Eine Toilettenaffäre und ein Anzeigenstreit: Die Braunschweiger Zeitung berichtet kritisch über Media Markt - und der Elektromarkt-Riese wehrt sich auf seine Art.
Es sei gar nicht so außergewöhnlich, meint Paul-Josef Raue, Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung, dass Journalisten eingeschüchtert werden sollen: "Überall im Leben wird gedroht, meistens ist nichts dahinter."
Außenansicht des Braunschweiger Zeitungsverlages (© Foto: dpa)
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In dem speziellen Fall, über den das täglich 166.000- Exemplare verkaufende Blatt Anfang Februar berichtete, sei das anders gewesen. "Wir waren überrascht, als die Ernst gemacht haben."
Ernst machte das Elektrofachgeschäft Media Markt in Wolfsburg. Der Fall, um den es hier geht, ist bizarr. Eine Geschichte über verdreckte Toiletten, angedrohte DNS-Tests und angeblich stornierte Anzeigen. Chefredakteur Raue behauptet: "Der Media Markt in Wolfsburg wollte unserer Redaktion schaden, ganz klar." Der Konzern weist das zurück.
Ende Januar erhielt die Braunschweiger Zeitung, die seit ein paar Jahren zum großen Reich des in Essen ansässigen WAZ-Konzerns gehört, die Kopie eines Schreibens, das die beiden Geschäftsführer des Wolfsburger Media Marktes unterzeichnet hatten.
Der Text vom 15. Oktober 2008 richtet sich "an alle männlichen Mitarbeiter". Leider, heißt es da, habe man wiederholt feststellen müssen, "dass es einen Mitarbeiter in unseren Reihen gibt, dem es Spaß zu machen scheint, seine Popel an die Toilettentüren der Herrentoilette zu schmieren". Für die anderen Angestellten sei das eine Zumutung. Auch von der Reinigungsfirma könne man nicht verlangen, den Dreck zu entfernen.
Dass die Braunschweiger Zeitung den Toilettenschmutz im Wolfsburger Media Markt zum Lokal-Aufmacher und zur Nachricht im überregionalen Teil beförderte, lag nicht so sehr am popeligen Stoff, als an den angedrohten Konsequenzen. Die Geschäftsführer kündigten einen DNS-Test an, den "die exzellenten Verbindungen der Geschäftsleitung zu unserem Klinikum" möglich mache. Die Kosten von rund 2000 Euro seien sie bereit zu investieren, "um diesen Drecksack zu überführen".
Später drohten die Geschäftsführer dem "Dreckschwein" noch: "Wir werden Sie fristlos entlassen!"
In den Berichten der Braunschweiger Zeitung weisen der Chef des Wolfsburger Einzelhandelsverbandes, der Generalsekretär der Gewerkschaft Verdi und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die Drohungen der Geschäftsführer entschieden zurück. Auch der Direktor des erwähnten Klinikums, Wilken Köster, wird zitiert: "Das ist ja ein starkes Stück."
Er habe die Berichterstattung als "völlig normal" angesehen, sagt Chefredakteur Raue. Doch schon während der Recherche habe einer der Geschäftsführer des Media Marktes mit der Kündigung von Anzeigen gedroht. Seine Redaktion habe das natürlich ignoriert und die anrüchige Sache verfolgt, doch sie verzichtete darauf, den Firmennamen zu nennen und schrieb von "einem Einzelhandelsgeschäft". Sein Blatt habe niemanden an den Pranger stellen, sondern nur zeigen wollen, was in dieser Gesellschaft gerade passiere, sagt Raue. Der Datenschutz sei immer weniger wert, die Bürger würden immer weiter durchleuchtet."
Anzeigen habe es anschließend keine mehr gegeben, sagt Raue, ein Braunschweiger Media Markt habe währenddessen wie gewohnt Werbung geschaltet.
Falls der Wolfsburger Media-Markt-Boykott bis Ende des Jahres anhalte, verlöre der Verlag bis zu 300.000 Euro. "Eine schöne Summe für ein Blatt unserer Größe in so einer Zeit."
Am Telefon klingt Raue immer noch ungläubig, wenn er den Sachverhalt schildern soll. Für die Drohungen des Media Markts gegen seine eigenen Mitarbeiter und gegen die von ihm geführte Zeitung habe er kein Verständnis: "So etwas geht nicht."
Media Markt (Motto: "Ich bin doch nicht blöd") ist mit Geschäften in 195 deutschen Städten und einem Jahresumsatz von zuletzt 5,6 Milliarden Euro Marktführer im Elektrofachbereich. Die Geschäfte laufen mit denen der Saturn-Kette zusammen unter dem Dach der Media-Saturn-Holding, die wiederum zur Metro Group gehört, einem der weltgrößten Handelsunternehmen. Das Besondere an der Struktur der Media Märkte ist, dass die Geschäftsführer Miteigentümer ihrer Häuser sind. Nach Angaben von Metro sind sie mitverantwortlich fürs Sortiment, den Vertrieb - und die Werbung.
