Der Sohn Friedrich von Thuns hat sein Leben lang beim Film gejobbt - als Komparse, Praktikant und Schirmhalter. Nun ist Max von Thun Schauspieler - und will hoch hinaus.
Der Schauspieler Max von Thun war 2006 Kronprinz Rudolf, war im vergangenen Jahr beim Weltkriegsdrama "Die Flucht" dabei und hat seit 2000 in über 30 Fernsehfilmen mitgespielt. An diesem Montag ist er in dem rechtschaffenen - dem Dresdner Volksschauspieler Wolfgang Stumph auf den Leib geschriebenen - ZDF-Fernsehspiel "Stürmische Zeiten" zu sehen. Sie verkörpern Vater und Sohn in einer von emotionalen Wirren und Wiederannäherung geprägten Familiengeschichte von der Ostsee.
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Beim Pressetermin vor der Ausstrahlung machte der geschäftsmännisch mit grauem Anzug, Lesebrille, Laptop und Handy auftretende Stumph den hintergründigen, nicht ganz unselbstgefälligen Witz, der Film sei "stumph-sinnig" geraten - und äußerte damit ein in mancherlei Hinsicht wahres Wort. Max von Thun, dessen Auftritt bei diesem Termin denkbar wenig von einem Geschäftsmann hatte, antwortete auf die Frage, ob er denn lieber selbst die Hauptrolle übernommen hätte, selbstbewusst. Das sei mitnichten der Fall. Er begreife sich als Teamplayer und verweise im übrigen auf die Filmgeschichte und deren mannigfache Beispiele für kleine prägnante Rollen.
Bei jungen Akteuren, deren Eltern ebenfalls im Filmgeschäft erfolgreich sind, ist man mitunter geneigt anzunehmen, sie seien wegen ihres klingenden Namens, oder jedenfalls durch elterliche Protektion zu ihrem Beruf gekommen. Bei Max von Thun, Sohn des sympathisch distinguierten Schauspielers Friedrich von Thun, scheint das interessanterweise anders gelaufen zu sein.
Bei Regen
Zwar berichtet er, dass er als Kind seinen Vater immer wieder am Set besucht habe. Und dann, einmal vor Ort, wiederholt als kleiner Komparse vor die Kamera geholt worden sei. Nur bedeutete, was bei dieser Jahre währenden gelegentlichen Komparserie herauskam, noch lange weder den roten Teppich, noch den persönlichen Entschluss, tatsächlich als Schauspieler zu arbeiten. Mit 16 Jahren habe er in den Sommerferien ein erstes Praktikum als Set-Praktikant absolviert. Später neben weiteren Statistenrollen, zwei Regieassistenzen bei Marc Rothemund und eine beim "Tatort" gemacht.
In jedem Fall noch eine Regie-Erfahrung zu machen, ist ein erklärtes Vorhaben. Mit einem Freund, der eine Arriflex-Kamera hatte, kam er an gebrauchtes Material, schrieb Scripts, und zusammen drehten sie einige Kurzfilme. Daneben macht er Musik, brachte 2007 eine erste, selbstironisch "Greatest Hits Vol. I" betitelte Platte mit eigenen Songs heraus. Max von Thun beschreibt sich als jemand, der jüngst versucht habe, seine mannigfachen Interessen zu bündeln und sich fürs erste auf Schauspiel und Musik zu beschränken.
Es gibt zwei Sorten junge Schauspieler: Die Genialischen, die passioniert auf die Rolle ihres Lebens hoffen und die Pragmatiker, die mehr aus Gelegenheit und Interesse dazu gestoßen sind. Max von Thun gehört zu den zweiten. Er war nie auf einer Schauspielschule. Auf die Frage, wie er denn Schauspiel gelernt habe, antwortet er: "Ich habe mein Leben lang nur beim Film gejobbt. Habe hinter der Kamera wirklich jede Abteilung durchgemacht, die es gibt. Sogar beim Kostüm hab ich ein Praktikum gemacht." - "Sie haben überlegt und ausgesucht, was die Schauspieler tragen?" - "Nein! Ich war der Praktikant und hatte die Ehre, Schauspielern bei Regen den Schirm zu halten, damit das Kostüm nicht nass wird." - " Ist das nicht langweilig?" - "Aber selbstverständlich ist das langweilig!"
Club Med
Der 31-jährige Schauspieler Max von Thun gibt sich, in dem Maß, in dem er es sich erlauben kann, ehrlich. Spricht vom Spielen auch als Beruf und als Brotjob, merkt an: "Ich lebe finanziell unabhängig von meinen Eltern seit ich 19 bin." Er ist keiner, der von sich sagt, dass er sich für den Besten halte, am liebsten gleich nach Hollywood wolle. In den vergangenen Jahren seien Quantität und Qualität seiner Filme gestiegen, aber es gebe wenig Berechenbarkeit in der Branche.
Wenn man Schauspieler trifft, gehört es zu den Grunderfahrungen, dass diese oft überraschend viel kleiner sind, als man es vor der Leinwand oder dem Bildschirm vermuten würde. Nicht so Max von Thun, der 1,92 Meter misst und auf Nachfrage belustigt berichtet, dass die tatsächlich häufig murkeligen Schauspiel-Kolleginnen neben ihm schon mal auf einem aus Holzkisten gebauten Laufsteg entlang gehen müssen.
Im ZDF-Film "Stürmische Zeiten" hat von Thun stets geschminkte Augenringe, spielt einen Kranken und erinnert äußerlich mitunter an den Morphinisten und Thronfolger Rudolf. Im Leben macht er einen gesunden Eindruck, ist schnell im Kopf und kann anschaulich Atmosphären vermitteln. Er beschreibt das Ambiente eines typischen Filmsets als dem eines Club Med verwandt und erläutert die Mechanismen von Macht, Eitelkeit und eines zum richtigen Zeitpunkt platzierten Witzes.
Stürmische Zeiten, ZDF, 20.15 Uhr.
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(SZ vom 7.4.2008/ehr)
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