Medienpreis "Goldener Prometheus" Promis in der Suppenküche

Heute Abend wird er wieder verliehen, der Medienpreis Goldener Prometheus: Über einen fragwürdigen Schaulauf der Eitelkeiten in Berlin.

Von Tom Schimmeck

Schon schmeißt Berlin sich wieder in Schale. Gewiss wird es einen roten Teppich geben, einen flotten Moderator, vielleicht ein paar festliche Fackeln. "Zu der Gala im Berliner Martin-Gropius-Bau", meldet die Online-Postille visdp, "werden zahlreiche Promis erwartet." Angekündigt seien "Maybrit Illner, Kai Diekmann, Volker Herres, Jörg Pilawa" - und der bayerische Umweltminister Markus Söder.

Deutschlands Zeitungs-, Radio-, Fernseh-, Magazin-, Online-Journalisten sowie der Newcomer des Jahres 2008 werden an diesem Montagabend mit dem Goldenen Prometheus dekoriert. 69 Menschen und eine komplette Redaktion sind nominiert. Dieter Kronzucker, 72, wird für sein journalistisches Lebenswerk geehrt.

Visdp fungiert als Gastgeber. Das kunterbunte Magazin voller Klatsch und Rankings erschien erstmals 2004. Im Beirat sitzen Mediengrößen wie Ex-ZDF-Chefredakteur Klaus Bresser oder Ex-Brigitte-Chefin Anne Volk. Inzwischen wird visdp nur noch zweimal im Jahr gedruckt, der Rest ist online und umsonst. Noch ordnet der Verlag Helios sein Produkt als "eines der führenden Medien von Journalisten für Journalisten" ein. Eigentümer und Chef Rudolf Hetzel räumt ein: "Da sind wir unter ferner liefen."

Trotzdem kommt jeder. Weil alle anderen ja auch da sind. Das Geschäftsmodell funktioniert in Berlin, der Hauptstadt der Suppenküchen, wo jede warme Mahlzeit kostbar ist. "Letztendlich bringen wir Menschen zusammen", sagt Hetzel. Einst animierte er Urlauber auf Rhodos und Gran Canaria. Politik begeistert ihn als Gewerbe. 1998 war er Helfer bei der Berliner SPD, im Schröder-Wahlkampf: "Als Oberpraktikant. Da hab ich ganz viel gelernt."

Crash-Kurse in Lobbying

Inzwischen betreibt er zwei GmbHs, Helios Media und die Depak, die Deutsche Presseakademie. Hier verfeinern PR-Leute in Crash-Kursen ihre Kunst: Lobbying, die "Positionierung von Führungskräften" und - eine Spezialität von Helios - die "kreative Inszenierung". Hajo Schumacher, der mit dem ehemaligen Bild-Chefredakteur Hans-Hermann Tiedje den N-24-Talk Links-Rechts betreibt und früher im Dienst von Spiegel und Max stand, lehrt bei der Depak den "Umgang mit der Presse".

"Hajo ist ein Freund von mir", sagt Hetzel. Einer, der hilft wo er kann: als Herausgeber und Beirat von visdp, als Chefjuror beim Goldenen Prometheus, als Redner und Conferencier bei Events, die Helios Media inzwischen ausrichtet. Den "Politikkongress" etwa, ein Berliner Stelldichein professioneller Agendasetter aus Politik, Konzernen und Medien. Auch hier winkt ein Preis: der Politikaward. Zuletzt wurde Finanzminister Peer Steinbrück so zum "Politiker des Jahres". Die Laudatio hielt Roland Koch, über den Schumacher ein Buch schrieb, zu dem wiederum die hessische Staatskanzlei auf ihrer Internetseite rät.

Rauchzeichen aus dem goldenen Apfel

Der "Kommunikationskongress", der Jahrestreff der PR-Branche, den Helios als "Dienstleister" für den Bundesverband deutscher Pressesprecher ausrichtet, läuft nach dem gleichen Strickmuster: Foren, Talks und eine Gala ("Speakers night") samt Preisverleihung (Der Goldene Apfel). Präsident Lars Großkurth, im Hauptberuf Consumer Marketing Manager der Reemtsma Cigarettenfabriken, lässt den Verein samt Zentralorgan (pressesprecher) von Helios managen. Auch Großkurth, sagt Hetzel, sei "ein Freund" geworden. Helios produziert Reemtsmas Firmenblatt mit dem schönen Namen Rauchzeichen.

Der Jahresumsatz von Hetzels Unternehmen wird auf mehr als sechs Millionen Euro geschätzt. Rund 70 feste Mitarbeiter und etliche Praktikanten kümmern sich in den Büros an der Berliner Friedrichstraße um all die Kongresse und Partys, Onlinedienste, Newsletter, Datenbanken, Bücher und Zeitschriften wie Politik & Kommunikation. Zwischenzeitlich gab es sogar eine Brüsseler Dependance mit Magazinen wie European Agenda und Communication Director, dazu Fachtagungen in Rom, Istanbul und Budapest.

Natürlich werden auf seinem "European Communication Summit" die European Excellence Awards verliehen. Zudem dient er einer School of Business Media and Politics als Managing Director.

Spiel mit der Eitelkeit der Branche

Wurde Hetzel so zum Millionär? "Leider nein", erklärt die Frohnatur vom Niederrhein, "das ist total ärgerlich." 2008 musste er sogar "14 Leute abbauen". Vom Büro Brüssel ist wenig geblieben. Schon vor drei Jahren war seine Firma "fast pleite". Mit visdp erzielt er offenbar keinen Gewinn. Auch 2009 erwartet er keine Triumphe. Doch sobald Helios mit Promis und Preisen, mit Buffet und Beifall lockt, strömen Minister, Firmenvertreter, Chefredakteure und andere "Entscheider" herbei. Immer länger werden die roten Teppiche, immer breiter das Lächeln der vielen Sieger. In schlechten Zeiten braucht man vermutlich viel Ablenkung und Selbstbestätigung.

Er arbeite nach dem "Leuchtturm-Prinzip", sagt Hetzel, "mit Leuten, die man kennt, die was Besonderes sind". Geschickt spielen die Prometheus-Macher mit der Eitelkeit der Branche, mischen echte Seriosität mit praller Show, die Großen mit den Kleinen.

Wie aber ist zu erklären, dass dieser kleine Verlag, der sein Geld mit Verlautbarern aus Parteien, Konzernen und mit Event-Artisten macht, sich aufschwingt, die so genannten "besten Journalisten" zu küren? Gesponsert von RWE, CocaCola und der Telekom, von Shell, Reemtsma, der Dresdner Bank und der ewig emsigen "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft"?

"Ich bin Geschäftsmann", sagt Hetzel. Er müsse sich und seinen Verlag in Berlin schließlich "positionieren". Und außerdem sei das "ein Plus-minus-null-Geschäft - maximal".

And the Mira goes to...

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