Unter Druck
Die Geschäftsführer des Media Marktes in Wolfsburg waren auf Anfrage nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Eine Mitarbeiterin verwies an die Pressestelle des Konzerns in Ingolstadt. Dort hörte man die Geschichte nach eigenen Angaben zum ersten Mal. Eine Stellungnahme folgte: "Wir bedauern den geschilderten Vorfall ausdrücklich", heißt es da. Das Unternehmen habe sofort reagiert und dafür gesorgt, dass dies "ein absoluter Einzelfall" bleibe.
Den Vorwurf des Anzeigenentzuges weist der Sprecher der Media-Saturn-Holding klar zurück. Er hat eine völlig andere Erklärung für die Werbepause der Wolfsburger Filiale. So habe es einen Wechsel in der Anzeigenleitung der Braunschweiger Zeitung gegeben. Aufgrund dieses Managementumbaus, so lassen es die unter Druck geratenen Wolfsburger Media-Markt-Geschäftsführer nun darstellen, sei ein erstes Treffen zwischen ihnen und dem neuen Anzeigenchef des Braunschweiger Zeitungsverlages (BZV) vereinbart worden. Danach, so stellt es der Ingolstädter Sprecher in Aussicht, können wieder "Anzeigen geschaltet werden".
Chefredakteur Raue bestätigt, dass seit 1. April ein neuer Anzeigenleiter im BZV tätig sei. Das Treffen soll nun an diesem Montagabend stattfinden. Dieser Termin allerdings sei "offenbar kurzfristig vereinbart worden".
(SZ vom 20.4.2009/korc)
Nationalteam vor der EM
Einzelfall - dann ist ja gut
Lidl, Bahn, Telekom... jeder einzelne Fall ein Einzelfall.
Aber man sieht auch in welcher prekären Lage die Medien sind.
Es macht einen Unterschied von einem "Einzelhandelsunternehmen" (würde man wohl an Lidl denken) oder explizit von einem Media Markt zu sprechen.
Also entweder die Öffentlichkeit informieren oder Werbeeinnahmen.
Bei Media-Saturn können sie sich auf ihre dezentrale Struktur rausreden, aber scheinbar ist das für die Beschäftigten auch nicht gerade ein Vorteil.
Den gesamten Hintergrund kennen wir ja nicht, aber warum wurde auf der Herren Toilette nicht einfach erst mal ein Aushang gemacht, in dem auf den Mißstand hingewiesen wird und um Unterlassung gebeten. Da hätte man ja durchaus auch Restriktionen ankündigen können. Also rein persönlich gesehen halte ich den Verschmutzer schon für ein extremes Ferkel.
Die Methoden die der MM Wolfsburg aber anscheinend vorgehabt hat oder noch hat halte ich prinzipiell für bedenklich. Es geht da nämlich um die systematische Abschaffung von Bürgerrechten und den immer mehr ausgehölten Datenschutz. Das passt alles in unsere zeit, in der der Bundesinnenminister immer in Karlsruhe entscheiden lässt, inwieweit man die persönliche Freiheit noch unter dem Vorwand Terrorismus einschränken kann.
Insoweit ist es durchaus angebracht über so ein Thema in einer Zeitung zu berichten.
Stimmt, der lysierte Schleim. den Restriktionsverdau,
obwohl wenn du es genau betrachtest, da stecken Nasenhaare drinn und eigene Zellreste
Die DNA wird über PCR angereichert. Dazu benutzt man spezifische Primersequenzen die DNA einer bestimmen Länge produzieren und das nur die DNA des Menschen. Falls es vom Bakterium kommt wird man es sehen und wiedrum von der menschlichen DNA trenne.n Denn das was man macht ist, nicht das Sequenzieren sondern die anschließende Zerlegung mit einem Restriktionsenzym.
Die geschnittene DNA zerfällt in unterscheidlich lange Fragment (das ist das für jeden Menschen anders )wird auf dem Gel aufgetragen und untereinander verglichen.
ein Rätsel, wie es Leute geben kann, die diesen Bericht auf Popel ja/nein reduzieren. Was der Auslöser der Hasstirade der Betriebsleitung ist, ist doch völlig nebensächlich; es bleibt die Drohung der DNS Analyse und der fristlosen Entlassung. Und das ist nicht nur eine Überreaktion oder eine Frechheit, sondern eine illegitime Vorgehensweise.
Wer da eine Schweinerei mit einer Schweinerei vergelten will, suhlt sich doch nur im angenommenen gesunden Volksempfinden, aber hat doch den Kern des Problem nicht verstanden.
Fuer mich ist eine Datensau ekelerregender als eine Popelsau.
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