
Die prinzipielle Ablehnung des Rassen-Antisemitismus war für die katholische Kirche und ihre Gläubigen eine logische Konsequenz aus der christlichen Weltanschauung, die von der gleichen Würde aller Menschen ausgeht. Obwohl es gewiss wissenschaftlich unhaltbar ist, von einer geradlinigen Entwicklung vom Antijudaismus zum Antisemitismus zu sprechen, weisen neuere Forscher darauf hin, dass der christliche Antijudaismus dem modernen
Antisemitismus den Boden vorbereitet hat." So stellte ein Gesprächskreis Juden und Christen beim Zentralkomitee der Deutschen Katholiken unter der Leitung von Werner Trutwin 2002 zusammenfassend fest:
Der kirchlicherseits oft gehörten Behauptung, der Antisemitismus habe seine Wurzeln nur außerhalb des Christentums, ist zu widersprechen: Zwar hat der Antisemitismus des Nazi-Regimes mit seiner Rassenlehre und seinem Vernichtungswillen gegenüber dem kirchlichen Antijudaismus eine neue Dimension erreicht, doch wäre der heidnische Antisemitismus ohne die Grundlegung des christlichen Antijudaismus nicht möglich gewesen. Die unheilige Allianz beider Überzeugungen führte zu Auschwitz.
Und genau vor dem Hintergrund dieser zitierten Aussagen müssen die Verhaltensweisen von Papst Pius XII. eingeordnet werden. Ich möchte nur auf zwei Sachverhalte hinweisen :
In seiner Ansprache an die Kardinäle und Prälaten der Kurie im Dezember 1942 erinnert Pius XII. daran, dass Jesus missverstanden wurde und auf Widerstand stieß. Wörtlich sagte er: ... Jerusalem hat seine Einladung und seine Gnade mit jener starren Verblendung und jenem hartnäckigen Undank beantwortet, die es auf dem Weg der Schuld bis hin zum Gottesmord geführt haben. War Pius XII. sich bewusst, dass gerade der Vorwurf des Gottesmordes dem christlichen Antijudaismus seine verletzende Schärfe verliehen hat?
Es mir nicht bekannt, dass Papst Pius XII. Anstrengungen unternommen hätte, das Bittgebet Oremus et pro perfidis Jududaeis aus der Karfreitagsliturgie zu streichen. Auch Pius XII. hat jedes Jahr bis zu seinem Tode den Text dieser Karfreitagsliturgie mitgebetet, in der es wörtlich heißt: Lasset uns beten für die ungläubigen Juden... erhöre unsere Gebete, die wir ob der Verblendung jenes Volkes vor Dich bringen: mögen sie das Licht Deiner Wahrheit, das Christus ist, erkennen und ihrer Finsternis entrissen werden.
Von Elie Wiesel stammt der Satz : In Auschwitz ist nicht das Judentum, sondern das Christentum gestorben. Der Schweizer Historiker Urs Alte
Papst Pius XII selig zu sprechen würde ein völlig falsches Signal aussenden. Vor allem muss man die Rolle der röm. kath. Kirche nach 1945 sehr kritisch hinterfragen. Selbst wenn die Rettung von tausenden Juden während der Naziherrschaft auf der Habenseite zu verzeichnen sei, darf man doch nicht vergessen, dass Kirchenvertreter den Nazi-Verbrechern Eichmann, Mengele, Stangl usw. massgebliche Fluchthilfe gewährt haben und das wahrscheinlich aus reinem Proselytismus (siehe auch "Nazis auf der Flucht" von Gerald Steinacher). Der Papst als Oberhaupt der röm. kath. Kirche hat hier die moralische Verantwortung zu übernehmen.
Bevor man eine Seligsprechung diskutiert, sollte man erst einmal die Archive des Vatikans allen Historikern zugänglich machen so wie ALLE anderen europäischen Staaten dies bereits getan haben. Man hat doch nichts zu verbergen oder?
Der Vatikan bruestet sich gerne mit seiner Hilfe fuer die verfolgten Juden Roms. Gerne wird dabei aber unterschlagen,dass diese Hilfe - vor allem das Verstecken von "Juden" in den kirchlichen Einrichtungen Roms und das Herausschmuggeln aus dem Machtbereich der Nazis - sich fast ausschliesslich auf getaufte Juden beschraenkte.Die "echten" Juden hat man dagegen weitgehend ihrem Schicksal ueberlassen.Aus vatikanischer Sicht wohl kein Hunderungsgrund den Mann zum Heiligen zu machen. Wenn also alle deine Heiligen,oh Vatikan, so ausschauen,dann weiss ich ueber euch Bescheid.
wird schon bei Plato gebraucht. Aber seit Luther ist das Latein ein wenig in den Hintergrund getreten. Daher ebnutze ich die deutsche Übersetzung, auch wenn in Buchenwald das auch verwendet wurde. Baracke nutze ich auch als Wort und denke eher an die Sozis als an das Herrenvolk, aber Jedem das Seine/Suum cuique.
@hannibal-karthago "jedem das seine"
Wo wir schon bei den Nazis sind, sollte man vieleicht nicht unbedingt deren Sprüche verwenden. "Jedem das Seine" ist nämlich tatsächlich ein Ausdruck mit dem die Nazis dokumentieren wollten das die Juden das was Ihnen "widerfahren" ist auch verdient haben, nämlich "jedem das Seine".
Ich möchte aber bewusst darauf hinweisen das sich dieser Begriff leider ins allgemeine Deutsch eingebürgert hat und ich Sie persönlich hier nicht angreiffen möchte.
Paging