Das TV-Paar Gerhard Delling und Günter Netzer über die Fußball-EM, Humor im Studio und den Bundestrainer.
Von den 31 Spielen der Fußball-Europameisterschaft hat die ARD 16 Spiele übertragen. Verlassen konnte sie sich auf Gerhard Delling, 45, und Günter Netzer, 59. Das Journalisten-Experten-Paar, das sich auch noch in der Freizeit siezt, war der Konkurrenz des ZDF (Poschmann/Beckenbauer) sprachlich überlegen und am Ende fachlich - weil es im ritualisierten Frage-Analyse-Auftritt vor allem eines blieb: immer verständlich.
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SZ: Herr Delling, so eine EM hinterlässt Spuren. Man hat Sie, so ist jedenfalls zu hören, für die letzte ARD-Übertragung am Mittwoch in Ihren Moderatorenstuhl tragen müssen. Was ist passiert? Gerhard Delling: Ich habe mir den Rücken verrenkt.
SZ: Und was haben Sie gemacht, Herr Netzer, um dem Kollegen über die Zeit zu helfen? Günter Netzer: Ich habe mit jedem Wort mit ihm gelitten und war voller Freude, dass er trotzdem in so guter Form war. SZ: Portugal war jetzt Ihr viertes gemeinsames internationales Fußball-Turnier. Demnächst bricht das so genannte verflixte siebte Jahr Ihrer Beziehung an. Ist mit dem Schlimmsten zu rechnen? Netzer: Nein. Wir sind wirklich eng befreundet und haben keine Mühe miteinander. Wir stellen uns immer wieder in Frage, jeder betrachtet sich kritisch, fast zu selbstkritisch - und deswegen stehen wir immer wieder auf dem Prüfstand.
SZ: Und mit dieser selbstkritischen Haltung feilen Sie dann an ihren Fernseh-Sendungen? Netzer: Wir nehmen uns nichts Besonderes vor, wenn Sie das meinen. Wir haben keine Pläne, irgendetwas zu tun. Das entwickelt sich so, wie sich sonst alles entwickelt, wenn wir tagsüber zusammen sind. Delling: Also, die Planungen - welche Beiträge, welcher Ablauf - macht die Redaktion. Mit unserer Rolle hat das aber nichts zu tun.
SZ: Man muss sich vorstellen, dass das, was live zuweilen als kammerspielhafter Dialog erscheint, improvisiert ist? Netzer: Glauben Sie es mir: Wir haben null Vorbereitung. Ich bin faul. Er muss diese ganze Arbeit als Journalist erfüllen, und diesen Anspruch hat er sich nie abkaufen lassen von mir. Er ist nie beeindruckt gewesen von meiner Popularität. Ich als sein Partner kann mich auf ihn verlassen, und ich weiß bis heute nie, was er in den Sendungen vorhat. Ich frage ihn auch nicht danach. Und deswegen entwickelt sich das. Wir merken oft überhaupt nicht, dass die Kamera da ist. Wir sind so, wie wir uns normal unterhalten. Das ist wohl die wahre Stärke unseres ganzen Tuns: Dass man das und uns nicht programmieren kann. SZ: Das Wesen Ihres Humors hat sich verfeinert... Delling: ...zwangsläufig und zwar schon während der WM 1998 in Frankreich, als wir oft mehr als zwölf Stunden zusammensaßen. Die Schwierigkeit besteht darin, dass man die Aufmerksamkeit nicht verliert.
SZ: Anfänglich schien manches zu dick aufgetragen: Huhu, hier kommt ein Witz. Inzwischen gibt es charmante Zwischentöne. Oder hat man sich bloß an Sie gewöhnt? Netzer: Das ist ja hochinteressant, also Ihre Frage. Aber ich glaube, unsere ganze Beziehung hat sich entwickelt. Und wenn Sie glauben, unser Humor auch, dann freut uns das. Wir pflegen ihn aber nicht. Es gibt keine inszenierten Pointen, das wäre Klamauk. Delling: Vermutlich hat nur eine Weiterentwicklung der Süddeutschen Zeitung stattgefunden.
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65. Filmfestspiele Cannes